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Planet Schule

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Was glaubst du denn?

Veröffentlichung:1.1.1970

Der Dokumentarfilm Was glaubst du denn? aus der Reihe „Ich und die Anderen“ von Planet Schule beschäftigt sich mit der Bedeutung von Religion und Glauben im Leben junger Menschen. Im Mittelpunkt stehen drei Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene, die unterschiedlichen Religionen angehören: Laila ist Muslimin, Boris ist Jude und Patric ist katholischer Christ. Der Film begleitet sie in ihrem Alltag und zeigt, wie sie ihre religiösen Überzeugungen leben, welche Bedeutung Gebete, religiöse Rituale und Glaubensvorschriften für sie besitzen und wie sie versuchen, ihren Glauben mit den Herausforderungen einer modernen Gesellschaft zu verbinden. Dabei werden sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zwischen Islam, Judentum und Christentum sichtbar. Die drei jungen Menschen berichten von ihren persönlichen Gottesvorstellungen, ihren Zukunftswünschen, ihren Erfahrungen mit Vorurteilen und ihrem Umgang mit religiösen Zweifeln. Zugleich verdeutlicht der Film, dass Religion nicht nur aus Regeln und Traditionen besteht, sondern auch Orientierung, Gemeinschaft, Identität und Lebenssinn vermitteln kann. Die Dokumentation eröffnet einen lebensnahen Zugang zur religiösen Vielfalt und regt dazu an, über die eigene Weltanschauung, über Toleranz und über das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen nachzudenken.

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Der Film eignet sich besonders für den Religionsunterricht am Gymnasium in den Jahrgangsstufen 8 bis 13 und kann sowohl im evangelischen als auch im katholischen Religionsunterricht sowie im Ethikunterricht eingesetzt werden. Er bietet vielfältige Anknüpfungspunkte an die Themenbereiche Religion und Identität, Weltreligionen, religiöse Sozialisation, Gottesvorstellungen, interreligiöser Dialog, Toleranz, religiöse Vielfalt und persönliche Sinnsuche. Im Mittelpunkt der didaktischen Auseinandersetzung steht die Erkenntnis, dass religiöser Glaube nicht ausschließlich als abstraktes Lehrgebäude verstanden werden kann, sondern eine individuelle und gemeinschaftliche Lebenspraxis darstellt. Durch die authentischen Lebensgeschichten der drei jungen Menschen erhalten die Lernenden die Möglichkeit, religiöse Überzeugungen aus der Perspektive Gleichaltriger kennenzulernen und sich mit deren Erfahrungen, Hoffnungen und Herausforderungen auseinanderzusetzen.

Aus religionspädagogischer Perspektive unterstützt das Medium insbesondere die Entwicklung der Wahrnehmungsfähigkeit, Deutungsfähigkeit, Dialogfähigkeit, Urteilsfähigkeit und Gestaltungsfähigkeit. Die Lernenden sollen religiöse Ausdrucksformen erkennen, deren Bedeutung für die jeweiligen Personen erschließen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Religionen herausarbeiten und eigene begründete Positionen zu religiösen und weltanschaulichen Fragestellungen entwickeln. Dabei ist es wichtig, den Film nicht ausschließlich zur Vermittlung von Sachwissen über die drei monotheistischen Religionen einzusetzen. Sein besonderer didaktischer Wert liegt vielmehr darin, dass er persönliche Glaubensvorstellungen sichtbar macht und damit die Unterscheidung zwischen religiöser Lehre und individueller Glaubenspraxis ermöglicht. Die Lernenden erkennen, dass Menschen innerhalb derselben Religion unterschiedliche Einstellungen entwickeln und ihren Glauben auf vielfältige Weise gestalten können.

Für den Einstieg in die Unterrichtseinheit bietet sich eine offene Auseinandersetzung mit der Frage „Was bedeutet Glauben für mich und für andere Menschen?“ an. Die Lernenden können zunächst in einer stillen Einzelarbeitsphase Begriffe sammeln, die sie mit Religion, Glauben und Spiritualität verbinden. Anschließend werden die Ergebnisse in Partnerarbeit verglichen und in einem gemeinsamen Unterrichtsgespräch zusammengeführt. Alternativ können die Lernenden zu Aussagen wie „Religion gibt Menschen Halt“, „Glaube ist Privatsache“, „Religiöse Regeln schränken die persönliche Freiheit ein“ oder „Menschen verschiedener Religionen haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede“ Stellung beziehen. Hierfür eignet sich eine Positionslinie im Klassenraum, auf der unterschiedliche Auffassungen sichtbar werden. Die Lernenden begründen ihre Positionen und üben, abweichende Meinungen respektvoll wahrzunehmen.

Vor der Filmvorführung empfiehlt es sich, vorhandenes Wissen über Judentum, Christentum und Islam zu aktivieren. Dabei können zentrale Merkmale wie Gottesverständnis, heilige Schriften, Gebetsformen, religiöse Feste, Rituale und Glaubensgemeinschaften wiederholt werden. Zugleich sollten mögliche Vorurteile und stereotype Vorstellungen thematisiert werden, ohne diese unkritisch zu reproduzieren. Die Lehrkraft verdeutlicht, dass die im Film vorgestellten Personen nicht stellvertretend für sämtliche Angehörige ihrer Religion sprechen, sondern individuelle Glaubenswege darstellen. Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, um vereinfachende Zuschreibungen zu vermeiden und ein differenziertes Verständnis religiöser Identität zu fördern.

Während der Filmvorführung können die Lernenden arbeitsteilige Beobachtungsaufträge erhalten. Eine Gruppe beschäftigt sich mit Laila und ihrer muslimischen Glaubenspraxis, eine zweite mit Boris und seinem jüdischen Glauben und eine dritte mit Patric und seiner katholischen Lebensgestaltung. Die Gruppen untersuchen, welche Bedeutung Religion im jeweiligen Alltag besitzt, welche religiösen Handlungen erkennbar werden, welche Werte und Überzeugungen die Personen vertreten und welche Herausforderungen sie erleben. Die Ergebnisse können in einer vergleichenden Tabelle festgehalten werden. Als gemeinsame Beobachtungskategorien eignen sich religiöse Identität, Gebet, Gemeinschaft, Glaubensvorschriften, Gottesvorstellung, Zweifel, Zukunftsvorstellungen und Erfahrungen mit Vorurteilen.

Nach der Filmvorführung werden die Beobachtungen zunächst in den jeweiligen Gruppen ausgetauscht und anschließend im Plenum zusammengeführt. Die Lernenden vergleichen die drei Lebensgeschichten und arbeiten heraus, dass religiöse Zugehörigkeit einerseits Unterschiede in Traditionen, Vorschriften und Ausdrucksformen begründet, andererseits aber auch gemeinsame menschliche Bedürfnisse nach Zugehörigkeit, Orientierung, Hoffnung und Sinn erkennbar werden. Besonders gewinnbringend ist die Frage, inwiefern der persönliche Glaube zur Identitätsbildung beiträgt. Hier können die Lernenden untersuchen, welche Bedeutung religiöse Gemeinschaften für das Selbstverständnis der drei Personen besitzen und wie individuelle Freiheit und religiöse Verpflichtung miteinander verbunden werden.

Eine vertiefende Unterrichtsphase kann sich mit dem Verhältnis von Glauben und Zweifel beschäftigen. Ausgehend von den Erfahrungen der porträtierten Personen setzen sich die Lernenden mit der Frage auseinander, ob Zweifel einen Gegensatz zum Glauben darstellen oder Bestandteil eines reflektierten religiösen Lebens sein können. Im christlichen Religionsunterricht bietet sich hierzu beispielsweise die biblische Erzählung vom zweifelnden Thomas in Johannes 20,24 bis 29 an. Auch Markus 9,24 eröffnet mit der Spannung zwischen Glauben und Unglauben einen geeigneten theologischen Zugang. Die Lernenden können die biblischen Aussagen mit den im Film dargestellten Glaubenserfahrungen vergleichen und erörtern, welche Rolle Unsicherheit, persönliche Fragen und kritische Reflexion für die Entwicklung religiöser Überzeugungen spielen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit Vorurteilen und religiöser Diskriminierung. Die Lernenden analysieren, welche Erfahrungen die drei jungen Menschen mit gesellschaftlichen Erwartungen, Unverständnis und Vorurteilen machen und welche Auswirkungen solche Erfahrungen auf das persönliche Selbstverständnis haben können. Anschließend können konkrete Alltagssituationen aus Schule, Freundeskreis oder Öffentlichkeit diskutiert werden. Hierfür eignen sich Fallbeispiele, in denen religiöse Kleidung, Speisevorschriften, Gebetszeiten oder religiöse Feiertage zu Konflikten führen. In Rollenspielen oder moderierten Streitgesprächen entwickeln die Lernenden Möglichkeiten, wie solche Konflikte respektvoll und konstruktiv gelöst werden können. Dabei sollte deutlich werden, dass religiöse Toleranz nicht die Aufgabe eigener Überzeugungen bedeutet, sondern die Anerkennung der Freiheit anderer Menschen, unterschiedliche religiöse oder nichtreligiöse Lebensentwürfe zu vertreten.

Für die gymnasiale Oberstufe bietet der Film darüber hinaus die Möglichkeit, anspruchsvollere theologische und religionsphilosophische Fragestellungen zu behandeln. Dazu gehören das Verhältnis von Religion und Moderne, die Bedeutung religiöser Traditionen in einer pluralistischen Gesellschaft, die individuelle Konstruktion religiöser Identität sowie die Frage nach den Voraussetzungen eines gelingenden interreligiösen Dialogs. Die Lernenden können untersuchen, ob religiöse Überzeugungen eher als persönliche Entscheidung oder als Ergebnis familiärer und gesellschaftlicher Prägung verstanden werden müssen. Ebenso kann diskutiert werden, inwiefern religiöse Gebote persönliche Freiheit begrenzen oder gerade durch verbindliche Orientierung ermöglichen.

Methodisch bietet sich für diese Vertiefung eine strukturierte Diskussion, eine Podiumsdiskussion oder ein philosophisches Gespräch an. Dabei können die Lernenden unterschiedliche Perspektiven einnehmen und ihre Aussagen durch konkrete Beobachtungen aus dem Film sowie durch religionswissenschaftliche und theologische Kenntnisse begründen. Für leistungsstärkere Lerngruppen empfiehlt sich die zusätzliche Auseinandersetzung mit dem Begriff des religiösen Pluralismus. Die Lernenden können prüfen, welche Chancen und Herausforderungen sich aus der gleichberechtigten Existenz unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen für eine demokratische Gesellschaft ergeben.

Zur Ergebnissicherung eignet sich die Gestaltung eines persönlichen Reflexionstextes mit dem Titel „Was bedeutet Glauben in einer vielfältigen Gesellschaft?“. Alternativ können die Lernenden einen fiktiven Dialog zwischen den drei porträtierten Personen verfassen, in dem Gemeinsamkeiten, Unterschiede und mögliche Missverständnisse thematisiert werden. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Erstellung eines Podcasts oder eines Interviews, in dem die Lernenden Fragen nach Religion, Identität und Toleranz aufgreifen. Dabei muss ausdrücklich die Möglichkeit bestehen, eine nichtreligiöse Perspektive einzunehmen. Persönliche Glaubensüberzeugungen dürfen weder vorausgesetzt noch eingefordert werden.

Bei der Leistungsbewertung sollten vor allem die sachliche Richtigkeit, die Fähigkeit zur differenzierten Analyse, die Verwendung religiöser Fachbegriffe, die Qualität der Argumentation und der respektvolle Umgang mit unterschiedlichen Positionen berücksichtigt werden. Nicht bewertet werden darf die persönliche Religiosität oder weltanschauliche Haltung der Lernenden.

Insgesamt ermöglicht der Film einen anschaulichen und lebensweltorientierten Religionsunterricht, der fachliches Lernen mit persönlicher Reflexion und gesellschaftlicher Verantwortung verbindet. Er trägt dazu bei, religiöse Vielfalt nicht nur als Gegenstand theoretischer Wissensvermittlung zu betrachten, sondern als konkrete Wirklichkeit menschlichen Zusammenlebens zu verstehen. Besonders geeignet ist das Medium für eine Unterrichtssequenz von zwei bis vier Unterrichtsstunden, die durch weiterführende Texte, biblische Impulse und aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen ergänzt werden kann.


Fragestellungen zum Film mit Operatoren des gymnasialen Lehrplans und Musterantworten

Die folgenden Aufgaben orientieren sich an gängigen Operatoren des gymnasialen Religionsunterrichts und berücksichtigen die drei Anforderungsbereiche Reproduktion, Reorganisation und Transfer sowie Reflexion und Problemlösung. Die Musterantworten sind als Erwartungshorizont formuliert. Da sich die Aufgaben auf die veröffentlichte Filmbeschreibung stützen, sollten konkrete Aussagen der porträtierten Personen bei der Bearbeitung anhand des Films überprüft und ergänzt werden.

Anforderungsbereich I: Reproduktion

Aufgabe 1: Beschreibe, welche Bedeutung Religion für die drei im Film vorgestellten jungen Menschen besitzt.

Operator: Beschreiben

Musterantwort: Für Laila, Boris und Patric ist Religion ein wichtiger Bestandteil ihrer persönlichen Identität. Ihr Glaube beeinflusst ihre Lebensgestaltung, ihre Wertvorstellungen und ihre Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Gebete, religiöse Vorschriften und Rituale geben ihrem Alltag eine religiöse Struktur. Gleichzeitig beschäftigen sie sich mit persönlichen Fragen, Zweifeln und Zukunftsvorstellungen. Religion wird somit nicht nur als Tradition, sondern als lebendige und individuelle Überzeugung sichtbar.

Aufgabe 2: Stelle dar, welche Religionen im Film vertreten sind und welche Gemeinsamkeiten sie aufweisen.

Operator: Darstellen

Musterantwort: Im Film werden Islam, Judentum und katholisches Christentum vorgestellt. Alle drei Religionen gehören zu den monotheistischen Religionen und bekennen sich zum Glauben an einen Gott. Gebet, religiöse Gemeinschaft, ethische Orientierung und religiöse Traditionen spielen in allen drei Religionen eine wichtige Rolle. Unterschiede bestehen unter anderem in den heiligen Schriften, den religiösen Vorschriften, den Gottesdienstformen und im Verständnis von Jesus Christus.

Aufgabe 3: Gib wieder, mit welchen Herausforderungen die porträtierten Personen im Zusammenhang mit ihrem Glauben konfrontiert werden.

Operator: Wiedergeben

Musterantwort: Die jungen Menschen erleben Vorurteile, Unverständnis und neugierige Fragen aus ihrem sozialen Umfeld. Sie müssen ihren Glauben mit persönlichen Wünschen und gesellschaftlichen Erwartungen vereinbaren. Darüber hinaus beschäftigen sie sich mit religiösen Zweifeln und der Frage, wie sich traditionelle Glaubensvorstellungen in einer modernen Gesellschaft leben lassen.

Anforderungsbereich II: Reorganisation und Transfer

Aufgabe 4: Vergleiche die Bedeutung von Gebet, religiösen Vorschriften und Gemeinschaft für die drei jungen Menschen.

Operator: Vergleichen

Musterantwort: Gebet und religiöse Rituale bilden für alle drei Personen wichtige Ausdrucksformen ihres Glaubens. Die konkreten religiösen Traditionen unterscheiden sich jedoch. Im Islam besitzt das rituelle Gebet eine besondere Bedeutung. Im Judentum sind Gebet, religiöse Gebote und gemeinschaftliche Traditionen wichtige Elemente des religiösen Lebens. Im katholischen Christentum spielen persönliche und gemeinschaftliche Gebete, Gottesdienste und Sakramente eine zentrale Rolle. Gemeinsam ist den drei Personen, dass sie in ihren Glaubensgemeinschaften Zugehörigkeit und Orientierung erfahren. Die konkrete Bedeutung dieser Elemente hängt jedoch von ihrer individuellen Glaubenspraxis ab.

Aufgabe 5: Analysiere, inwiefern Religion zur Identitätsbildung der drei porträtierten Personen beiträgt.

Operator: Analysieren

Musterantwort: Religion trägt zur Identitätsbildung bei, indem sie persönliche Werte, Überzeugungen und Verhaltensweisen beeinflusst. Die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft vermittelt den jungen Menschen das Gefühl, Teil einer größeren Tradition zu sein. Religiöse Rituale und Glaubensvorstellungen können Sicherheit und Orientierung geben. Gleichzeitig entsteht religiöse Identität durch die persönliche Auseinandersetzung mit überlieferten Glaubensinhalten. Die im Film dargestellten Zweifel und Fragen verdeutlichen, dass religiöse Identität kein abgeschlossener Zustand ist, sondern sich im Verlauf des Lebens weiterentwickelt.

Aufgabe 6: Erläutere, weshalb religiöse Zweifel nicht zwangsläufig im Widerspruch zu einem lebendigen Glauben stehen.

Operator: Erläutern

Musterantwort: Zweifel können Ausdruck einer ernsthaften Auseinandersetzung mit religiösen Überzeugungen sein. Menschen hinterfragen beispielsweise Gottesvorstellungen, religiöse Gebote oder die Bedeutung des Glaubens für ihr eigenes Leben. Dadurch können sie ihre Überzeugungen überprüfen und weiterentwickeln. Auch die biblische Erzählung vom zweifelnden Thomas in Johannes 20,24 bis 29 zeigt, dass Fragen und Unsicherheiten zur religiösen Erfahrung gehören können. Ein reflektierter Glaube muss deshalb nicht auf vollständiger Gewissheit beruhen.

Aufgabe 7: Arbeite heraus, welche Bedeutung Toleranz für das Zusammenleben unterschiedlicher Religionsgemeinschaften besitzt.

Operator: Herausarbeiten

Musterantwort: Toleranz ermöglicht Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen ein respektvolles Zusammenleben. Sie setzt voraus, dass andere Glaubensüberzeugungen anerkannt werden, auch wenn man diese persönlich nicht teilt. Die Erfahrungen der drei porträtierten Personen zeigen, dass Vorurteile und mangelndes Wissen zu Missverständnissen führen können. Durch Begegnungen, Gespräche und gegenseitiges Interesse lassen sich solche Vorurteile hinterfragen. Toleranz bedeutet dabei nicht, auf die eigene religiöse Identität zu verzichten, sondern die Glaubensfreiheit anderer zu respektieren.

Anforderungsbereich III: Reflexion und Problemlösung

Aufgabe 8: Erörtere, ob religiöse Vorschriften die persönliche Freiheit einschränken oder Orientierung ermöglichen.

Operator: Erörtern

Musterantwort: Religiöse Vorschriften können als Einschränkung empfunden werden, wenn sie persönliche Entscheidungen beeinflussen oder bestimmte Verhaltensweisen verbindlich festlegen. Besonders dann, wenn religiöse Regeln durch sozialen Druck durchgesetzt werden, können Konflikte mit der individuellen Selbstbestimmung entstehen. Andererseits können religiöse Gebote Orientierung geben und dabei helfen, das eigene Leben bewusst zu gestalten. Menschen, die sich freiwillig an religiösen Traditionen orientieren, können darin einen Ausdruck ihrer persönlichen Freiheit erkennen. Entscheidend ist deshalb, ob religiöse Regeln selbstbestimmt angenommen werden und ob die Freiheit anderer Menschen gewahrt bleibt.

Aufgabe 9: Beurteile, inwiefern der Film geeignet ist, religiöse Vorurteile abzubauen.

Operator: Beurteilen

Musterantwort: Der Film eignet sich dazu, religiöse Vorurteile zu hinterfragen, weil er konkrete Menschen mit ihren persönlichen Erfahrungen und Überzeugungen vorstellt. Die Lernenden begegnen nicht nur abstrakten Informationen über Religionen, sondern individuellen Lebensgeschichten. Dadurch können Verständnis und Empathie entstehen. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass drei Personen nicht die gesamte Vielfalt ihrer jeweiligen Religion repräsentieren. Der Film sollte deshalb durch weitere Perspektiven ergänzt werden. Insgesamt bietet er eine geeignete Grundlage, um stereotype Vorstellungen zu erkennen und einen differenzierten Blick auf religiöse Menschen zu entwickeln.

Aufgabe 10: Nimm begründet Stellung zu der Aussage: „Religion ist ausschließlich Privatsache.“

Operator: Stellung nehmen

Musterantwort: Religion besitzt sowohl eine persönliche als auch eine gesellschaftliche Dimension. Einerseits gehört die Entscheidung für oder gegen einen religiösen Glauben zur individuellen Gewissensfreiheit. Niemand darf gezwungen werden, bestimmte religiöse Überzeugungen anzunehmen. Andererseits wirkt sich Religion häufig auf das gesellschaftliche Leben aus, beispielsweise durch religiöse Feiertage, soziale Einrichtungen, ethische Wertvorstellungen und gemeinschaftliche Traditionen. Der Film verdeutlicht, dass Religion für die porträtierten Personen nicht nur eine innere Überzeugung darstellt, sondern auch ihren Alltag und ihre sozialen Beziehungen prägt. Deshalb ist die Aussage, Religion sei ausschließlich Privatsache, zu einseitig.

Aufgabe 11: Diskutiere, ob Menschen unterschiedlicher Religionen trotz verschiedener Glaubensvorstellungen gemeinsame Werte vertreten können.

Operator: Diskutieren

Musterantwort: Menschen unterschiedlicher Religionen können gemeinsame Werte vertreten, auch wenn sich ihre theologischen Überzeugungen unterscheiden. Dazu gehören beispielsweise Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Mitgefühl, Ehrlichkeit und die Achtung der Menschenwürde. Diese Werte können eine Grundlage für ein friedliches Zusammenleben bilden. Allerdings dürfen Unterschiede zwischen den Religionen nicht übergangen werden, da beispielsweise Gottesvorstellungen und religiöse Wahrheitsansprüche voneinander abweichen können. Ein gelingender Dialog setzt deshalb voraus, Gemeinsamkeiten anzuerkennen und Unterschiede respektvoll auszuhalten. Gemeinsame ethische Überzeugungen sind darüber hinaus auch mit nichtreligiösen Weltanschauungen möglich.

Aufgabe 12: Entwickle Vorschläge, wie eine Schule das respektvolle Zusammenleben von Lernenden unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen fördern kann.

Operator: Entwickeln

Musterantwort: Eine Schule kann religiöse und weltanschauliche Vielfalt fördern, indem sie Begegnungen und Gespräche ermöglicht. Dazu gehören beispielsweise gemeinsame Projekte über religiöse Traditionen, Gespräche mit Angehörigen unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften und die Auseinandersetzung mit religiösen Festen. Wichtig ist außerdem, dass Diskriminierung und abwertende Äußerungen konsequent thematisiert werden. Die Lernenden sollten Gelegenheit erhalten, ihre eigenen Überzeugungen freiwillig einzubringen und gleichzeitig andere Positionen kennenzulernen. Auch die Perspektiven nichtreligiöser Menschen müssen gleichberechtigt berücksichtigt werden. Auf diese Weise kann Schule zu einem Ort werden, an dem Vielfalt als gesellschaftliche Normalität anerkannt wird.

Die Aufgaben können für die Sekundarstufe I sprachlich vereinfacht und für die gymnasiale Oberstufe durch die Einbindung theologischer Texte, religionswissenschaftlicher Positionen und biblischer Quellen vertieft werden. Besonders die Operatoren analysieren, erörtern, beurteilen und Stellung nehmen eignen sich für eine anspruchsvolle schriftliche Leistungsüberprüfung. Die genaue Zuordnung der Operatoren sollte an den Lehrplan und die Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes angepasst werden.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.3. Juden und Christen – eine leidvolle Geschichte. Geschwister im Glauben.

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 7

7G.2 Dem Islam begegnen. Auseinandersetzung und Toleranz.

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 8

8G.1 Ein eigener Mensch werden. Entwicklung der Persönlichkeit.

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9G.1b Evangelisch-katholisches Gemeinschaftsprojekt: Wofür es sich zu leben lohnt.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 6

6.2 Leben mit anderen Religionen: Was die abrahamitischen Religionen verbindet.

Beispielhafte Lernsequenzen

  • Zusammenleben oder zusammen leben

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