Für den Religionsunterricht bietet das Medium einen anschaulichen und erfahrungsbezogenen Zugang zu Gerechtigkeit, Gleichheit, Teilhabe und der gleichen Würde aller Menschen. Besonders geeignet ist die Methode, weil die Lernenden Ungleichheit nicht nur abstrakt besprechen, sondern zunächst in einer konkreten Situation wahrnehmen. Die unerreichbar angebrachten Gummibärenbilder auf Seite 3 machen sichtbar, dass ein formal für alle gleiches Angebot noch nicht bedeutet, dass tatsächlich alle die gleichen Möglichkeiten besitzen. Methodisch sollte die Lehrkraft die entstehende Irritation gezielt für das Unterrichtsgespräch nutzen und die Lernenden zunächst selbst beschreiben lassen, was sie als ungerecht empfinden. Dabei ist sensibel mit möglichen Frustrationen umzugehen. Das Medium weist ausdrücklich darauf hin, die emotionalen Reaktionen und die Frustrationstoleranz der Lernenden zu beachten und die Übung gegebenenfalls frühzeitig zu beenden. Im anschließenden Gespräch können die Lernenden eigene Lösungsmöglichkeiten entwickeln. Die Leiste kann beispielsweise niedriger angebracht oder so verändert werden, dass alle Auswahlmöglichkeiten erreichbar sind. Ebenso können Hilfsmittel oder die Unterstützung durch andere Personen thematisiert werden. Entscheidend ist, dass die vorgeschlagenen Lösungen nicht nur genannt, sondern gemeinsam daraufhin geprüft werden, ob sie tatsächlich allen eine Beteiligung ermöglichen. Das Medium erweitert die Perspektive bewusst auf unterschiedliche Voraussetzungen, etwa eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten, fehlende Lautsprache, Blindheit oder unterschiedliche Möglichkeiten beim Verzehr der angebotenen Lebensmittel. Dadurch lässt sich mit den Lernenden herausarbeiten, dass gerechtes Handeln nicht immer bedeutet, alle Menschen auf exakt dieselbe Weise zu behandeln. Vielmehr müssen unterschiedliche Voraussetzungen berücksichtigt werden, damit alle tatsächlich teilnehmen und selbst entscheiden können. Für den Religionsunterricht lässt sich diese Erkenntnis mit der Frage nach der gleichen Würde jedes Menschen verbinden. Die Lernenden können überlegen, warum jeder Mensch unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, körperlichen Voraussetzungen oder Religion die gleichen Rechte haben soll. Die abschließende gerechte Abstimmung ermöglicht es ihnen, ihre zuvor entwickelten Ideen praktisch anzuwenden und Selbstwirksamkeit zu erfahren. Zur Sicherung kann gemeinsam ein Plakat zum Begriff Gleichheit gestaltet und durch konkrete Beispiele aus dem Schulalltag ergänzt werden. Auch eine Klassenregel wie „Ich achte darauf, dass alle die gleiche Chance haben, mitzumachen“ bietet sich für einen nachhaltigen Transfer in den Alltag der Lernenden an.