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Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH

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Die Auseinandersetzung der Gemeinde mit Paulus

Veröffentlichung:1.1.1970

Das Medium „Die Auseinandersetzung der Gemeinde mit Paulus: Versuch einer Rekonstruktion der Ereignisse“ aus Welt und Umwelt der Bibel 1/2009 stellt die konfliktreiche Beziehung zwischen Paulus und der christlichen Gemeinde in Korinth in Form einer chronologischen Übersicht dar. Ausgangspunkt ist die erste Ankunft des Paulus in Korinth um 50 oder 51. Gemeinsam mit Priszilla, Aquila, Timotheus und Titus beginnt er seine Mission in der kulturell vielfältigen Stadt, wobei besonders Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten erreicht werden und eine überwiegend heidenchristliche Gemeinde entsteht. Nach der Abreise des Paulus verändert sich die Situation. Andere Missionare treten auf, in der Gemeinde entstehen verschiedene Gruppierungen und die Stellung des Paulus als Apostel wird zunehmend infrage gestellt. Das Medium rekonstruiert in neun Stationen die weitere Entwicklung mit Briefen, Reisen, Vermittlungsversuchen und persönlichen Auseinandersetzungen. Einen Höhepunkt bildet der Zwischenbesuch des Paulus um 54 oder 55, bei dem es zu schweren Konflikten kommt. Paulus wird hinsichtlich seines Apostelamtes, seiner Ehrlichkeit bei der Kollekte und seines persönlichen Auftretens kritisiert und von einem Gemeindemitglied beleidigt. Nach dem sogenannten Tränenbrief und der Vermittlung durch Titus gelingt schließlich die Versöhnung. Paulus schickt einen Versöhnungsbrief nach Korinth und bittet darin auch um einen angemessenen Umgang mit dem Menschen, der ihn beleidigt hatte. Die grafische Gestaltung auf der Seite verbindet die neun Stationen mit einer Karte des östlichen Mittelmeerraumes und macht dadurch die Reisen zwischen Korinth, Ephesus, Troas und Mazedonien sowie die räumlichen Dimensionen der paulinischen Mission anschaulich.

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Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für Unterrichtseinheiten zu Paulus, den Korintherbriefen, der Entstehung frühchristlicher Gemeinden, dem Apostelamt sowie zu Konflikt und Versöhnung. Die Verbindung von Karte und chronologischer Rekonstruktion ermöglicht einen anschaulichen Zugang zu einer komplexen historischen Entwicklung. Als Einstieg kann zunächst nur die Karte betrachtet werden. Die Lernenden lokalisieren Korinth, Athen, Ephesus, Troas, Philippi und Thessalonich und entwickeln Vermutungen darüber, welche Herausforderungen Reisen, Kommunikation und Gemeindeleitung in der Antike mit sich brachten. Danach können die neun nummerierten Stationen arbeitsteilig erschlossen werden. Jede Gruppe übernimmt eine oder mehrere Stationen und beantwortet die Fragen: Was geschieht? Welche Personen sind beteiligt? Wo findet das Ereignis statt? Welcher Konflikt wird sichtbar? Wie reagiert Paulus? Welche Folgen entstehen für die Gemeinde? Die Ergebnisse können anschließend auf einem Zeitstrahl angeordnet und mit den entsprechenden Orten auf der Karte verbunden werden. Dadurch erkennen die Lernenden, dass die Paulusbriefe in konkrete Kommunikations und Konfliktsituationen eingebunden sind. Besonders wichtig ist die Erkenntnis, dass Paulus nicht als unangefochtene Autorität erscheint. Andere Missionare wirken in Korinth, Teile der Gemeinde stellen seine Legitimation infrage und es entstehen unterschiedliche Gruppen und theologische Positionen. Dies eröffnet die Möglichkeit, die Entstehung des frühen Christentums nicht als konfliktfreien Prozess darzustellen, sondern als Aushandlung unterschiedlicher Vorstellungen von Autorität, Verkündigung und Gemeinschaft. Methodisch eignet sich hierfür eine Perspektivarbeit. Die Lernenden übernehmen etwa die Rollen von Paulus, Titus, Timotheus, Priszilla, Aquila oder eines Mitglieds der Gemeinde und formulieren aus der jeweiligen Perspektive einen kurzen Bericht über den Konflikt. Für die Beschäftigung mit dem Zwischenbesuch können die Lernenden ein Konfliktdiagramm erstellen. Darin werden die Streitpunkte Apostelamt, persönliche Glaubwürdigkeit, Kollekte und Auftreten des Paulus verschiedenen Interessen und Positionen zugeordnet. Anschließend lässt sich diskutieren, wodurch religiöse Autorität entsteht und ob Autorität allein durch ein Amt, durch persönliche Glaubwürdigkeit, durch Zustimmung einer Gemeinschaft oder durch überzeugendes Handeln begründet werden kann. Einen weiteren Schwerpunkt bietet die Rolle des Titus. Die Lernenden können alle Stationen untersuchen, in denen Titus genannt wird, und herausarbeiten, wie wichtig persönliche Boten für die Kommunikation zwischen Paulus und der Gemeinde waren. Besonders die erfolgreiche Vermittlung nach dem Tränenbrief bietet einen Zugang zum Thema Versöhnung. Die Lernenden können Kriterien gelingender Konfliktbearbeitung sammeln und anschließend überprüfen, welche davon in der rekonstruierten Auseinandersetzung erkennbar werden. Dabei können Kommunikation, Vermittlung, Kritik, Geduld, Vergebung und die Wiederherstellung von Beziehungen thematisiert werden. Für eine kreative Vertiefung eignet sich das Schreiben eines fiktiven Briefes. Die Lernenden können aus der Perspektive eines Gemeindemitglieds auf den Tränenbrief oder den Versöhnungsbrief reagieren. Alternativ können sie einen kurzen Dialog zwischen Paulus und einem seiner Kritiker verfassen. Wichtig ist, die kreativen Texte anschließend mit den Informationen des Mediums abzugleichen, damit zwischen historischer Rekonstruktion und eigener Gestaltung unterschieden wird. In der Sekundarstufe II kann das Medium zudem als Ausgangspunkt für die Frage nach der Entstehung der Korintherbriefe dienen. Die Übersicht macht deutlich, dass eine längere Korrespondenz und mehrere Konfliktphasen vorausgesetzt werden und einzelne Schreiben in der Rekonstruktion als unterschiedliche Briefe bezeichnet werden. Die Lernenden können daraus ableiten, dass die Rekonstruktion historischer Ereignisse aus neutestamentlichen Texten wissenschaftliche Deutungsarbeit erfordert. Der Titel spricht deshalb bewusst von einem „Versuch einer Rekonstruktion“. Als Ergebnissicherung bietet sich ein eigener Zeitstrahl mit den neun Stationen an. Die Lernenden können jede Station mit einem Schlüsselbegriff versehen und anschließend in wenigen Sätzen erklären, wie sich die Beziehung zwischen Paulus und der Gemeinde von der Gründung über die Krise bis zur Versöhnung entwickelt. Auf diese Weise fördert das Medium historisches und bibelkundliches Lernen ebenso wie die Auseinandersetzung mit religiöser Autorität, Kommunikation, Konfliktfähigkeit und Versöhnung.

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