Didaktisch eignet sich das Medium besonders für einen Religionsunterricht, der Fragen von Menschenwürde, Nächstenliebe, Verantwortung, Fremdsein, Zugehörigkeit und gesellschaftlichem Zusammenleben miteinander verbindet. Der Einstieg über das Plakat ermöglicht zunächst eine offene Bildbegegnung. Die Lehrkraft kann das Motiv ohne Titel und weitere Erläuterungen präsentieren und die Lernenden beschreiben lassen, was sie sehen, welche Personengruppen sich gegenüberstehen und welche Stimmungen sie anhand von Körperhaltung, Gestik und Mimik wahrnehmen. Wichtig ist dabei die Trennung von Beobachtung und Interpretation. Erst anschließend können Vermutungen über Gedanken, Gefühle, Ängste, Erwartungen und Motive der dargestellten Personen formuliert werden. Die Arbeitsblätter mit Sprechblasen und Gedankenblasen auf den Seiten 3 und 4 unterstützen einen Perspektivwechsel, indem die Lernenden einzelnen Figuren eine Stimme geben. Dabei sollte die Lehrkraft darauf achten, dass geflüchtete Menschen nicht auf Hilflosigkeit, Leid oder Fremdheit reduziert und ablehnende Figuren nicht vorschnell stereotypisiert werden. Gerade die unterschiedlichen Reaktionen im Bild bieten vielmehr die Möglichkeit, Ambivalenzen zu untersuchen und zu fragen, wie Vorurteile, Ängste, Abwehr, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft entstehen können. Der anschließend vorgesehene Bilddialog vertieft diesen Zugang. Das Material fordert ausdrücklich dazu auf, Mimik und Gestik zu berücksichtigen sowie Gedanken, Wünsche und Ängste durch innere Dialoge sichtbar zu machen. Methodisch kann diese Aufgabe zunächst in Einzelarbeit vorbereitet und anschließend in Partnerarbeit oder Kleingruppen weiterentwickelt werden. Die Präsentation als Lesung oder szenisches Spiel eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, Perspektiven körperlich und sprachlich nachzuvollziehen. Im Religionsunterricht bietet sich danach eine ethische Reflexionsphase an. Die Lernenden können untersuchen, welche Vorstellungen von einem guten und menschenwürdigen Umgang mit Fremden in ihren Dialogen sichtbar werden und welche Verantwortung Einzelne, Gesellschaft und religiöse Gemeinschaften gegenüber Menschen auf der Flucht tragen. Je nach Unterrichtszusammenhang lassen sich Bezüge zu Nächstenliebe, Menschenwürde, Barmherzigkeit, Gastfreundschaft und biblischen Fremdheitserfahrungen herstellen. Die Wandzeitung eignet sich anschließend zur sachorientierten Vertiefung und zur Förderung von Medienkompetenz. Das Material verbindet Recherche mit unterschiedlichen journalistischen Darstellungsformen wie Reportage, Leserbrief, Bericht und Interview und fordert ausdrücklich dazu auf, neben Hintergrundinformationen auch Missstände, Lösungsvorschläge und Projekte aufzunehmen. Dabei empfiehlt es sich, Quellen gemeinsam hinsichtlich Aktualität, Perspektive und Aussageabsicht zu prüfen und zwischen Information, Meinung und appellativer Kommunikation zu unterscheiden. Als produktionsorientierter Abschluss bietet sich die Gestaltung eines eigenen Plakats an. Die Leitfragen des Materials richten die Aufmerksamkeit darauf, wie geflüchtete Menschen willkommen geheißen werden können, welche konkrete Unterstützung möglich ist und wie Fremdenfurcht begegnet werden kann. Die Lernenden übertragen ihre Erkenntnisse damit in eine eigene visuelle und sprachliche Botschaft. Die Präsentation der Plakate kann mit einer begründenden Vorstellung verbunden werden, bei der die Lernenden erklären, welche Botschaft sie vermitteln möchten und welche gestalterischen Entscheidungen diese Botschaft unterstützen. Eine abschließende Reflexion kann schließlich zum Ausgangsplakat zurückkehren: Die Lernenden vergleichen ihre erste Wahrnehmung mit ihren Erkenntnissen nach der Beschäftigung mit Flucht und Vertreibung und formulieren, ob und wie sich ihre Sicht verändert hat. Aufgrund der emotionalen und möglicherweise biografisch bedeutsamen Thematik sollte die Lehrkraft sensibel mit persönlichen Erfahrungen umgehen und Lernende nicht dazu auffordern, eigene Fluchtgeschichten oder familiäre Erfahrungen offenzulegen.