Für den Religionsunterricht bietet das Medium einen besonders geeigneten ästhetischen und handlungsorientierten Zugang zu einem sensiblen existenziellen Thema. Sterben und Tod gehören zu den klassischen Themen religiöser Bildung, zugleich können persönliche Verlusterfahrungen dazu führen, dass eine ausschließlich sprachliche Behandlung Lernende überfordert oder ihnen zu nahekommt. Die Stärke des vorgestellten Ansatzes besteht darin, dass niemand persönliche Erfahrungen erzählen oder erklären muss. Abstrakte Malerei ermöglicht es, Inneres sichtbar werden zu lassen, ohne intime Gedanken vollständig in Worte übersetzen zu müssen. Genau diese Möglichkeit hebt das Medium als besonderen Wert der abstrakten Gestaltung hervor. Vor Beginn einer solchen Unterrichtsreihe sollte die Lehrkraft deshalb einen geschützten Rahmen schaffen. Lernende sollten wissen, dass unterschiedliche Vorstellungen von Sterben, Tod und Trauer akzeptiert werden und niemand verpflichtet ist, persönliche Verlusterfahrungen offenzulegen. Sinnvoll ist zunächst ein behutsamer Zugang über Farben. Die Lehrkraft kann unterschiedliche Farbkarten auslegen und Impulse geben wie „Welche Farbe verbindest du mit Abschied?“, „Welche Farbe könnte Erinnerung haben?“ oder „Kann Trauer bunt sein?“. Die Lernenden wählen Farben und begründen ihre Auswahl nur so weit, wie sie dies möchten. Dabei sollte es ausdrücklich keine richtigen und falschen Zuordnungen geben. Das Medium macht am Beispiel von Schwarz und Rot deutlich, dass Farben unterschiedliche und sogar widersprüchliche Bedeutungen besitzen können. Schwarz kann Trauer, zugleich aber Eleganz und Seriosität ausdrücken. Rot kann Liebe und Wärme, aber auch Gefahr symbolisieren. Diese Mehrdeutigkeit eignet sich hervorragend für religiöse Lernprozesse, weil sie deutlich macht, dass auch Erfahrungen von Tod und Trauer individuell wahrgenommen und gedeutet werden. In einem zweiten Schritt empfiehlt sich entsprechend dem vorgestellten Projekt die Analyse abstrakter Kunstwerke. Lernende untersuchen Farbgebung, Formen, Linien, Oberflächen, Kontraste und mögliche Wirkungen. Entscheidend ist, dass zunächst beschrieben und erst danach interpretiert wird. Das Material berichtet, dass Lernende dasselbe abstrakte Element beispielsweise als Brücke, Übergang oder mehrere Boote wahrnahmen und daraus unterschiedliche Deutungen entwickelten. Gerade diese Erfahrung kann für den Religionsunterricht fruchtbar gemacht werden. Die Lernenden erkennen, dass Symbole und Bilder Deutungsräume eröffnen und nicht auf eine einzige Bedeutung festgelegt werden müssen. Anschließend können religiöse Symbole und Vorstellungen von Tod, Abschied, Hoffnung und möglichem Weiterleben einbezogen werden. Dabei können Kreuz, Licht, Weg, Tür, Wasser, Baum oder andere religiöse Bildmotive untersucht werden, ohne sie den Lernenden als verbindliche Deutung vorzugeben. Die praktische Gestaltungsphase sollte möglichst viel Freiheit bieten. Das Projekt zeigt, dass Leinwand, Holz, Karton und andere Untergründe ebenso verwendet werden können wie Pinsel, Spachtel, Bürsten, Schwämme oder Finger. Auch Sand, Kies und weitere Materialien können in die Bilder integriert werden. Ein geeigneter Gestaltungsauftrag könnte lauten, dem Tod, dem Abschied oder der Erinnerung durch Farben, Formen und Materialien Ausdruck zu verleihen, ohne eine konkrete Szene malen zu müssen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ein Bild zur Spannung zwischen Leben und Tod, Trauer und Hoffnung oder Verlust und Erinnerung zu gestalten. Wichtig ist ausreichend Zeit. Das vorgestellte Projekt wurde bewusst als Projekttag organisiert, weil kreative Prozesse, Trocknungszeiten, Überarbeitungen und der Austausch zwischen den Lernenden nur schwer in kurze Unterrichtsphasen passen. Während der Arbeitsphase sollte die Lehrkraft beratend begleiten, jedoch möglichst wenig interpretierend eingreifen. Das Kunstwerk gehört zunächst dem jeweiligen Lernenden. Auch bei der anschließenden Präsentation sollte niemand gezwungen werden, persönliche Bedeutungen offenzulegen. Eine geeignete Methode ist ein stiller Galeriegang. Die Lernenden betrachten die entstandenen Werke und notieren Wahrnehmungen, Assoziationen oder Fragen. Dabei sollte sprachlich zwischen „Ich sehe“, „Auf mich wirkt“ und „Ich vermute“ unterschieden werden. Dadurch lernen die Betrachtenden, ihre eigene Interpretation nicht mit der Intention des gestaltenden Menschen gleichzusetzen. In einer abschließenden Reflexion können Fragen nach der Bedeutung von Erinnerung, der Endlichkeit des Lebens, dem Umgang mit Trauer und religiösen Hoffnungsbildern aufgenommen werden. Besonders geeignet ist die Frage, ob sich die eigene Vorstellung von den Farben des Todes durch das Projekt verändert hat. Auch eine Ausstellung kann einen sinnvollen Abschluss bilden. Im beschriebenen Projekt wurden die Bilder im Schulgebäude präsentiert und eine weitere Ausstellung in einer Kirche geplant. Religionspädagogisch kann eine solche Präsentation selbst zu einer Form der Erinnerungskultur werden. Das Projekt verbindet damit existenzielles Lernen, ästhetisches Lernen und religiöse Deutungskompetenz. Lernende erhalten die Möglichkeit, sich einem schwierigen Thema individuell zu nähern, Mehrdeutigkeit auszuhalten und eigene Ausdrucksformen für Erfahrungen zu entwickeln, für die Worte manchmal nicht ausreichen.
Abstrakte Formen und Farben zum Thema Tod werden frei assoziiert. Auch das Einbeziehen von Brüchen oder Begrenzungen im Material ist möglich. Das Einbeziehen anderer Materialien wie Sand oder Kies erweitern dasRepertoire um sich dem Thema zu nähern. Konzeptionierung, Materialvorbereitung und arbeitsaufwendigere Teile des Erstellungsvorgangs können, je nach Lerngruppe, auch bereits in Heimarbeit begonnen werden.
Materialkosten: Abtönfarbe verwenden mit Haarspray abschließend Farben Glanz geben. Lernende sind anzuregen selbst Material zu beschaffen, je nachdem, was in ihrer Familie auch durch die Tätigkeit der Eltern verfügbar ist. Dadurch wird der kreative Prozess angeregt und die Abwechslung in der Umsetzung des Themas nimmt zu. Das Hinzuziehen eines ehrenamtlichen Künstlers ist eine bereichernde Option.