Für den Religionsunterricht bietet das Medium einen geeigneten Zugang zu den Themen Gleichheit, Gerechtigkeit, Menschenwürde und verantwortliches Zusammenleben. Methodisch sinnvoll ist der Einstieg über die auf Seite 3 abgebildeten Motive Fußball und Regelkarte, da die Lernenden Regeln zunächst aus einem ihnen vertrauten Zusammenhang kennen. Von der Frage, warum ein Fußballspiel gemeinsame Regeln benötigt, kann schrittweise zur Bedeutung von Regeln in Schule und Gesellschaft übergeleitet werden. Das Medium führt diesen Gedanken ausdrücklich zum Grundgesetz als grundlegender Ordnung für das Zusammenleben in Deutschland und zu Artikel 3 Absatz 1. Besonders wirkungsvoll ist anschließend die Arbeit mit tatsächlich bekannten Schulregeln. Das Material empfiehlt dies ausdrücklich, da der Gleichheitsgrundsatz auf diese Weise nicht abstrakt bleibt, sondern an konkreten Erfahrungen nachvollzogen werden kann. Die Lehrkraft kann beispielsweise eine Regel auswählen und die Lernenden überlegen lassen, wie sie die Situation beurteilen würden, wenn diese Regel für verschiedene Klassen unterschiedlich gelten würde. Das im Medium genannte Beispiel unterschiedlicher erlaubter Fußballarten macht schnell erfahrbar, dass willkürliche Unterschiede als unfair wahrgenommen werden und die Akzeptanz gemeinsamer Regeln beeinträchtigen können. In einer anschließenden Partnerarbeit können die Lernenden weitere Schulregeln untersuchen und überlegen, welche Folgen es hätte, wenn diese nur für manche Personen gelten würden. Eine besondere religionspädagogische Bedeutung besitzt die Frage nach den dabei entstehenden Gefühlen. Verunsicherung, Trauer, Wut, Irritation oder auch Gleichgültigkeit können gesammelt, benannt und reflektiert werden. Dadurch wird die rechtliche Frage nach Gleichheit mit der persönlichen Erfahrung von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit verbunden. Im Religionsunterricht kann daran die Frage angeschlossen werden, weshalb jeder Mensch den gleichen Wert besitzt und warum Menschen gerecht behandelt werden sollen. Mögliche religiöse Bezüge ergeben sich zur Menschenwürde, zur Gottebenbildlichkeit, zur Nächstenliebe und zur Goldenen Regel. Zugleich sollte mit den Lernenden herausgearbeitet werden, dass Gleichbehandlung und Gerechtigkeit nicht in jeder Situation bedeuten, dass alle Menschen immer exakt dasselbe erhalten oder tun dürfen. Entscheidend ist zunächst die vom Medium angeregte Auseinandersetzung damit, ob Regeln nachvollziehbar und gerecht angewendet werden. Die Vertiefung auf Seite 2 erweitert diese Perspektive um Alltagssituationen, die als unfair erlebt werden können, obwohl sie nicht ohne Weiteres verändert werden können. Das Material regt dazu an, weitere Beispiele zu suchen und darüber nachzudenken, dass manches nicht verändert werden kann, einiges akzeptiert werden muss und das Leben nicht immer als gerecht erlebt wird. Dieser Punkt sollte im Religionsunterricht sensibel moderiert werden, damit Akzeptanz nicht mit dem widerspruchslosen Hinnehmen tatsächlicher Benachteiligung verwechselt wird. Vielmehr kann gemeinsam unterschieden werden, wann Unterschiede begründet sind und wann Menschen ungerecht behandelt werden. Für ältere oder leistungsstärkere Lernende kann der Blick schließlich auf weitere Aussagen von Artikel 3 gelenkt werden. Das Medium führt neben der Gleichheit vor dem Gesetz auch die Gleichberechtigung sowie den Schutz vor Benachteiligung aufgrund verschiedener persönlicher Merkmale an. Zur methodischen Sicherung eignen sich ein gemeinsames Tafelbild, eine Sammlung gerechter Klassenregeln, kurze Fallbeispiele oder kleine Gesprächsszenen. Wenn die Lerngruppe bereits mit gewaltfreier Kommunikation gearbeitet hat, kann die Reflexion über Gefühle und Bedürfnisse daran angeschlossen werden, wie es auch das Medium vorsieht. So verbindet das Medium politische Grundbildung mit religiöser Wertebildung und ermöglicht es den Lernenden, Gleichheit nicht nur als rechtlichen Begriff, sondern als bedeutsame Orientierung für das eigene Zusammenleben zu verstehen.