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Magazin ZeitspRUng

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Theologisch gelesen: Jona in der Sek I

Veröffentlichung:9.3.2026

Der Artikel von Dr. Margit Herfarth und Christoph Kilian, erschienen in der Zeitschrift zeitsprung (2/2023), stellt eine umfangreiche Unterrichtseinheit zur Lektüre des Buches Jona als Ganzschrift für die Jahrgangsstufen 9/10 vor. Ausgehend von der literarischen und theologischen Tiefe des Jonabuches – das die Autor*innen gegen seine Reduktion auf eine Kindergeschichte verteidigen – wird eine ca. sechswöchige Einheit (sechs Doppelstunden) beschrieben, die auf entschleunigtem Lesen, einem Lesetagebuch, kreativem Schreiben und der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst und Literatur basiert. Zentrale theologische Fragen (Barmherzigkeit vs. Gerechtigkeit Gottes, Umkehr/Teschuwa, Empathie mit dem Feind) werden durch Texte von Elie Wiesel und Dorothee Sölle vertieft. Sieben Arbeitsblätter sowie eine kommentierte Kurzrezension didaktischer Sekundärliteratur (Bukowski u. a., Johannsen/Rosenhagen, Flottmeier/Garske) runden den Artikel ab.

Das Medium „Yunus und der große Fisch als Thema im islamischen Religionsunterricht“ von Naciye Kamcili Yildiz stellt die koranische Geschichte des Propheten Yunus vor und verbindet deren theologische Erschließung mit konkreten Impulsen für den islamischen Religionsunterricht. Yunus gehört zu den 25 im Koran namentlich genannten Propheten. Seine Geschichte ist auf verschiedene Suren verteilt und erzählt von seinem Auftrag als Gesandter Gottes, seiner Ungeduld und seiner Flucht vor der übernommenen Verantwortung. Im Bauch des großen Fisches erkennt Yunus sein Fehlverhalten, wendet sich im Gebet Gott zu und erfährt dessen Gnade und Barmherzigkeit. Nach seiner Rettung übernimmt Yunus erneut seinen Auftrag und sein Volk nimmt seine Botschaft an. Im Mittelpunkt steht damit ein Lernprozess, in dem Yunus sein eigenes Verhalten kritisch betrachtet, seinen Fehler eingesteht, Verantwortung übernimmt und sich verändert. Die Erzählung greift dabei Grunderfahrungen auf, die auch Lernenden vertraut sein können: sich einer Aufgabe nicht gewachsen fühlen, einer Verantwortung ausweichen, Fehler machen, über das eigene Verhalten nachdenken, umkehren und mit neuer Zuversicht handeln. Für die unterrichtliche Umsetzung stellt das Medium einen ästhetischen, einen narrativen und einen performativen Zugang vor. Eine historische Miniatur auf Seite 14 zeigt Yunus und den großen Fisch und dient als Ausgangspunkt für die Bilderschließung. Ergänzend werden das Erzählen mit Legematerialien, theologische Gespräche, Standbilder, szenische Darstellungen sowie das Verfassen eigener Gebetstexte vorgeschlagen.

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Das Medium eignet sich besonders für den islamischen Religionsunterricht in der Grundschule und ermöglicht eine Verbindung von koranischem Lernen, religiöser Deutung und lebensweltlicher Orientierung. Prophetengeschichten besitzen dabei einen besonderen religionspädagogischen Wert, weil Lernende einerseits Kenntnisse über koranische Gesandte erwerben und andererseits deren Erfahrungen als Ausgangspunkt für eigene Fragen nach Gott, Verantwortung, Vertrauen und menschlichem Handeln nutzen können. Die Geschichte des Yunus bietet sich besonders an, weil sie einen nachvollziehbaren menschlichen Lernprozess beschreibt. Yunus erlebt Überforderung und Ablehnung, entzieht sich seiner Aufgabe, erkennt sein Fehlverhalten und findet schließlich den Mut, seine Verantwortung erneut zu übernehmen. Die Lernenden können dadurch entdecken, dass religiöse Erzählungen nicht nur von vergangenen Ereignissen handeln, sondern grundlegende Erfahrungen menschlichen Lebens thematisieren.

Didaktisch sollte die Erzählung deshalb nicht ausschließlich als Geschichte über richtiges und falsches Verhalten behandelt werden. Ihr religiöser Gehalt liegt wesentlich in der Beziehung zwischen Yunus und Gott. Yunus erkennt seinen Fehler, wendet sich Gott zu und erfährt Barmherzigkeit und Rettung. Damit eröffnen sich Fragen, die zum Theologisieren mit Lernenden anregen können: Warum läuft Yunus vor seiner Aufgabe davon? Was bedeutet es, Verantwortung zu übernehmen? Warum gibt Gott Yunus eine weitere Chance? Was bedeutet Barmherzigkeit? Kann ein Mensch nach einem Fehler neu anfangen? Was verändert sich durch die Hinwendung zu Gott? Solche Fragen sollten offen besprochen werden und Raum für unterschiedliche Vorstellungen und Deutungen geben.

Für die Arbeit mit der koranischen Überlieferung ist zu beachten, dass die Geschichte des Yunus nicht als durchgehende Erzählung in einer einzelnen Sure vorliegt. Das Medium empfiehlt deshalb für schulische Zwecke eine zusammenhängende Darstellung aus geeigneter Sekundärliteratur, da die koranischen Aussagen fragmentarisch auf verschiedene Stellen verteilt sind. Gerade in der Grundschule kann eine verständlich erzählte Fassung zunächst helfen, den Handlungsverlauf zu erfassen. Einzelne koranische Textstellen können anschließend ergänzend betrachtet werden. Dadurch können die Lernenden schrittweise Kompetenzen des Beschreibens, Verstehens, Deutens und Kommunizierens erwerben.

Als Einstieg empfiehlt sich der ästhetische Zugang über die auf Seite 14 abgebildete historische Miniatur. Sie zeigt Yunus nach seiner Rettung aus dem großen Fisch. Ein Engel nähert sich ihm und reicht ihm ein Gewand. Das Bild kann zunächst ohne Nennung der Geschichte betrachtet werden. Die Lernenden äußern spontan, was sie sehen, beschreiben Farben, Formen, Figuren und deren Beziehungen und formulieren Fragen an das Bild. Anschließend können Gefühle und Assoziationen benannt und mögliche Bedeutungen erschlossen werden. Das Medium schlägt hierfür eine Bilderschließung vor, die von der spontanen Wahrnehmung über die Untersuchung der Gestaltung und der persönlichen Wirkung bis zur Deutung und Identifikation führt.

Besonders geeignet für eine persönliche Annäherung ist die Frage nach dem eigenen Ort im Bild. Die Miniatur kann vergrößert präsentiert werden und die Lernenden können markieren, an welcher Stelle sie sich selbst innerhalb der Darstellung verorten würden. Anschließend begründen sie ihre Entscheidung. Das Medium schlägt vor, diese Positionierung am Ende der Unterrichtssequenz erneut vorzunehmen. Auf diese Weise lässt sich der individuelle Lernweg sichtbar machen. Die Lernenden können darüber nachdenken, ob sich ihre Wahrnehmung der Geschichte verändert hat und welche neuen Einsichten für diese Veränderung verantwortlich sind.

Der narrative Zugang ermöglicht eine schrittweise Begegnung mit der Geschichte. Das Medium empfiehlt, die Handlung mit Legematerialien zu erzählen und an bedeutsamen Stellen zu unterbrechen. Diese Erzählpausen können genutzt werden, um Vermutungen anzustellen und gemeinsam über die jeweilige Situation nachzudenken. Beim Auftrag des Yunus kann beispielsweise gefragt werden, welche Verantwortung ihm übertragen wird. Bei der Ablehnung durch sein Volk können die Lernenden überlegen, wie sie selbst reagieren würden und welchen Rat sie Yunus geben könnten. Die Szene im Bauch des Fisches eignet sich besonders zur Perspektivübernahme. Fragen wie „Wie fühlt sich Yunus?“, „Was denkt er jetzt?“ oder „Was würde er gern rückgängig machen?“ führen die Lernenden an den inneren Veränderungsprozess der Figur heran. Bei der abschließenden Rückkehr kann untersucht werden, was sich sowohl bei Yunus als auch bei seinem Volk verändert hat.

Der performative Zugang bietet sich insbesondere für Lerngruppen mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen an. Die Lernenden können einzelne Situationen durch Standbilder darstellen und dabei Körperhaltung, Abstand, Blickrichtung und Gesichtsausdruck bewusst einsetzen. Anschließend beschreiben die Betrachtenden zunächst nur, was sie wahrnehmen. Erst danach erläutern die Darstellenden ihre Gedanken und Gefühle. Das Medium schlägt vor, auf diese Weise insbesondere die Veränderungen bei Yunus und seinem Volk sichtbar zu machen. Die Methode ermöglicht es, emotionale und religiöse Dimensionen der Geschichte auch ohne umfangreiche schriftliche oder mündliche Beiträge zu erschließen.

Eine besonders geeignete Vertiefung stellt das Verfassen eines Gebetes aus der Perspektive des Yunus dar. Die Lernenden versetzen sich in seine Situation im Bauch des Fisches und formulieren seine möglichen Gedanken und Gefühle. Angst, Einsamkeit, Reue, Hoffnung und Vertrauen können dabei sprachlich zum Ausdruck gebracht werden. Nach der Rettung kann ein zweiter Gebetstext entstehen, in dem Yunus seine Dankbarkeit ausdrückt. Durch einen Vergleich beider Texte wird seine innere Veränderung nachvollziehbar. Für Lernende, die beim Formulieren Unterstützung benötigen, können Satzanfänge und sprachliche Bausteine angeboten werden. Das Medium empfiehlt dieses Vorgehen ausdrücklich im Sinne eines sprachsensiblen Unterrichts.

Die Gebete können anschließend als Ausgangspunkt für ein theologisches Gespräch über Gottesvorstellungen dienen. Gemeinsam wird untersucht, welche Eigenschaften Gottes in der Yunus Geschichte erkennbar werden. Im Medium erscheinen insbesondere Barmherzigkeit, Schutz, Rettung und Vergebung als zentrale Eigenschaften Gottes. Die entsprechenden Begriffe können im Klassenraum ausgelegt werden. Die Lernenden wählen eine Eigenschaft aus, die für sie besonders gut zur Geschichte passt, positionieren sich dazu und begründen ihre Entscheidung. Auf diese Weise verbindet das Medium koranisches Lernen mit ästhetischen, narrativen, kommunikativen und performativen Methoden. Zugleich ermöglicht es Perspektivübernahme, Selbstreflexion und eigenständiges theologisches Denken und macht die Yunus Geschichte als Erzählung von Verantwortung, Umkehr, Gottes Barmherzigkeit und menschlicher Veränderungsfähigkeit für Lernende zugänglich.


Klassenstufe: Jahrgangsstufen 9/10 (explizit angegeben). Die anspruchsvollen Textzugänge, die literarische Strukturanalyse und die theologisch-ethische Diskussion setzen ein Reflexionsvermögen voraus, das typisch für die Mittelstufe bzw. den Übergang zur Oberstufe ist; mit Anpassungen ist die Einheit auch für Klasse 11/12 geeignet.

Thematische Verortung im katholischen RU: Die Einheit ist ohne inhaltliche Abstriche im katholischen Religionsunterricht einsetzbar. Einschlägige Lernbereiche sind: prophetische Überlieferung des Alten Testaments, Gottesbilder (Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Empathie), Schuld und Umkehr als theologische Grundthemen, interreligiöser Respekt gegenüber jüdischer Schriftauslegung (Jom Kippur), Eschatologie und Fragen nach drohenden Untergängen sowie Gegenwartsbezüge (ökologische und politische Krisen). Der Hinweis der Autor*innen auf den jüdischen Kontext des Jonabuches (Jom Kippur) ist auch für den katholischen RU eine wichtige bibeldidaktische Sensibilisierung.

Bibeldidaktischer Ansatz: Das erklärte Ziel der Autor*innen, Texte nicht zu „verheizen", sondern ihren literarischen und theologischen Eigenwert ernst zu nehmen, ist ein wichtiges bibeldidaktisches Grundprinzip, das in der Unterrichtsplanung oft vernachlässigt wird. Die Einheit zeigt exemplarisch, wie eine Ganzschriftlektüre im RU gelingen kann: durch gestufte Aufgaben, kontinuierliche Metareflexion (Lesetagebuch) und die Verbindung von Textanalyse, kreativem Schreiben und Kunstbetrachtung.

Lesetagebuch als Methode: Das Lesetagebuch ist das methodische Herzstück der Einheit. Es ermöglicht individuelle Leseeindrücke, Lebensweltbezüge, Textfragen und theologische Reflexionen parallel zur Lektüre zu sichern, ohne den Unterrichtsfluss zu unterbrechen. Diese Methode stärkt die Lesekompetenz, die Selbstreflexion und die Fähigkeit zum theologischen Gespräch. Lehrkräfte sollten die Anlage des Lesetagebuchs sorgfältig einführen und klare Erwartungen formulieren.

Kunstbetrachtung und kreatives Schreiben: Die Einbindung von Simone Frielings Zeichnung, Carmela Tal Barons Collage „Double Vesica Pisces" und Christoph Meckels Gedicht „Worte des Jonas" zeigt, wie zeitgenössische Kunst und Literatur theologische Texte erschließen können. Diese Zugänge fördern ästhetische Urteilsfähigkeit und ermöglichen Schüler*innen, eigene Deutungen zu entwickeln, die nicht primär textanalytisch abgesichert sein müssen.

Kritische Rezension als Unterrichtsressource: Die kommentierte Kurzrezension didaktischer Literatur am Ende des Artikels ist für Lehrkräfte besonders wertvoll, da sie nicht nur Empfehlungen ausspricht, sondern auch begründete Kritik übt – etwa an der quasi-therapeutischen Ausrichtung von Flottmeier/Garske, die das Unterrichtssetting überfordere. Diese Reflexivität im Umgang mit Unterrichtsmaterial ist vorbildlich.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.3 Königtum und Prophetie. Macht und Kritik.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 7

7.1 Protestieren und Aufbegehren: Prophetisches Handeln.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Gott ruft Menschen in seinen Dienst

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