Für den Religionsunterricht bietet das Medium einen besonders anschaulichen Zugang zu Demokratie, Mitbestimmung, Gemeinschaft, Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit und dem respektvollen Umgang mit unterschiedlichen Wünschen. Die Entscheidung über einen gemeinsamen Kinofilm ist für Lernende unmittelbar verständlich und besitzt eine hohe persönliche Relevanz. Dadurch werden demokratische Grundprinzipien nicht zunächst abstrakt erklärt, sondern in einer konkreten Handlungssituation erfahren. Methodisch empfiehlt es sich, die Filmauswahl zunächst ohne vorschnelle Vorgaben zu präsentieren und spontane Reaktionen zuzulassen. Die Lernenden können äußern, welche Filme sie bereits kennen, welchen Film sie gerne sehen möchten und welche Angebote sie weniger interessieren. Anschließend wird die eigentliche Problemstellung formuliert: Die Klasse kann nur einen Film besuchen, möchte diesen aber gemeinsam anschauen. Die unterschiedlichen Wünsche sollten zunächst bewusst sichtbar werden, denn gerade aus der Uneinigkeit ergibt sich die Notwendigkeit eines gemeinsamen Entscheidungsverfahrens. Die Lehrkraft sollte die Abstimmung möglichst nicht sofort als Lösung vorgeben, sondern die Lernenden eigene Vorschläge entwickeln lassen. So können neben einer Abstimmung zunächst auch andere Möglichkeiten wie Losen, Abwechseln oder eine Entscheidung durch die Lehrkraft genannt und miteinander verglichen werden. Erst anschließend kann herausgearbeitet werden, weshalb eine Mehrheitsentscheidung für diese konkrete Situation geeignet ist. Beim eigentlichen Wahlvorgang ist besonders darauf zu achten, dass jede Person genau eine Stimme erhält und jede Stimme den gleichen Wert besitzt. Das Medium ermöglicht sowohl eine offene Abstimmung durch Handzeichen als auch eine geheime Wahl mit Wahlzetteln. Religionspädagogisch bietet gerade die geheime Wahl interessante Möglichkeiten, über Freiheit, Gleichheit und die Achtung persönlicher Entscheidungen zu sprechen. Ebenso kann thematisiert werden, dass niemand wegen seiner Entscheidung ausgelacht, abgewertet oder unter Druck gesetzt werden darf. Von besonderer Bedeutung ist die Reflexion nach der Abstimmung. Die Lernenden, deren Wunschfilm gewonnen hat, werden möglicherweise Freude empfinden, während andere enttäuscht oder traurig sind. Das Medium sieht ausdrücklich vor, diese unterschiedlichen Gefühle wahrzunehmen und zu würdigen. Dadurch wird deutlich, dass demokratische Entscheidungen nicht bedeuten, dass anschließend alle Menschen dieselbe Meinung besitzen oder mit dem Ergebnis zufrieden sein müssen. Vielmehr lernen die Lernenden, dass die eigene Meinung weiterhin bestehen darf, obwohl die Mehrheit anders entschieden hat. Im Religionsunterricht kann diese Erfahrung mit Nächstenliebe, gegenseitiger Achtung, Gerechtigkeit und der Goldenen Regel verbunden werden. Die Lernenden können darüber nachdenken, wie Gewinner mit der Minderheit umgehen sollten und wie Menschen reagieren können, deren eigener Wunsch nicht berücksichtigt wurde. Dabei sollte zugleich deutlich werden, dass eine Mehrheitsentscheidung nicht automatisch jede Entscheidung gerecht macht. Die Rechte und die Würde anderer Menschen dürfen auch durch eine Mehrheit nicht aufgehoben werden. Diese weiterführende Unterscheidung ermöglicht eine wichtige Vertiefung des Demokratieverständnisses. Methodisch können nach der Filmwahl weitere kleine Abstimmungen zu Fragen des Klassenlebens durchgeführt werden. Ebenso können die Lernenden Wahlzettel gestalten, Stimmen auszählen und Ergebnisse darstellen. Besonders geeignet ist eine Verbindung mit einem Klassenrat, in dem demokratische Verfahren regelmäßig eingeübt werden. Das Material empfiehlt zudem das Klassenziel „Ich sage meine Wünsche und akzeptiere die Wünsche der Mehrheit“. Für den Religionsunterricht kann dieses Ziel um die Frage erweitert werden, wie Menschen trotz unterschiedlicher Wünsche und Meinungen eine Gemeinschaft bilden können. Auf diese Weise verbindet das Medium demokratische Bildung mit religiöser Wertebildung und fördert die Fähigkeit, eigene Wünsche zu äußern, andere Positionen zu respektieren, gemeinsam Entscheidungen zu treffen und auch mit Enttäuschungen verantwortungsvoll umzugehen.