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Deutsche Welle Glaubenssachen

Deutsche Welle Glaubenssachen

Die Kraft der Klage

Worte finden für das Unsagbare

Veröffentlichung:27.7.2025

Das Audio befasst sich mit existenzieller Not, Angst und Gewalterfahrung. Die Beterin wendet sich in großer Verzweiflung an den Ewigen und beschreibt körperliche wie seelische Erstarrung, Erschöpfung und tiefes Leid. Bilder wie verdorrende Lebenskraft, eine zugeschnürte Kehle und nächtliches Weinen machen die Intensität der Erfahrung greifbar. Zugleich vollzieht sich im Verlauf des Psalms eine Wendung: Die Ursache des Leidens wird klarer als äußere Gewalt durch andere Menschen, und die Klage entwickelt sich zu einer Anklage. Die Beterin gewinnt im Anrufen des Ewigen neue Kraft, benennt das Unrecht und fordert Umkehr und Verantwortung der Täter. Der Psalm ist dabei nicht nur individuelles Gebet, sondern als musikalisch vorzutragendes Lied für die Gemeinschaft gedacht und eröffnet so einen Raum geteilter Klage und Solidarität.

Das Audio „Die Kraft der Klage“ von Claudia Janssen beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen Worte für Gewalt, Verzweiflung und traumatische Erfahrungen finden können. Im Mittelpunkt steht Psalm 6. Die betende Person beschreibt körperliche Schmerzen, Angst, Tränen und das Gefühl, von Gott verlassen zu sein. Indem sie ihre Not ausspricht, überwindet sie allmählich die Selbstbeschuldigung und benennt die Verantwortung der gewaltausübenden Menschen. Aus der Klage wird eine Anklage. Das Audio erläutert, weshalb Klagepsalmen als individuelle und gemeinschaftliche Verarbeitung traumatischer Erfahrungen gelesen werden können. Kritisch betrachtet wird eine gekürzte Fassung von Psalm 6 im Evangelischen Gesangbuch, in der Hinweise auf Gewalt und verantwortliche Personen fehlen. Dadurch kann der Eindruck entstehen, die leidende Person selbst trage Schuld. Verbindungen werden zur ForuM Studie über sexualisierte Gewalt in der evangelischen Kirche, zum Umgang mit Schuld und Vergebung sowie zum Markusevangelium hergestellt. Die Sendung zeigt, dass Klage nicht Ausdruck fehlenden Glaubens sein muss, sondern zu Wahrheit, Gerechtigkeit, Solidarität und neuer Hoffnung führen kann.

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Das Audio eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe II und mit angemessener Vorbereitung auch für höhere Jahrgänge der Sekundarstufe I. Es kann in Unterrichtseinheiten zu Psalmen, Leid und Gottesfrage, Schuld und Vergebung, sexualisierter Gewalt, Kirche und Verantwortung, Tod und Auferstehung sowie Religion und Trauma eingesetzt werden. Die Lernenden erfahren, dass biblische Klagen keine bloßen Berichte über vergangenes Leid darstellen. Sie geben Menschen eine Sprache, wenn eigene Worte fehlen, und eröffnen einen Raum, in dem Schmerz, Wut, Angst und die Forderung nach Gerechtigkeit vor Gott ausgesprochen werden dürfen.

Vor dem Hören sollte die Lehrkraft darauf hinweisen, dass das Audio Erfahrungen von Gewalt und Traumatisierung thematisiert. Persönliche Erfahrungen dürfen niemals eingefordert werden. Lernende sollten die Möglichkeit erhalten, einzelne Passagen nicht anzuhören oder eine alternative Aufgabe zu bearbeiten. Äußerungen im Unterricht müssen freiwillig bleiben. Die Lehrkraft sollte deutlich machen, dass der Religionsunterricht keine therapeutische Situation ist. Bei persönlichen Mitteilungen sind ein respektvolles Zuhören, der Schutz der betroffenen Person und die Einbeziehung qualifizierter schulischer oder außerschulischer Beratung erforderlich.

Als Einstieg kann der Satz „Klage ist mehr als Jammern“ an die Tafel geschrieben werden. Die Lernenden halten zunächst fest, welche Unterschiede sie zwischen Jammern, Klagen und Anklagen wahrnehmen. Anschließend wird Psalm 6 gelesen. Dabei können alle Aussagen über Körper, Gefühle, Gott, andere Menschen und mögliche Hoffnung farblich unterschieden werden. Auf diese Weise erkennen die Lernenden, dass die Klage den ganzen Menschen umfasst und körperliche, seelische, soziale und religiöse Erfahrungen miteinander verbindet.

Das Audio sollte abschnittsweise gehört werden. Nach jedem Abschnitt können die Lernenden zentrale Begriffe, Aussagen und offene Fragen notieren. Ein Hörauftrag kann lauten, alle Stellen zu erfassen, an denen sich die Haltung der betenden Person verändert. Ein weiterer Auftrag kann untersuchen, welche Verantwortung Gott, die Gemeinschaft, die betroffene Person und die gewaltausübenden Menschen jeweils erhalten. Die Ergebnisse lassen sich anschließend in einem Schaubild ordnen.

Besonders aufschlussreich ist ein Vergleich zwischen der ausführlichen Fassung von Psalm 6 und der gekürzten Fassung im Evangelischen Gesangbuch. Die Lernenden untersuchen, welche Aussagen fehlen und wie sich dadurch die Deutung verändert. Sie können herausarbeiten, dass Textauswahl niemals neutral ist. Wenn Gewalt, Verursachende und Anklage aus einem Text entfernt werden, kann die Verantwortung auf die leidende Person verschoben werden. Daran lässt sich eine grundlegende hermeneutische Frage bearbeiten: Wer spricht, wessen Leiden wird gehört und wer wird durch eine bestimmte Auslegung geschützt?

Die im Audio erläuterte jüdische Gebetspraxis des Tachanun kann genutzt werden, um die jüdischen Wurzeln christlicher Psalmrezeption sichtbar zu machen. Dabei sollte sie als lebendige religiöse Praxis respektvoll vorgestellt und nicht unreflektiert nachgespielt werden. Die Lernenden können untersuchen, wie Körperhaltung, Sprache, Schweigen und das erneute Aufrichten des Kopfes den Weg von der Trauer zur Suche nach Gerechtigkeit ausdrücken.

Für die Auseinandersetzung mit Schuld und Vergebung eignet sich ein angeleitetes Unterrichtsgespräch. Die Lernenden prüfen Aussagen wie „Vergebung setzt Wahrheit voraus“, „Versöhnung darf nicht verlangt werden“ oder „Gnade hebt Verantwortung nicht auf“. Dabei sollte deutlich werden, dass betroffene Personen nicht zur Vergebung gedrängt werden dürfen. Vergebung kann nicht an die Stelle von Aufklärung, Verantwortungsübernahme und Gerechtigkeit treten.

Die Verbindung zum Markusevangelium ermöglicht eine weiterführende Bibelarbeit. Der Schrei Jesu aus Psalm 22 kann im Zusammenhang mit Krieg, Gewalt und der Zerstörung Jerusalems gelesen werden. Ebenso kann das ursprüngliche offene Ende des Markusevangeliums betrachtet werden. Die Lernenden untersuchen, weshalb die Auferstehungsbotschaft dort nicht als sichtbarer Beweis, sondern als Auftrag und Hoffnung erscheint. Dadurch wird verständlich, dass christliche Hoffnung das Leiden nicht verharmlost. Sie entsteht mitten in Angst und Unsicherheit und widerspricht der Vorstellung, Gewalt habe das letzte Wort.

Als kreative Sicherung können die Lernenden aus der Perspektive einer erfundenen Person eine Klage verfassen, einen vorhandenen Psalm in heutige Sprache übertragen oder eine Klanggestaltung entwickeln. Wichtig. Wichtig ist, dass keine autobiografischen Texte verlangt werden. Abschließend kann jede Lerngruppe formulieren, was eine Gemeinschaft tun muss, damit Klage gehört wird und aus dem Aussprechen von Leid tatsächlich Schutz, Gerechtigkeit und Veränderung entstehen können.


Für den Religionsunterricht bietet dieses Medium vielfältige didaktische und methodische Zugänge, die sensibel und verantwortungsvoll gestaltet werden müssen. Zunächst kann der Text als Ausdruck menschlicher Grenzerfahrung erschlossen werden, indem Lernenden zentrale Sprachbilder erschließen und in Beziehung zu eigenen Erfahrungen von Angst, Hilflosigkeit oder Ungerechtigkeit setzen. Eine behutsame Annäherung ist wichtig, da Themen wie Gewalt und Trauma angesprochen werden. Methodisch eignet sich ein mehrschrittiges Vorgehen: ein erstes lautes oder leises Lesen, gefolgt von einer Phase individueller Textbegegnung, etwa durch Markieren berührender Stellen oder Formulieren eigener Fragen. Kreative Zugänge wie das Schreiben eigener Klagegebete, das Gestalten von Klangcollagen mit einfachen Saiteninstrumenten oder das szenische Darstellen einzelner Verse können helfen, emotionale und ästhetische Dimensionen zu erschließen. Ebenso kann die Rolle der Gemeinschaft thematisiert werden, indem der Psalm im Wechsel gelesen oder gesprochen wird, um Solidarität erfahrbar zu machen. Wichtig ist eine klare Rahmung durch die Lehrkraft, die Schutzräume schafft und deutlich macht, dass persönliche Erfahrungen freiwillig geteilt werden. Darüber hinaus kann der Psalm in größere Zusammenhänge eingeordnet werden, etwa in die Tradition der Klagepsalmen oder in aktuelle Fragen von Gerechtigkeit, Gewalt und Verantwortung. So wird der Text nicht nur als religiöses Dokument, sondern als lebendiger Impuls für ethisches Lernen erfahrbar.


Fragestellungen zum Audio mit Antworten

Frage 1: Was ist die zentrale Aussage des Audios?

Die zentrale Aussage lautet, dass Klage Menschen aus Sprachlosigkeit, Selbstbeschuldigung und Isolation herausführen kann. Sie macht Leid hörbar, benennt Unrecht und eröffnet einen Weg zu Solidarität, Verantwortung und Hoffnung.

Frage 2: Welche Erfahrungen beschreibt die betende Person in Psalm 6?

Sie beschreibt Angst, körperliche Schwäche, Schmerzen, Tränen, Schlaflosigkeit und tiefe Verzweiflung. Das Leid betrifft Körper, Seele, soziale Beziehungen und die Beziehung zu Gott.

Frage 3: Warum richtet sich die Klage an Gott?

Die betende Person fordert Gott dazu auf, sich ihr zuzuwenden, Schutz zu geben und einen Raum zum Leben zu schaffen. Gerade weil sie sich verlassen fühlt, hält sie an der Ansprechbarkeit Gottes fest.

Frage 4: Wie wird aus der Klage eine Anklage?

Zunächst steht das eigene Leiden im Mittelpunkt. Danach werden Menschen benannt, die Gewalt ausüben oder Unrecht verursachen. Die Verantwortung wird dadurch nicht länger bei der betroffenen Person gesucht, sondern den Verursachenden zugeordnet.

Frage 5: Warum ist diese Veränderung für betroffene Menschen wichtig?

Menschen, die Gewalt erfahren haben, suchen die Schuld häufig bei sich selbst. Die Anklage kann dazu beitragen, Scham und Verantwortung wieder dort zu verorten, wo sie hingehören, nämlich bei den Menschen, die Gewalt ausgeübt haben.

Frage 6: Welche Bedeutung hat die Gemeinschaft bei der Klage?

Die Gemeinschaft soll zuhören, das Leiden anerkennen und die betroffene Person nicht allein lassen. Sie kann Worte bereitstellen, wenn jemand selbst nicht sprechen kann, und Verantwortung für Schutz und Gerechtigkeit übernehmen.

Frage 7: Weshalb waren Psalmen für eine öffentliche Aufführung bestimmt?

Psalmen wurden gebetet, gesprochen und gesungen. Dadurch wurde individuelles Leid öffentlich hörbar. Die Gemeinschaft konnte die Klage aufnehmen und zeigen, dass die leidende Person nicht allein ist.

Frage 8: Was bedeutet Trauma?

Trauma bedeutet Verletzung. Gemeint sind körperliche und seelische Verletzungen, die durch bedrohliche oder überwältigende Erfahrungen entstehen und Wahrnehmung, Erinnerung, Sprache und Beziehungen langfristig beeinflussen können.

Frage 9: Warum können traumatische Erfahrungen zur Sprachlosigkeit führen?

Das Erlebte kann so überwältigend sein, dass es sich zunächst nicht in Worte fassen lässt. Schweigen und Vermeidung können Schutz bieten. Auf Dauer können sie jedoch auch die Verarbeitung und die Suche nach Unterstützung erschweren.

Frage 10: Warum muss die Arbeit mit Klagepsalmen traumasensibel erfolgen?

Texte über Gewalt, Angst und Verlassenheit können belastende Erinnerungen auslösen. Deshalb braucht es Freiwilligkeit, einen geschützten Rahmen und die Möglichkeit, sich einer Aufgabe zu entziehen. Eine intensive persönliche Begleitung gehört in die Hände qualifizierter Fachpersonen.

Frage 11: Was ist das Tachanun?

Das Tachanun ist eine jüdische Gebetspraxis, in der Worte der Klage gesprochen werden. Eine gebeugte Körperhaltung kann Trauer und Erschöpfung ausdrücken. Das spätere Aufrichten steht für die erneute Hinwendung zum Leben und zur Gerechtigkeit.

Frage 12: Was kritisiert Claudia Janssen an der Fassung von Psalm 6 im Evangelischen Gesangbuch?

Sie kritisiert, dass die tiefste Verzweiflung, die Gewalterfahrung und die verantwortlichen Personen weitgehend ausgeblendet werden. Dadurch wird die Klage abgeschwächt und die leidende Person kann erneut als schuldig erscheinen.

Frage 13: Welche Wirkung kann eine solche Kürzung haben?

Die Kürzung kann betroffene Menschen allein lassen und gewaltausübende Personen entlasten. Sie zeigt, dass die Auswahl biblischer Verse beeinflusst, welche Erfahrungen sichtbar und welche Verantwortlichkeiten verschwiegen werden.

Frage 14: Welche Verbindung stellt das Audio zur ForuM Studie her?

Die Studie untersucht sexualisierte Gewalt in der evangelischen Kirche. Das Audio verweist auf Strukturen des Wegsehens, des Schweigens und der Entlastung verantwortlicher Personen. Es fordert dazu auf, den betroffenen Menschen wirklich zuzuhören und Konsequenzen aus ihren Aussagen zu ziehen.

Frage 15: Warum ist die Aufforderung zur Vergebung problematisch?

Sie kann betroffene Menschen unter religiösen oder moralischen Druck setzen. Wenn Vergebung verlangt wird, bevor Wahrheit ausgesprochen und Verantwortung übernommen wurde, kann sie zu einer erneuten Belastung werden.

Frage 16: In welchem Verhältnis stehen Gnade, Vergebung und Gerechtigkeit?

Gnade und Vergebung dürfen Gerechtigkeit nicht ersetzen. Schuld muss benannt, Gewalt aufgeklärt und Verantwortung übernommen werden. Vergebung bleibt eine freie Möglichkeit der betroffenen Person und kann nicht von außen eingefordert werden.

Frage 17: Warum werden Klagepsalmen als Literatur traumatisierter Menschen verstanden?

Sie enthalten Erfahrungen von Bedrohung, körperlichem Schmerz, Angst, Sprachlosigkeit und sozialer Isolation. Gleichzeitig schaffen sie eine Form, in der diese Erfahrungen ausgesprochen, vor Gott gebracht und gemeinschaftlich erinnert werden können.

Frage 18: Welche Bedeutung hat der Schrei Jesu aus Psalm 22?

Der Schrei „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ verbindet Jesu Leiden mit der Tradition jüdischer Klagegebete. Im Markusevangelium kann er zugleich als Stimme der Opfer von Krieg, Herrschaft und Gewalt verstanden werden.

Frage 19: Welche Wirkung hat das offene Ende des Markusevangeliums?

Das offene Ende lässt Angst und Unsicherheit bestehen. Die Auferstehung wird nicht als einfacher Beweis präsentiert. Sie erscheint als Botschaft und Auftrag, neu nach Spuren des Lebens und der Gegenwart Gottes zu suchen.

Frage 20: Welche Hoffnung formuliert das Audio?

Das Audio hofft darauf, dass Gewalt nicht das letzte Wort behält. Spuren der Auferstehung können dort entdeckt werden, wo Gemeinschaft entsteht, Brot geteilt, Heilung ermöglicht, Wahrheit ausgesprochen und für Gerechtigkeit eingetreten wird.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.3 Königtum und Prophetie. Macht und Kritik.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9.2 Nach Gerechtigkeit streben: Gleiche Lebensbedingungen für alle.

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