Didaktisch bietet das Medium für den Religionsunterricht vielfältige Möglichkeiten, historisches Lernen mit ethischer und religiöser Urteilsbildung zu verbinden. Besonders geeignet ist die Leitfrage, was Menschen aus der Geschichte lernen können und welche Verantwortung daraus für Frieden und Versöhnung erwächst. Ein Einstieg kann über die vergleichende Betrachtung der Fotografien auf Arbeitsblatt A erfolgen. Die Lernenden beschreiben zunächst möglichst genau, was sie sehen, und stellen anschließend Kriegsbegeisterung und Kriegsrealität gegenüber. Das Material selbst weist darauf hin, dass die Bilder die Naivität der anfänglichen Kriegserwartungen mit den tödlichen Folgen der tatsächlichen Kämpfe kontrastieren.
Methodisch bietet sich zunächst eine stille Bildbetrachtung mit individuellen Notizen an. Anschließend können Beobachtungen in Partnerarbeit verglichen und im Plenum geordnet werden. Dabei sollte deutlich zwischen Bildbeschreibung, historischer Einordnung und persönlicher Bewertung unterschieden werden. Für den Religionsunterricht kann die Auseinandersetzung anschließend auf Fragen nach Menschenwürde, Gewalt, Schuld, Verantwortung, Frieden und Versöhnung ausgeweitet werden. Einen besonders ergiebigen Zugang eröffnet die Beschäftigung mit Kriegsdenkmälern im Umfeld der Schule oder des Wohnortes. Das Material schlägt hierzu eine Erkundung vor, bei der Lernende Standorte, Architektur, Inschriften, Symbole und Darstellungen untersuchen und fotografisch dokumentieren.
Eine solche Erkundung ermöglicht entdeckendes Lernen an einem außerschulischen Lernort und schafft zugleich einen konkreten Bezug zwischen historischer Erinnerung und der Lebenswelt der Lernenden. Im Unterricht können die Ergebnisse anschließend daraufhin untersucht werden, welches Bild von Krieg und Tod das jeweilige Denkmal vermittelt, welche Werte zum Ausdruck kommen und welche Botschaft an spätere Generationen gerichtet wird.
Religionspädagogisch besonders interessant ist die im Material ausdrücklich angeregte Beschäftigung mit christlicher Todessymbolik sowie mit jüdischen, muslimischen und weiteren religiösen und kulturellen Vorstellungen von Tod, Seele und Jenseits.
Hier lassen sich Symbole wie Kreuz, Grab und Gedenkort auf ihre religiöse Bedeutung hin untersuchen und mit unterschiedlichen Vorstellungen von Tod, Trauer, Hoffnung und Erinnerung vergleichen. Bei Besuchen von Friedhöfen und tatsächlichen Grabstätten muss die Lehrkraft auf einen respektvollen Umgang mit den Toten und auf die Gefühle von Angehörigen achten, worauf auch das Material ausdrücklich hinweist. Vertiefend können Lernende lokale Archive, historische Zeitungsberichte oder Informationen zur Entstehung eines Denkmals recherchieren und untersuchen, wie sich dessen Wahrnehmung im Laufe der Zeit verändert hat. Auch Interviews mit Menschen vor Ort sind als Methode denkbar.
Die Beschäftigung mit Kriegsgräbern und internationalen Jugendbegegnungen eröffnet anschließend einen Zugang zum Begriff der Versöhnung. Lernende können diskutieren, warum Gräber von Kriegstoten erhalten werden, welche Bedeutung gemeinsames Erinnern besitzt und wie aus der Erinnerung an Gewalt ein Engagement für Frieden entstehen kann. Die Gegenüberstellung des politischen Entscheidens im Kaiserreich und in der heutigen parlamentarischen Demokratie ermöglicht darüber hinaus eine anspruchsvollere Auseinandersetzung mit politischer Verantwortung für militärische Gewalt.
Für eine abschließende Sicherung bietet sich eine Leitfrage wie „Was bedeutet Erinnern für unsere Verantwortung heute?“ an. Die Lernenden können ihre Antworten als persönlichen Kommentar, Friedensgebet, Gedenkrede, Plakat, digitale Präsentation oder Gestaltungsidee für ein zeitgemäßes Friedensmahnmal formulieren. Auf diese Weise verbindet das Medium historisches Lernen mit ethischer Reflexion, religiöser Deutung, Perspektivübernahme und der Entwicklung eigener begründeter Positionen zu Krieg, Frieden, Erinnerung und Verantwortung.