Das Medium eignet sich für den Religionsunterricht in den ersten drei Klassen sowie für eine Zusammenarbeit mit Sachunterricht, Deutsch, Musik, Kunst und sozialem Lernen. Es kann in Unterrichtsreihen zu Familie, Freundschaft, Liebe, Vielfalt, Gefühle, Gottesebenbildlichkeit, Einzigartigkeit, Gemeinschaft und respektvollem Zusammenleben eingesetzt werden. Die Reihe fördert Wahrnehmen und Deuten, Erzählen und Darstellen, Urteilen und Kommunizieren sowie Teilhaben und Gestalten.
Vor dem Einsatz sollte die Lehrkraft die Zusammensetzung und die Erfahrungen der Lerngruppe berücksichtigen. In einer Klasse können Lernende mit Eltern verschiedenen Geschlechts, mit zwei Müttern, zwei Vätern, einem Elternteil, Pflegeeltern, Adoptiveltern, Großeltern oder in wechselnden Haushalten leben. Manche haben Trennung, Verlust oder schwierige familiäre Beziehungen erfahren. Keine Familienform darf als ungewöhnliche Abweichung vorgeführt werden. Lernende müssen nicht öffentlich über ihre private Situation sprechen.
Als Einstieg wird das Titelbild des Bilderbuches zunächst ohne Titel betrachtet. Die Lernenden beschreiben die Pinguine und vermuten, wer neben dem kleinen Tier zu sehen sein könnte. Die Lehrkraft sammelt alle Deutungen wertfrei. Wahrscheinlich werden unterschiedliche Familienvorstellungen genannt. Das Gespräch kann zur Frage führen, was Menschen oder Tiere zu einer Familie macht.
Anschließend können die Lernenden freiwillig ein Bild von Menschen zeichnen, die für sie Familie bedeuten. Die Aufgabenstellung sollte offen bleiben. Ein Satz wie „Zeichne Menschen, die zu deiner Familie gehören oder die für dich besonders wichtig sind“ ermöglicht unterschiedliche Darstellungen. Niemand muss sein Bild erklären. Alle Bilder werden respektvoll betrachtet und nicht nach Richtigkeit bewertet.
Das Material M1 zeigt verschiedene Familienformen. Die Lernenden beschreiben, was sie erkennen, und suchen Gemeinsamkeiten. Familie kann mit Fürsorge, Verlässlichkeit, Zusammenleben, Verantwortung und Liebe verbunden werden. Dabei sollte nicht behauptet werden, in jeder Familie herrsche immer Harmonie. Familien können auch Konflikte erleben und dennoch füreinander Verantwortung tragen.
Der Buchtitel wird anschließend vorgestellt. Die Lernenden vermuten, welche Rolle Roy und Silo für Tango übernehmen könnten. Danach basteln sie die beiden Pinguine. Die Figuren begleiten die gesamte Reihe und ermöglichen es besonders jüngeren oder noch nicht schreibkundigen Lernenden, Szenen nachzustellen und Figuren sprechen zu lassen.
Das Bilderbuch sollte abschnittsweise vorgelesen werden. Nach jeder wichtigen Szene erhalten die Lernenden Zeit zum Wahrnehmen, Vermuten und Erzählen. Ein vollständiges Vorlesen ohne Unterbrechung ist zusätzlich möglich, sollte aber erst erfolgen, wenn die Geschichte bereits erschlossen wurde oder ein Gesamteindruck gewünscht ist.
Zu Beginn der Geschichte werden Roy und Silo als eng verbundene Pinguine vorgestellt. Dies eröffnet ein Gespräch über Freundschaft. Die Lernenden sammeln Merkmale guter Freundschaft und stellen gemeinsame Tätigkeiten pantomimisch dar. Die Klasse errät die dargestellten Beschäftigungen. Dadurch werden Gemeinsamkeiten und unterschiedliche Interessen sichtbar.
Die Lehrkraft sollte Freundschaft und Liebe nicht gegeneinander ausspielen. Roy und Silo sind in der Geschichte zunächst eng miteinander verbunden und werden dann als Paar dargestellt. Für jüngere Lernende genügt die sachliche Erklärung, dass sich auch zwei männliche Tiere oder zwei Männer lieben und als Paar zusammenleben können. Die Darstellung erfolgt selbstverständlich und ohne Sensationscharakter.
Der Beitrag schlägt vor, über die Frage zu sprechen, wie Familien Kinder bekommen können. Das Gespräch muss altersgerecht, sachlich und behutsam geführt werden. Möglich sind Geburt, Adoption, Pflegefamilie und medizinische Unterstützung. Die Lehrkraft beantwortet nur die Fragen, die tatsächlich gestellt werden, und vermeidet unnötige Einzelheiten. Elternschaft wird nicht allein biologisch verstanden, sondern auch als dauerhafte Übernahme von Fürsorge und Verantwortung.
In der Geschichte werden Roy und Silo zeitweise getrennt. Material M2 bietet Denkblasen für ihre Gedanken. Schreibkundige Lernende tragen kurze Sätze ein. Jüngere Lernende erzählen mündlich, wählen Gefühlskarten oder geben den gebastelten Pinguinen eine Stimme. Mögliche Gefühle sind Traurigkeit, Einsamkeit, Angst, Wut und Sehnsucht.
Die Trennungsszene kann bei Lernenden persönliche Erfahrungen berühren. Die Lehrkraft fragt deshalb nicht direkt nach Trennungen in den Familien. Eine allgemeine Frage wie „Was kann einem Wesen helfen, das jemanden vermisst?“ bietet einen sicheren Zugang. Persönliche Äußerungen bleiben freiwillig.
Die Entscheidung der Pfleger, Roy und Silo zu trennen, kann für eine erste ethische Urteilsbildung genutzt werden. Die Lernenden überlegen, warum die Pfleger so handeln, welche Folgen ihre Entscheidung hat und ob sie gerecht ist. Dabei erkennen sie, dass eine verbreitete Vorstellung nicht automatisch richtig sein muss. Die Bedürfnisse und das Wohl der betroffenen Lebewesen müssen berücksichtigt werden.
Material M3 behandelt die Wiedervereinigung. Die Lernenden füllen erneut Denkblasen aus und vergleichen die Gefühle vor und nach der Trennung. Dadurch wird sichtbar, wie Zugehörigkeit, Anerkennung und Nähe das Wohlbefinden beeinflussen können.
Material M4 enthält Bildkarten zu unterschiedlichen Gefühlen. Die Lernenden benennen Mimik und Körperhaltung der Pinguine, ordnen Gefühle zu und nennen mögliche Situationen. Die Karten können zu einer Gefühlsskala oder einem Gefühlskreis erweitert werden. Dabei wird deutlich, dass Menschen dieselbe Situation verschieden empfinden können.
Bei der Arbeit mit Gefühlen sollte kein Eindruck entstehen, bestimmte Gefühle seien unerlaubt. Auch Wut, Traurigkeit, Unsicherheit oder Skepsis besitzen eine Funktion. Entscheidend ist, wie Menschen mit ihren Gefühlen umgehen und ob sie andere verletzen. So unterstützt das Material die emotionale Sprachfähigkeit und die Konfliktkompetenz.
Die Sachinformationen über Pinguine bieten eine Verbindung zum Sachunterricht. Die Lernenden recherchieren Lebensraum, Ernährung, Körperbau, Brutverhalten und Schutz der Tiere. Dafür eignen sich Kinderlexika und geprüfte Suchangebote. Die Internetverweise des Beitrags stammen aus dem Jahr 2020 und müssen vor der Verwendung auf Erreichbarkeit, Werbung, Datenschutz und Altersangemessenheit geprüft werden.
Bei der Recherche sollte zwischen einer Bilderbuchgeschichte und biologischen Erkenntnissen unterschieden werden. Das Buch erzählt literarisch und vereinfacht. Gleichgeschlechtliches Paarverhalten ist bei verschiedenen Tierarten dokumentiert. Daraus können jedoch keine einfachen Beweise oder Regeln für menschliche Beziehungen abgeleitet werden. Die Tiergeschichte eröffnet einen Zugang, die ethische Anerkennung menschlicher Familien gründet aber in Menschenwürde, Gleichberechtigung und Fürsorge.
Der Nestbau und das Bebrüten des Steins können mit gestalterischen Aufgaben verbunden werden. Die Lernenden bauen aus Papier, Wolle oder Naturmaterialien ein Nest und überlegen, was ein geschützter Ort benötigt. Begriffe wie Wärme, Nahrung, Sicherheit, Ruhe und Zuwendung werden gesammelt. Danach übertragen sie diese Bedürfnisse behutsam auf menschliches Zusammenleben.
Wenn Roy und Silo ein verlassenes Ei erhalten, kann über Verantwortung gesprochen werden. Die Lernenden beobachten, wie zuverlässig beide Pinguine brüten und später für Tango sorgen. Sie überlegen, welche Aufgaben Erwachsene übernehmen, wenn sie ein Kind begleiten. Damit wird Elternschaft als Beziehung und Verantwortung erschlossen.
Der Name Tango eröffnet eine kreative Beschäftigung mit Namen. Die Lernenden erfahren, warum der kleine Pinguin so heißt, und erkunden freiwillig die Bedeutung ihres eigenen Namens. Material M6 lädt dazu ein, den Namen farbig und charakteristisch zu gestalten. Wer die Bedeutung des eigenen Namens nicht kennt oder nicht thematisieren möchte, gestaltet ihn allein nach Klang, Form oder persönlichen Vorlieben.
Die Namenarbeit sollte diskriminierungssensibel erfolgen. Unbekannte Aussprache, unterschiedliche Schriftsysteme oder seltene Namen werden nicht lächerlich gemacht. Jede Person bestimmt selbst, wie ihr Name ausgesprochen und geschrieben wird. Dadurch wird die Achtung vor Identität praktisch eingeübt.
Material M5 schlägt ein Lied über die Einzigartigkeit jedes Menschen vor. Vor der Verwendung sind die musikalischen Nutzungsrechte zu klären. Inhaltlich kann das Lied mit der Überzeugung verbunden werden, dass jeder Mensch von Gott gewollt und wertvoll ist. Lernende ohne persönlichen Gottesglauben können die Aussage als christliche Glaubensüberzeugung kennenlernen, ohne sie übernehmen zu müssen.
Das Lied sollte nicht so ausgelegt werden, dass jedes Ereignis im Leben unmittelbar von Gott geplant sei. Im Mittelpunkt steht die Zusage unverlierbarer Würde. Diese theologische Aussage kann mit Psalm 139 oder der Erschaffung des Menschen als Ebenbild Gottes verbunden werden.
Das Bewegungsspiel zum Pinguin und das Tanzen ermöglichen einen körperlichen Zugang. Bewegungen können gemeinsam entwickelt werden. Lernende, die nicht tanzen möchten oder motorische Einschränkungen haben, übernehmen Rhythmus, Musik, Beobachtung oder Gestaltung. Teilnahme und Ausdrucksform bleiben flexibel.
Material M7 führt die gebastelten Figuren Roy, Silo und Tango zu einer Familie zusammen. Ein Herz symbolisiert ihre Verbundenheit. Die Lernenden formulieren, was diese Familie zusammenhält. Dabei können Liebe, Schutz, Vertrauen, Freude, Verantwortung und Zusammengehörigkeit genannt werden.
Die Aussage, Liebe sei das Einzige, was in einer Familie zähle, sollte pädagogisch erweitert werden. Liebe ist bedeutsam, aber auch Schutz, verlässliche Versorgung, Achtung, Grenzen und die Übernahme von Verantwortung gehören zu einer sicheren Familie. Dadurch wird verhindert, dass problematische oder gewaltsame Beziehungen allein mit behaupteter Liebe gerechtfertigt werden.
Die theologische Vertiefung kann mit Genesis Kapitel 1 Vers 27 beginnen. Jeder Mensch besitzt nach christlichem Verständnis Würde als Ebenbild Gottes. Jesu Begegnungen mit ausgegrenzten Menschen zeigen, dass er soziale Grenzen überschreitet und Menschen nicht auf zugeschriebene Merkmale reduziert. Geeignete Erzählungen sind die Segnung der Kinder, Zachäus und ausgewählte Heilungsgeschichten.
Auch das Doppelgebot der Liebe bietet einen Zugang. Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe werden miteinander verbunden. Die Lernenden überlegen, was respektvoller Umgang mit sich selbst und anderen bedeutet. Dabei wird klar, dass Nächstenliebe keine Gleichförmigkeit verlangt.
Die Unterrichtsreihe sollte diskriminierende Äußerungen weder ignorieren noch beschämend beantworten. Wenn ein Lernender sagt, zwei Väter seien keine richtige Familie, kann die Lehrkraft nachfragen, woran eine richtige Familie erkannt werde. Danach werden Fürsorge, Verantwortung, rechtliche Anerkennung und unterschiedliche Lebenswirklichkeiten sachlich einbezogen. Die Würde betroffener Lernender bleibt geschützt.
Religiöse oder familiäre Vorbehalte können im Unterricht vorkommen. Sie dürfen geäußert und geprüft werden, solange dadurch keine Menschen abgewertet werden. Die Lehrkraft unterscheidet zwischen einer persönlichen Glaubensüberzeugung und der Verpflichtung, andere Menschen respektvoll zu behandeln. Der Unterricht verlangt keine Zustimmung zu einer bestimmten Lebensform, aber die Anerkennung gleicher Würde und den Verzicht auf Diskriminierung.
Eine mögliche Ergebnissicherung ist ein Klassenbuch zum Thema „So vielfältig kann Familie sein“. Es enthält Bilder, kurze Sätze, Gefühlskarten, Pinguinwissen und Regeln für ein respektvolles Miteinander. Dabei werden keine privaten Familieninformationen ohne Zustimmung veröffentlicht.
Zum Abschluss können die Lernenden auf die Frage zurückkommen, was eine Familie ausmacht. Sie ergänzen einen Satz wie „Familie ist dort, wo Menschen …“. Die Ergebnisse werden gesammelt, ohne eine einzige Definition vorzuschreiben. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass Familien verschieden aussehen und Menschen in ihnen füreinander Verantwortung übernehmen können.
Klassenstufe: 1–3 (Primarstufe), explizit ausgewiesen; die handlungsorientierten Methoden (Basteln, Pantomime, Rollenspiel, Lied) und die leseunabhängigen Zugänge bestätigen die Eignung auch für Anfangsklassen.Curriculare Einbettung: Anknüpfung an Rahmenlehrplan Evangelische Religion (Berlin-Brandenburg-BSLO), Kompetenzbereiche „Wahrnehmen und deuten", „Erzählen und darstellen", „Urteilen und kommunizieren", „Teilhaben und gestalten". Inhaltlicher Schwerpunkt: Gottesbilder und Menschenbilder, Ich-Identität, Gemeinschaft. Theologisch: Gottesebenbildlichkeit als Grundlage von Wertschätzung. Fächerübergreifend: Sachunterricht (Lebensraum Pinguin), Deutsch (Erzählen, Lesen), Musik (Lied „Du bist du").Methodische Stärken: Der Entwurf nutzt konsequent das Bilderbuch als zentrales Medium in mehreren Lernschritten (Bildbetrachtung, Vorlesesequenzen, Weiterarbeit), ohne es zu zergliedern. Die Nutzung von Pinguinfiguren (basteln, nachspielen) ermöglicht auch nicht schreibenden Kindern vollständige Partizipation. Das Lied „Du bist du" (Jürgen Werth) ist theologisch dicht (Gottesebenbildlichkeit, Einzigartigkeit) und emotional zugänglich. Die Materialien bauen aufeinander auf und schließen mit einem gemeinsamen Visualisierungselement (Herz-Collage, M7) ab.Besonderheiten: Das Material ist dezidiert dem Ansatz der Diversity Education verpflichtet (Petra Wagner) und koppelt diesen explizit an christliche Schöpfungstheologie. Die Entscheidung, gleichgeschlechtliche Elternschaft über eine Tiergeschichte einzuführen, schafft emotionalen Abstand und reduziert Barrieren. Die eingebundene Kampagne „Fürchtet euch nicht!" (Ev. Schulstiftung EKBO) signalisiert kirchliches Engagement für das Thema.Differenzierung: Jüngere oder noch nicht schreibende Kinder arbeiten pantomimisch oder mit den Figuren; ältere können Denkblasen beschriften und Begründungszusammenhänge formulieren. Das Lied eignet sich als rituelles Einstiegs- und Abschlusselement.Mögliche Unterrichtsszenarien: Sequenz über ca. 5–6 Stunden entlang der Bucherzählung; jede Stunde greift ein Thema auf (Freundschaft, Familie, Trennung/Schmerz, Wiedervereinigung/Glück, Einzigartigkeit/Name). Alternativ: Einsatz als Impuls innerhalb einer Einheit zu Familienformen oder Schöpfung.Grenzen: Das Material zielt auf einen dezidiert inklusiven und normativen Religionsunterricht; die explizite Thematisierung gleichgeschlechtlicher Elternschaft kann im schulischen Kontext je nach Elternschaft und Konfessionalität Rückfragen auslösen, auf die Lehrende vorbereitet sein sollten. Eine Rückbindung an das Schulprogramm empfiehlt sich.