Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders zur geografischen und historischen Erschließung der neutestamentlichen Erzählungen, die in Jerusalem spielen. Als Einstieg können die Lernenden die Karte zunächst betrachten und Orte markieren, deren Namen ihnen aus den Evangelien bekannt sind. Anschließend können einzelne Schauplätze mit ausgewählten Bibeltexten verbunden werden. Besonders geeignet sind die Erzählungen vom Einzug Jesu in Jerusalem, von der Tempelreinigung, vom letzten Abendmahl, vom Gebet Jesu in Getsemani, von der Gefangennahme, vom Prozess, von der Kreuzigung und von der Grablegung. Die Lernenden können die genannten oder traditionell angenommenen Orte auf der Karte suchen und dadurch nachvollziehen, wie eng die Passionserzählungen mit dem Stadtraum Jerusalems verbunden sind. Auch weitere neutestamentliche Texte lassen sich einbeziehen. Der Teich Bethesda kann beispielsweise mit Johannes 5 und der Schiloach Teich mit Johannes 9 verbunden werden. Methodisch bietet sich eine arbeitsteilige Gruppenarbeit an, bei der verschiedene Gruppen jeweils einen Ort erschließen und Informationen zu seiner geografischen Lage, seiner Funktion und seiner Bedeutung in den biblischen Texten zusammentragen. Die Ergebnisse können anschließend in Form eines gemeinsamen Rundgangs durch das Jerusalem zur Zeit Jesu präsentiert werden. Besonders anschaulich ist die Gestaltung eines Passionsweges, bei dem die Lernenden ausgewählte Stationen der letzten Tage Jesu auf dem Stadtplan lokalisieren und die entsprechenden Evangelientexte zuordnen. Dabei ist jedoch darauf zu achten, zwischen ausdrücklich in den biblischen Texten genannten Orten und späteren Lokalisierungen der christlichen Tradition zu unterscheiden. Die Karte unterstützt diese Differenzierung, indem beispielsweise die Verortung von Grab Jesu und Golgota ausdrücklich als Tradition gekennzeichnet wird. Ebenso können Fragezeichen und unterschiedliche Arten von Linien zum Anlass genommen werden, über den Unterschied zwischen archäologisch gesicherten Erkenntnissen, wissenschaftlichen Rekonstruktionen und religiösen Traditionen zu sprechen. Für ältere Lernende bietet sich ein Vergleich verschiedener Evangelien an. Dabei können sie untersuchen, welche Orte jeweils genannt werden, welche Wege sich aus den Texten erschließen lassen und an welchen Stellen keine eindeutige historische Lokalisierung möglich ist. Die topografische Darstellung ermöglicht zudem eine Beschäftigung mit der besonderen Landschaft Jerusalems. Ölberg, Kidrontal und die Höhenunterschiede innerhalb der Stadt verdeutlichen, dass die biblischen Personen Wege mit erheblichen Steigungen zurücklegen mussten. Der große Tempelbereich kann als Ausgangspunkt genutzt werden, um die religiöse Bedeutung des Jerusalemer Tempels zur Zeit Jesu zu thematisieren. Dabei können Gottesdienst, Opfer, Wallfahrt, religiöse Feste und die Bedeutung Jerusalems für das Judentum behandelt werden. Zugleich lässt sich die politische Situation unter römischer Herrschaft erschließen, etwa anhand der Burg Antonia und des Palastes des Herodes. Wichtig ist eine sachgerechte Darstellung des Judentums zur Zeit Jesu. Jesus und seine ersten Anhänger sind in ihrem jüdischen Lebens und Glaubenszusammenhang zu betrachten. Konflikte in neutestamentlichen Texten sollten deshalb nicht pauschalisierend als Gegensatz zwischen Jesus und dem Judentum dargestellt werden. Als Ergebnissicherung können die Lernenden eine vereinfachte Karte beschriften, Bibelstellen bestimmten Orten zuordnen, einen thematischen Stadtrundgang erstellen oder eine Tabelle mit den Kategorien Ort, Bibelstelle, Ereignis, historische Einordnung und religiöse Bedeutung anlegen. Das Medium fördert auf diese Weise geografische Orientierung, Bibelkenntnis, historisches Denken, den reflektierten Umgang mit archäologischen Rekonstruktionen und ein differenziertes Verständnis Jerusalems zur Zeit Jesu.