Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe II und in ausgewählten Passagen auch für höhere Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I. Sein besonderer religionspädagogischer Wert liegt in der Verbindung von Digitalisierung und Anthropologie. Der Text fragt letztlich danach, welches Verständnis vom Menschen eine zunehmend datenorientierte Gesellschaft prägt. Damit eröffnet er einen unmittelbaren Zugang zu zentralen Themen des Religionsunterrichts wie Menschenbild, Menschenwürde, Freiheit, Verantwortung, Gewissen und Personalität. Als Leitfrage kann formuliert werden: „Ist der Mensch mehr als die Summe seiner Daten?“ Diese Frage ermöglicht einen Vergleich zwischen dem im Text problematisierten Bild eines berechenbaren Menschen und christlichen Vorstellungen vom Menschen als freier, verantwortlicher und mit unverfügbarer Würde ausgestatteter Person.
Für einen problemorientierten Einstieg kann der Begriff „digitaler Zwilling“ verwendet werden. Die Lernenden sammeln zunächst, welche Daten im Verlauf eines gewöhnlichen Tages über eine Person entstehen können. Dazu gehören beispielsweise Suchanfragen, Aufenthaltsorte, Einkäufe, Kommunikationsverhalten, Interessen, Kontakte, Nutzungszeiten oder Gesundheitsdaten. Anschließend kann die Frage gestellt werden, ob aus der Summe solcher Informationen tatsächlich ein zutreffendes Bild eines Menschen entstehen kann. Die Lernenden können diskutieren, was durch Daten erfasst werden kann und welche Dimensionen menschlicher Existenz sich einer solchen Erfassung möglicherweise entziehen. Auf diese Weise wird unmittelbar zur anthropologischen Kernfrage des Textes geführt.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, mit den drei Menschenbildern des Textes zu arbeiten: dem gläsernen Konsumbürger, dem digitalen Zwilling und dem quantifizierten Menschen. Die Lernenden können in Gruppen untersuchen, welche Vorstellungen jeweils mit diesen Begriffen verbunden sind. Anschließend entwickeln sie zu jedem Begriff eine Definition und stellen mögliche Chancen und Probleme dar. In einem weiteren Schritt können diese Vorstellungen mit einem christlichen Menschenbild verglichen werden. Dabei können Menschenwürde, Gottebenbildlichkeit, Freiheit, Gewissen, Verantwortung und die Unverfügbarkeit der Person als Vergleichskategorien dienen. Entscheidend ist dabei, nicht vorschnell einen Gegensatz zwischen Religion und Technik zu konstruieren. Vielmehr sollen die Lernenden prüfen, unter welchen Bedingungen digitale Technologien der Entfaltung menschlicher Freiheit dienen und wann sie diese einschränken könnten.
Besonders geeignet ist das Medium zur Auseinandersetzung mit Freiheit und Determination. Schulz problematisiert eine Vorstellung vom Menschen, nach der Verhalten aus Daten, biologischen Reaktionen, Gewohnheiten und Präferenzen berechnet werden könne. Die Lernenden können zunächst klären, was Determination bedeutet und welche Konsequenzen ein vollständig determiniertes Menschenbild für Freiheit und Verantwortung hätte. Daraus können grundlegende Fragen entwickelt werden: Kann ein Mensch für sein Handeln verantwortlich sein, wenn sein Verhalten vollständig vorherbestimmt wäre? Ist Vorhersagbarkeit dasselbe wie Determination? Wird eine Entscheidung unfrei, wenn sie durch personalisierte Informationen beeinflusst wird? Diese Fragen ermöglichen eine Verbindung von digitaler Ethik mit klassischen Themen philosophischer und theologischer Anthropologie.
Methodisch bietet sich hierzu ein Gedankenexperiment an. Die Lernenden stellen sich ein digitales System vor, das aufgrund umfangreicher Daten zuverlässig vorhersagen kann, welchen Beruf eine Person wählen, welche Produkte sie kaufen und welche kulturellen Angebote sie nutzen wird. Anschließend wird gefragt, ob die vorhergesagten Entscheidungen dadurch weniger frei sind. In einer zweiten Variante beeinflusst das System gezielt, welche Informationen die Person erhält. Nun können die Lernenden zwischen Vorhersage, Beeinflussung, Manipulation und Kontrolle unterscheiden. Dadurch wird deutlich, dass die Frage nach digitaler Freiheit differenzierter betrachtet werden muss als durch eine einfache Gegenüberstellung von Freiheit und Unfreiheit.
Ein weiterer Unterrichtsschwerpunkt kann das Verhältnis von Sicherheit und Freiheit sein. Der Text nennt Beispiele, bei denen digitale Überwachung zunächst einen erkennbaren Nutzen verspricht, etwa bei Verkehrssicherheit oder gesundheitlicher Vorsorge. Zugleich wird die Frage aufgeworfen, ob aus freiwilliger Kontrolle gesellschaftlicher Druck oder Zwang entstehen könnte. Für eine Dilemmadiskussion kann deshalb ein fiktiver Fall entwickelt werden, in dem eine Versicherung finanzielle Vorteile anbietet, wenn Menschen freiwillig Gesundheitsdaten übermitteln. Die Lernenden bestimmen zunächst die beteiligten Interessen und Werte und entwickeln anschließend Kriterien für eine ethische Bewertung. Dabei können Selbstbestimmung, Solidarität, Gerechtigkeit, Privatheit, Sicherheit, Verantwortung und Menschenwürde berücksichtigt werden.
Auch die im Text angesprochene Entgrenzung der Arbeit besitzt einen starken Lebensweltbezug. Die Frage nach ständiger Erreichbarkeit lässt sich auf die Lebenswelt der Lernenden übertragen. Dabei kann untersucht werden, ob digitale Erreichbarkeit Freiheit vergrößert oder neue Erwartungen und Abhängigkeiten erzeugt. Diese Fragestellung ermöglicht eine weiterführende Beschäftigung mit Ruhe, Zeit, Muße und den Grenzen menschlicher Verfügbarkeit. Im Religionsunterricht können daran religiöse Vorstellungen von Ruhe und Unterbrechung angeschlossen werden. Der Sabbat und der Sonntag können beispielsweise als kulturelle und religiöse Vorstellungen betrachtet werden, nach denen der Mensch gerade nicht ausschließlich über Leistung, Produktivität und permanente Verfügbarkeit bestimmt wird.
Da es sich um einen politischen Meinungsbeitrag aus dem Jahr 2014 handelt, ist eine kritische Quellenarbeit wichtig. Die Lernenden sollten zwischen den damaligen Beobachtungen, politischen Bewertungen, Prognosen und normativen Forderungen des Autors unterscheiden. Schulz war zur Zeit der Veröffentlichung Präsident des Europäischen Parlaments und gehörte der SPD an. Diese politische Positionierung gehört zur Quellenanalyse, ohne dass daraus bereits eine Bewertung seiner Argumente folgt. Aussagen über mögliche zukünftige Entwicklungen sollten als Prognosen des Textes erkannt und nicht automatisch als eingetretene Tatsachen behandelt werden. Gerade dadurch eignet sich das Medium für eine kritische Auseinandersetzung mit politischer Argumentation.
Für die methodische Erschließung können die Lernenden den Text farblich strukturieren und Aussagen zu Chancen der Digitalisierung, Risiken der Digitalisierung, Menschenbild, Freiheit, gesellschaftlicher Verantwortung und politischen Forderungen unterscheiden. Anschließend kann die Argumentationsstruktur in einem Schaubild dargestellt werden. Besonders geeignet ist auch eine Gegenüberstellung der Begriffe „freier Mensch“ und „determinierter Mensch“. Die Lernenden sammeln Merkmale beider Vorstellungen und prüfen anschließend, ob diese Gegenüberstellung überzeugend ist oder weitere Zwischenpositionen notwendig sind.
Als produktionsorientierter Abschluss können die Lernenden ein eigenes Manifest zur menschenwürdigen Digitalisierung verfassen. Darin formulieren sie Grundsätze dafür, wie Daten, künstliche Intelligenz und digitale Technologien eingesetzt werden sollten, damit Freiheit und Selbstbestimmung geschützt bleiben. Ebenso eignen sich ein philosophisches Streitgespräch über den quantifizierten Menschen, ein fiktiver Ethikrat, ein Kommentar oder eine Stellungnahme zur Frage „Ist der Mensch mehr als seine Daten?“. Als Klausurmaterial ist der Text besonders geeignet, da sich das zugrunde liegende Menschenbild analysieren, die Argumentation rekonstruieren und anschließend mit christlicher Anthropologie, Freiheitstheorien oder verantwortungsethischen Ansätzen vergleichen lässt.