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Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH

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Gott erprobt Abraham?

Veröffentlichung:1.1.1970

Der Fachartikel wurde von Johannes Roth unter dem Titel „Die Bindung Isaaks. Gott erprobt Abraham?“ verfasst. Er umfasst fünf Seiten, nämlich die Seiten 48 bis 52 der Zeitschrift Welt und Umwelt der Bibel 3/2025. Der Artikel beschäftigt sich mit Gen 22 und zeigt, dass die Erzählung von der Bindung Isaaks nicht auf eine einzige Deutung reduziert werden kann. Im Mittelpunkt stehen Abraham und Isaak, die Beziehung zwischen Gott und Abraham, die Gottesfurcht, das Opfer, das Motiv des Sehens, die Bedeutung des Ortes Morijah und die Einordnung der Erzählung in den Zusammenhang der Abraham Sara Erzählung.

Theologisch behandelt der Artikel vor allem die Frage nach dem Gottesbild. Besonders problematisch erscheint, dass Gott Abraham auffordert, seinen Sohn zu opfern, obwohl Isaak Träger der göttlichen Verheißung ist. Daraus entstehen Fragen nach Gehorsam und Vertrauen, nach Gottesfurcht und Glauben sowie nach dem Verhältnis zwischen dem lebensbedrohenden und dem rettenden Gott. Zentral ist damit auch die Theodizeefrage, also die Frage, wie Gottes Güte und Macht mit Leid und einer scheinbar lebensfeindlichen Forderung Gottes vereinbart werden können. Ein weiteres theologisches Problem betrifft die Frage nach Menschenopfern und danach, ob Gen 22 tatsächlich die Ablösung des Menschenopfers durch das Tieropfer erklären will. Der Artikel beurteilt diese lange verbreitete Deutung kritisch.

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Johannes Roth geht von der Feststellung aus, dass die Erzählung von der Bindung Isaaks in Gen 22 als einer der schwierigsten und grausamsten Texte der Bibel wahrgenommen wird. Lange Zeit wurde versucht, den Text vor allem dadurch verständlich zu machen, dass man ihn als Erzählung von der Ablösung des Menschenopfers durch das Tieropfer deutete. Eine weitere verbreitete christliche Auslegung verstand Isaak als Vorausbild Jesu. Roth hält eine Fixierung auf diese beiden Deutungen für problematisch. Seit den 1980er Jahren habe sich die exegetische Forschung deutlich weiterentwickelt. Deshalb stellt er verschiedene neuere Zugänge anhand von sieben Themen vor: Abraham, Isaak, Gottesbeziehung, Sehen, Opfer, Topografie und Nahkontext.

Zunächst betrachtet Roth die Figur Abrahams. Bereits zu Beginn der Erzählung erfahren die Lesenden, dass Gott Abraham erprobt. Abraham selbst weiß dies jedoch nicht. Dadurch entsteht eine besondere Spannung. Im Mittelpunkt steht sein innerer Konflikt. Einerseits folgt Abraham dem Auftrag Gottes und scheint gehorsam zu sein. Andererseits vertraut er weiterhin darauf, dass Gott einen anderen Ausgang ermöglichen könnte. Dies zeigt sich darin, dass er gegenüber seinen Knechten von einer gemeinsamen Rückkehr mit Isaak spricht und seinem Sohn erklärt, Gott werde selbst für das Opfertier sorgen. Abraham befindet sich somit zwischen Gehorsam gegenüber dem göttlichen Auftrag und Vertrauen auf Gottes bisherige Verheißungen. In der jüdischen Tradition kann Abraham deshalb als Vorbild vollkommenen Gehorsams erscheinen. Eine andere exegetische Möglichkeit besteht jedoch darin, Abraham gerade als ungehorsam zu verstehen. Wenn bestimmte Aussagen des Gottesboten als spätere Ergänzungen betrachtet werden, könnte Abraham aus eigener Verantwortung entschieden haben, den Widder statt Isaak zu opfern.

Anschließend richtet Roth den Blick auf Isaak. Während in der christlichen Rezeptionsgeschichte häufig Abraham im Mittelpunkt steht, erhält Isaak besonders durch die Berücksichtigung jüdischer und islamischer Auslegungen größere Bedeutung. In frühen jüdischen Deutungen kann sogar Isaak als eigentlicher Held der Erzählung gelten. Er ist außerdem nicht irgendein Sohn Abrahams, sondern der Träger der göttlichen Verheißung. Würde Isaak geopfert, wäre deshalb zugleich die Verheißung Gottes gefährdet. In der jüdischen Geschichte wurde Isaak zu einer Identifikationsfigur für das Leiden und die Hingabe des jüdischen Volkes. Die christliche Tradition deutete Isaak dagegen häufig als Vorausbild Jesu. Besonders das Tragen des Opferholzes wurde mit Jesus verglichen, der sein Kreuz trägt. Roth weist jedoch darauf hin, dass die Bezeichnung einer Opferung Isaaks missverständlich ist, weil Isaak gerade nicht geopfert wird.

Ein zentrales Thema des Artikels ist die Gottesbeziehung. Abraham besteht die Erprobung durch seine Gottesfurcht und bleibt Gott auch in einer Situation treu, die er nicht verstehen kann. Gleichzeitig zeigt die Erzählung eine schwierige und widersprüchlich erscheinende Gotteserfahrung. Abraham kennt Gott als Gott der Bewahrung, Rettung und Verheißung. In Gen 22 erscheint Gott zunächst jedoch lebensbedrohend. Am Ende zeigt er sich wiederum als rettender Gott. Daraus ergibt sich die Theodizeefrage. Es muss gefragt werden, wie derselbe Gott zugleich Leben fordern und Leben retten kann und wie dies mit seiner Güte und seinem Herr Sein vereinbar ist. Der Text löst diese Spannung nicht einfach auf, sondern hält an der Unbegreiflichkeit Gottes fest.

Eine weitere wichtige Rolle spielt das Sehen. Das Verb sehen ist ein Leitwort der gesamten Abraham Sara Erzählung. Die Aussage, dass der Herr sieht, beschreibt Gottes rettendes Handeln. Abraham sieht schließlich den Widder, der anstelle Isaaks geopfert wird. Eine besondere Deutungsmöglichkeit geht davon aus, dass Abraham den ursprünglichen Auftrag Gottes falsch verstanden haben könnte. Demnach sollte er Isaak nicht opfern, sondern ihn lediglich auf den Berg mitnehmen, um dort gemeinsam mit ihm ein Opfer darzubringen. Das beinahe vollzogene Opfer wäre dann die Folge eines falschen Hörens und Sehens Abrahams.

Roth behandelt außerdem ausführlich die Opferthematik. Messer, Holz, Feuer, Altar und Opfertier prägen die Erzählung. Lange wurde angenommen, Gen 22 erkläre die Abschaffung von Menschenopfern und ihre Ersetzung durch Tieropfer. Diese sogenannte Ablösungsthese wird heute kritisch beurteilt. Nach dem im Artikel dargestellten Forschungsstand gibt es keine ausreichenden Belege dafür, dass Kinderopfer im Alten Orient eine allgemein verbreitete rituelle Praxis waren. Eine einseitige Konzentration auf die Ablösungsthese vernachlässigt außerdem die theologischen Aussagen und die literarische Qualität der Erzählung.

Auch der Ort des Geschehens besitzt theologische Bedeutung. Morijah wird mit dem späteren Jerusalemer Tempel in Verbindung gebracht. Damit weist die Erzählung über Abraham und Isaak hinaus auf den späteren Kultort Jerusalem. Außerdem erkennt Roth sprachliche und motivische Verbindungen zur Sinaierzählung. Motive wie der Berg, der dritte Tag, die Erprobung und das Hören auf Gottes Stimme verbinden Gen 22 mit den Erzählungen vom Sinai. Zugleich kann Morijah als Vorausverweis auf Jerusalem und den Zion verstanden werden.

Zum Schluss ordnet Roth Gen 22 in die gesamte Abraham Sara Erzählung ein. Die Erzählung darf nicht isoliert betrachtet werden. Besonders Gen 12 und Gen 22 weisen deutliche Gemeinsamkeiten auf. In beiden Fällen muss Abraham auf Gottes Aufforderung hin aufbrechen und etwas Liebgewonnenes zurücklassen. Auch die Erzählung von Hagar und Ismael in Gen 21 weist Parallelen zu Gen 22 auf. In beiden Geschichten befindet sich ein Sohn Abrahams in Lebensgefahr. Ein Bote Gottes greift ein und die Augen eines Menschen werden für das geöffnet, was Rettung bringt. Bei Hagar ist dies der Brunnen, bei Abraham der Widder. Gen 21 kann deshalb als eine Art Vorbereitung auf Gen 22 gelesen werden.

Die Verheißungen am Ende von Gen 22 greifen außerdem frühere Segensverheißungen Gottes an Abraham auf und führen sie weiter. Gleichzeitig erkennt Roth ein wiederkehrendes Motiv der Preisgabe. Abraham gibt im Verlauf seiner Geschichte immer wieder ihm nahestehende Menschen preis. In Gen 22 erreicht dieses Motiv mit Isaak seinen Höhepunkt. Da Isaak zugleich Träger der Verheißung ist, steht für Abraham nicht nur die Beziehung zu seinem Sohn, sondern auch sein Vertrauen in Gott auf dem Spiel. Der Artikel kommt zu dem Ergebnis, dass gerade die unterschiedlichen und teilweise widersprüchlichen Auslegungen die Vieldeutigkeit von Gen 22 sichtbar machen. Die Erzählung bleibt deshalb herausfordernd und ermöglicht immer wieder neue Interpretationen.

Für den Unterricht ist zudem interessant, dass die Bilder des Artikels unterschiedliche Rezeptionsweisen sichtbar machen. Auf Seite 49 zeigt Lorenzo Monaco Abraham als Glaubenden und Gehorsamen, der zugleich schützend seine Hand auf Isaak legt. Das Gemälde Caravaggios auf Seite 51 hebt dagegen die Gewalt und Dramatik der Situation hervor. Auf Seite 52 zeigt ein Mosaik aus der Synagoge von Bet Alfa die jüdische Darstellung der Bindung Isaaks mit dem eingreifenden Gott und dem rettenden Widder.

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