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Verlag Katholisches Bibelwerk GmbH

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Die große Flut und die Arche

Veröffentlichung:1.1.1970

Der Fachartikel von Norbert Clemens Baumgart wurde unter dem Titel: „Die Fluterzählung. Die große Flut und die Arche“ verfasst und umfasst 7 Seiten. Der Artikel untersucht die biblische Fluterzählung in Genesis 6,5 bis 9,17 und zeigt, dass sie nicht als historischer Bericht über eine Naturkatastrophe gelesen werden soll. Die Flut wird vielmehr als theologische Erzählung verstanden, die menschliche Boshaftigkeit und Gewalt thematisiert und zugleich die bleibende Treue Gottes zu seiner Schöpfung hervorhebt. Die entscheidende Botschaft lautet, dass Gott nach der Flut den Fortbestand des Lebens garantiert.

Der Fachartikel behandelt vor allem die theologischen Probleme von menschlicher Bosheit, Gewalt, Schuld, göttlichem Gericht und der Frage, wie ein Schöpfergott die Vernichtung seiner eigenen Schöpfung zulassen oder selbst herbeiführen kann. Besonders wichtig ist die Spannung zwischen Gottes Gericht und Gottes Barmherzigkeit. Der Artikel vertritt die bemerkenswerte Deutung, dass die Flut den Menschen nicht verändert, sondern Gott zu einer neuen Haltung gegenüber dem Menschen führt. Nach der Flut akzeptiert Gott die bleibende Fehlbarkeit des Menschen und schließt einen bedingungslosen Bund mit Menschen, Tieren und der gesamten Schöpfung.

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Norbert Clemens Baumgart beschäftigt sich mit der biblischen Fluterzählung aus Genesis 6 bis 9. Zunächst erklärt er, dass der Begriff Sintflut ursprünglich nichts mit Sünde zu tun hat. Das althochdeutsche Wort bezeichnet eine große und umfassende Flut. Die Fluterzählung ist die umfangreichste Erzählung innerhalb der biblischen Urgeschichte und besitzt dort eine zentrale Funktion. Sie steht in enger Beziehung zur Schöpfungserzählung. Während Genesis 1 und 2 von der Erschaffung der Welt und des Lebens berichten, zeigt die Fluterzählung, wie diese Schöpfung durch menschliche Bosheit und Gewalt gefährdet wird. Die Katastrophe bildet jedoch nicht das Ende. Nach der Flut erhält die Schöpfung von Gott die Zusage, dauerhaft bestehen zu können.

Die Verbindung von Schöpfung und Flut ist keine Besonderheit der Bibel. Baumgart verweist auf wesentlich ältere Erzählungen aus dem Alten Orient. Dazu gehört der Atramhasismythos aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus. Auch dort wird zunächst von der Erschaffung des Menschen und später von einer großen Flut erzählt. Nur wenige Menschen überleben und ermöglichen einen Neuanfang. Eine ähnliche Verbindung von Schöpfung und Flut findet sich in der Eridu Genesis. Die biblische Fluterzählung steht damit in einer älteren kulturellen Tradition, greift diese Vorstellungen jedoch auf und gestaltet sie im Sinne des israelitischen Glaubens neu.

Bereits sprachlich verbindet die Bibel die Fluterzählung mit den Schöpfungserzählungen. Begriffe wie Mensch, Erdboden, Leben, Fleisch und Welt werden erneut verwendet. Dadurch wird deutlich, dass die Flut nicht nur das Schicksal einzelner Menschen betrifft. Es geht um die Gefährdung der gesamten von Gott geschaffenen Welt. Der Artikel unterscheidet dabei zwei theologische Gedankenlinien innerhalb der Fluterzählung. Diese beiden Linien hängen mit der Entstehung des Textes aus unterschiedlichen Quellen zusammen.

Die erste Gedankenlinie beschäftigt sich mit der Boshaftigkeit des Menschen. Genesis 6 beschreibt das menschliche Denken und Handeln äußerst pessimistisch. Die Menschen handeln beständig böse. Diese Entwicklung setzt bereits mit den vorhergehenden Erzählungen ein. Das erste Menschenpaar überschreitet eine göttliche Grenze, Kain ermordet Abel und Lamech steigert die Gewalt durch seine maßlosen Rachevorstellungen. Die Flut erscheint zunächst als göttliches Strafgericht über diese Entwicklung.

Besonders auffällig ist dabei das Gottesbild. Gott bereut, den Menschen geschaffen zu haben, und leidet an dessen Boshaftigkeit. Zunächst scheint es, als könne Gott angesichts des menschlichen Verhaltens nur noch mit Vernichtung reagieren. Nach der Flut verändert sich diese Haltung jedoch grundlegend. Noach bringt Gott ein Dankopfer dar. Daraufhin verspricht Gott den Fortbestand der Welt. Bemerkenswert ist, dass der Mensch nach der Flut nicht besser geworden ist. Seine Neigung zum Bösen bleibt bestehen.

Baumgart greift deshalb die zugespitzte Aussage auf, dass die Flut nicht den Menschen, sondern Gott verändert habe. Gott erkennt in der Vernichtung, wie sehr er an seinen Menschen hängt. Der Schöpfer vollzieht gewissermaßen eine Umkehr. Der Mensch darf nach der Flut trotz seiner bleibenden Fehlbarkeit existieren. Der pessimistischen Einschätzung des Menschen steht deshalb ein optimistisches Vertrauen in Gottes Geduld und Barmherzigkeit gegenüber. Das Weiterbestehen des Lebens hängt nicht von der moralischen Vollkommenheit des Menschen ab, sondern von der Treue Gottes zu seiner Schöpfung.

Die zweite Gedankenlinie beschäftigt sich besonders mit Gewalt. Die Erde ist vor der Flut von Gewalttaten erfüllt. Baumgart verbindet dies mit den vorhergehenden Erzählungen von Kain und Lamech. Gewalt erzeugt Gegengewalt und entwickelt eine zerstörerische Eigendynamik. Das Leben droht sich dadurch selbst auszulöschen. Die Flut kann deshalb als Metapher für die Folgen grenzenloser Gewalt verstanden werden. Gewalt nimmt dem Leben seinen Raum und bedroht schließlich alle Lebewesen.

Nach der Flut setzt Gott dieser Entwicklung eine Grenze. Er schließt einen Bund mit Menschen und Tieren. Dieser Bund soll verhindern, dass die gesamte Schöpfung erneut grundsätzlich infrage gestellt wird. Der Schöpfungsbund ist bedingungslos. Er hängt nicht davon ab, dass die Menschen vollkommen werden. Gott selbst garantiert den Bestand seiner Schöpfung. Darauf bauen die sogenannten noachitischen Gebote auf. Besonders hervorgehoben wird der Schutz des menschlichen Lebens. Wenn menschliches Blut vergossen wird, fordert Gott Rechenschaft. Die Opfer menschlicher Gewalt finden in Gott ihren Anwalt.

Ein wichtiger Ausdruck der Erzählung lautet, dass eine solche Vernichtung nicht noch einmal geschehen wird. Die Fluterzählung blickt auf eine schreckliche Vergangenheit zurück, um Aussagen über Gegenwart und Zukunft zu machen. Die Erzählenden und Hörenden sollen wissen, dass die Welt nicht mehr von einem vollständigen Untergang bedroht ist. Das Bedrohliche wird in die Urzeit verlegt. Damit entsteht eine Urgeschichte, die erklären möchte, warum die Menschheitsgeschichte trotz Gewalt und Bosheit weitergehen kann. Die Antwort lautet, dass Gott zu seiner Schöpfung steht.

Der Artikel betont deshalb, dass viele Einzelheiten der Fluterzählung nicht wie Angaben eines modernen Berichts über eine Naturkatastrophe behandelt werden dürfen. Zeitangaben und Datumsangaben folgen teilweise bestimmten literarischen Schemata. Auch der Regenbogen besitzt eine tiefere symbolische Bedeutung. Er erinnert an einen Kampfbogen und kann als Zeichen dafür verstanden werden, dass Gott selbst für seine Welt eintritt. Die Fluterzählung arbeitet also mit religiösen Bildern und Metaphern.

Besonders ausführlich untersucht Baumgart die Arche. Ihre Form entspricht kaum einem tatsächlich seetüchtigen Schiff. Das hebräische Wort bezeichnet eher einen Kasten. Die Arche ist deshalb nicht in erster Linie als technisch realistisches Schiff zu verstehen. In der Geschichte der Bibelauslegung entstanden zahlreiche symbolische Interpretationen. In der Antike wurde die Arche beispielsweise als Vorausbild der Kirche verstanden. Andere Auslegungen bezogen ihre Form auf Christus. Baumgart konzentriert sich dagegen auf Zusammenhänge innerhalb der biblischen Texte und auf religionsgeschichtliche Parallelen.

Die Arche wird im Artikel als kleine Nachbildung der Schöpfung interpretiert. Sowohl bei der Erschaffung der Welt als auch beim Bau der Arche entsteht ein geschützter Lebensraum inmitten bedrohlicher Wassermassen. In Genesis 1 schafft Gott einen Raum für Menschen und Tiere. In der Fluterzählung entsteht mit der Arche erneut ein solcher Lebensraum. Nachdem der geschützte Raum geschaffen ist, wird er mit Menschen und Tieren gefüllt. Auch Nahrung wird hineingebracht. Die Arche bewahrt somit im Kleinen das Leben der gesamten Schöpfung.

Dabei erhält Noach eine besondere Aufgabe. Gott gibt die Anweisungen, aber Noach muss sie ausführen. Er handelt damit gewissermaßen nach dem Vorbild des Schöpfers. In einer Welt voller Gewalt soll Noach dem Leben Raum geben. Er sorgt nicht nur für seine eigene Familie, sondern auch für die Tiere. Dadurch wird die Gottebenbildlichkeit des Menschen konkret. Gottebenbildlichkeit bedeutet nach dieser Auslegung weniger eine bestimmte Eigenschaft des Menschen als vielmehr eine Aufgabe. Der Mensch ist Bild Gottes, wenn er verantwortlich in seinem Lebensraum handelt und das Leben schützt. Noach wird dafür zum Beispiel.

Eine weitere wichtige Aussage lautet, dass Gott an Noach und die Lebewesen in der Arche denkt. Dieses Gedenken ist mehr als eine bloße Erinnerung. Wenn Gott gedenkt, handelt er rettend. Mit Genesis 8 beginnt deshalb die Wende der Geschichte. Das Wasser geht zurück und das Leben erhält wieder Raum. Der zunächst mit Noach geschlossene Bund wird nach der Flut ausgeweitet. Gott schließt nun Menschen, Tiere und letztlich die gesamte Welt in seinen Bund ein. Der Schöpfungsbund ist damit universal.

Baumgart stellt außerdem eine Verbindung zwischen der Arche und dem Heiligtum her. Altorientalische Fluterzählungen verbinden die Arche teilweise mit Tempelbauten. Auch innerhalb der Bibel bestehen auffällige Ähnlichkeiten zwischen der Beschreibung der Arche und der Beschreibung des Zeltheiligtums. Beide werden aufgrund göttlicher Anweisungen errichtet und besitzen vergleichbare architektonische Merkmale.

Auch der Jerusalemer Tempel klingt nach Baumgart in der Darstellung der Arche an. Die Arche besitzt mehrere Etagen, einen seitlichen Eingang und einen oberen Bereich für Licht. Ähnliche Elemente werden auch vom Jerusalemer Tempel beschrieben. Dadurch erhält die Arche eine zusätzliche symbolische Bedeutung. Der Tempel ist der Ort der besonderen Gegenwart jenes Gottes, der das Leben durch die Flut hindurch gerettet hat und den Fortbestand der Welt garantiert.

Die Fluterzählung behandelt damit eine grundlegende menschliche Angst. Menschen fürchten die Möglichkeit einer umfassenden Katastrophe, die alles Leben vernichtet. Die biblische Erzählung nimmt diese Angst ernst, beantwortet sie jedoch mit einer theologischen Hoffnung. Die Welt ist nicht sich selbst überlassen. Gott steht als Schöpfer zu ihr und garantiert ihren Bestand. Die Flutgeschichte ist deshalb weniger eine Geschichte über Vernichtung als eine Erzählung über die Bewahrung des Lebens.

Auf der letzten Seite stellt der Artikel einen Ausschnitt aus dem Gilgamesch Epos neben die biblische Tradition. Dort wird ebenfalls der Bau eines Schiffes beschrieben, in das Menschen, Besitz und Lebewesen aufgenommen werden. Dieser Vergleich verdeutlicht die altorientalischen Traditionen, auf die die biblische Fluterzählung zurückgreift. Die Bibel übernimmt den bekannten Flutstoff jedoch nicht einfach, sondern deutet ihn theologisch neu.

In seiner Zusammenfassung betont Baumgart deshalb, dass Fluterzählungen in zahlreichen frühen Kulturen vorkommen. Die Bibel greift diesen Stoff auf und macht daraus eine Zusage. Das Leben auf der Erde muss den vollständigen Untergang nicht fürchten. Dieses Vertrauen gründet auf Gott als Schöpfer. Was oberflächlich wie ein Bericht über eine Katastrophe erscheinen könnte, erweist sich bei genauer Betrachtung als Arbeit mit religiösen Bildern und Metaphern, die Gottes rettendes und bewahrendes Handeln ausdrücken. Die Arche ist dafür ein besonders wichtiges Symbol.

Für den Religionsunterricht ermöglicht der Artikel Lernenden, die Fluterzählung jenseits einer rein historischen Fragestellung zu verstehen. Lernende können untersuchen, wie die Bibel menschliche Gewalt und Boshaftigkeit beurteilt und wie sie die Spannung zwischen Gottes Gericht und Gottes Barmherzigkeit gestaltet. Ebenso können sie die Arche als Symbol für einen geschützten Lebensraum und Noach als Beispiel verantwortlichen menschlichen Handelns betrachten. Besonders wichtig ist die Botschaft des Bundes. Trotz menschlicher Fehlbarkeit gibt Gott seine Schöpfung nicht auf. Der Text vermittelt damit eine Hoffnung auf die Bewahrung des Lebens und fordert zugleich dazu auf, Gewalt zu begrenzen und verantwortlich mit Menschen, Tieren und der gesamten Schöpfung umzugehen.

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