Die Gottesfrage ist das Kernthema des schulischen Religionsunterrichts. Der Artikel verfolgt das Ziel, durch eine systematische Analyse herauszuarbeiten, wie die Frage nach Gott in den aktuell verwendeten Religionsbüchern zur Sprache gebracht wird und welche Entwicklungsperspektiven sich daraus ergeben. Als Untersuchungsgegenstand dienen 938 Religionsbuchseiten aus 17 zugelassenen Lehrwerkreihen in Nordrhein-Westfalen. Die methodische Grundlage bildet eine modifizierte Form der Inhaltsanalyse, die qualitative und quantitative Perspektiven miteinander verschränkt. Das Analyseinstrument basiert auf einem Kategoriensystem, das vier Analyseelemente (Text, Bild, Aufgabe, Inhalt) in acht thematisch orientierten Dimensionen erfasst. Zur inhaltlichen Analyse werden ein theologischer Horizont (christlicher Gottesbegriff) und ein curricularer Horizont (Kernlehrpläne NRW) herangezogen, woraus sich insgesamt 107 Aussagen zur Überprüfung ergeben. Die Analyse zeigt insgesamt ein theologisch angemessenes Angebot zur Auseinandersetzung mit der Gottesfrage mit anregenden und aktivierenden Angängen. Besonderheiten sind die häufige Verwendung von Psalmenzitaten (42%) und Werken Marc Chagalls (9%). Kritisch wird angemerkt, dass die menschenfreundlichen Seiten Gottes überwiegen und die dunklen Seiten überdeckt werden, was bei existenziellen Krisen zu Problemen führen kann. Hinsichtlich konfessioneller Unterschiede zeigen sich kaum Differenzen; vielmehr lässt sich eine interessante Verschränkung von katholischen und evangelischen Perspektiven erkennen, was kooperative Formen des Religionsunterrichts bereits jetzt ermöglicht.