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Katholische Akademie Bayern

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Narrative Traumabewältigung im Markusevangelium

Veröffentlichung:1.6.2026

Der Fachartikel „Narrative Traumabewältigung. Historischer Kontext, Traumabewältigung und Passionsgeschichte im Markusevangelium“ von Prof. Dr. Sandra Huebenthal, Professorin für Exegese und Biblische Theologie an der Universität Passau, erschienen in der Zeitschrift zur debatte (Ausgabe 2/2026), beschäftigt sich mit der Bedeutung des Markusevangeliums als Ausdruck frühchristlicher Erfahrungen von Verlust, Gewalt, Glaubenskrisen und Hoffnung. Im Mittelpunkt steht die These, dass neutestamentliche Texte nicht ausschließlich als historische Quellen, sondern auch als identitätsstiftende Erzählungen verstanden werden müssen, in denen Menschen ihre Erfahrungen mit Jesus Christus und seiner Botschaft verarbeiten und an nachfolgende Generationen weitergeben. Die Autorin verbindet Erkenntnisse der historischen Bibelwissenschaft mit kulturwissenschaftlichen Überlegungen zu Erinnerung, Identität und narrativer Traumabewältigung. Sie deutet das Markusevangelium vor dem Hintergrund der gewaltsamen Erfahrungen der frühen christlichen Gemeinschaften, insbesondere des Krieges zwischen Judäa und Rom und der Zerstörung Jerusalems und des Tempels. Die Passionsgeschichte Jesu erscheint dabei als Erzählung, in der sich Erfahrungen von Ohnmacht, Verlassenheit, Gewalt und existenzieller Erschütterung widerspiegeln. Zugleich zeigt der Beitrag, wie das Markusevangelium Wege eröffnet, mit Verlust und Krisenerfahrungen umzugehen, die Beziehung zu Jesus neu zu verstehen und Hoffnung auf einen Neuanfang zu entwickeln. Besonders das offene Ende des Evangeliums wird als Einladung verstanden, die Geschichte Jesu in der eigenen Glaubensgemeinschaft weiterzuführen. Der Artikel verdeutlicht damit, dass biblische Erzählungen sowohl in ihrem historischen Entstehungszusammenhang als auch in ihrer existenziellen Bedeutung für heutige Menschen erschlossen werden können.

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Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe II sowie für leistungsstärkere Lerngruppen der Sekundarstufe I. Es bietet vielfältige Möglichkeiten, die Themen Jesus Christus, Markusevangelium, Passion und Auferstehung, historische Bibelauslegung, christliche Hoffnung, Leid und Gottesfrage sowie Erinnerung, Identität und Krisenbewältigung miteinander zu verbinden. Der Artikel eröffnet einen anspruchsvollen und zugleich existenziell bedeutsamen Zugang zu neutestamentlichen Texten, indem er die historische Entstehung des Markusevangeliums mit der Frage verknüpft, wie Menschen belastende Erfahrungen durch Erzählen, Erinnern und gemeinschaftliche Deutung verarbeiten können. Die Lernenden können erkennen, dass biblische Texte nicht lediglich vergangene Ereignisse beschreiben, sondern Glaubenserfahrungen zur Sprache bringen, die für die Identität religiöser Gemeinschaften von grundlegender Bedeutung sind. Besonders gewinnbringend ist dabei die Verbindung zwischen der historischen Fremdheit der biblischen Welt und den grundlegenden menschlichen Erfahrungen von Angst, Verlust, Hoffnung, Vertrauen und Neubeginn. Das Medium fördert somit sowohl die Fähigkeit zur historisch reflektierten Bibelauslegung als auch die Kompetenz, biblische Texte auf ihre mögliche Bedeutung für gegenwärtige Lebensfragen hin zu befragen.

Als Einstieg in die Unterrichtsarbeit bietet sich die Frage an, weshalb Menschen wichtige Erfahrungen in Geschichten festhalten und an andere weitergeben. Die Lernenden können zunächst darüber nachdenken, welche Bedeutung Erzählungen, Erinnerungen und gemeinsame Geschichten für Familien, Freundeskreise, religiöse Gemeinschaften oder gesellschaftliche Gruppen besitzen. Dabei können beispielsweise Familiengeschichten, Erinnerungsorte, Gedenktage oder überlieferte Erzählungen als Ausgangspunkte dienen. Die Lernenden können untersuchen, weshalb bestimmte Ereignisse immer wieder erzählt werden und wie solche Geschichten dazu beitragen, Zugehörigkeit und Identität zu stiften. Anschließend kann die Frage gestellt werden, ob auch biblische Erzählungen eine vergleichbare Funktion besitzen. Auf diese Weise wird die zentrale These des Artikels vorbereitet, dass neutestamentliche Texte nicht nur historische Informationen vermitteln, sondern Erfahrungen bewahren, deuten und für nachfolgende Generationen zugänglich machen. Eine persönliche Offenlegung belastender Erlebnisse sollte dabei ausdrücklich freiwillig bleiben, da das Medium auch sensible Themen wie Tod, Gewalt und traumatische Erfahrungen berührt.

Für die anschließende Texterschließung empfiehlt sich eine strukturierte Vorgehensweise, bei der die Lernenden zunächst die grundlegenden Aussagen des Artikels herausarbeiten. Aufgrund der theologischen, historischen und kulturwissenschaftlichen Fachsprache kann der Text in thematische Abschnitte gegliedert werden. Einzelne Gruppen können sich mit dem historischen Kontext des Markusevangeliums, der Bedeutung biblischer Texte als Identitätstexte, der Passionsgeschichte als Ausdruck von Krisenerfahrungen, der Rolle von Erinnerung und Erzählung sowie der Bedeutung des Auferstehungsglaubens für Hoffnung und Neubeginn beschäftigen. Die Lernenden können zu jedem Abschnitt zentrale Aussagen formulieren und diese anhand ausgewählter Textstellen erläutern. Die Ergebnisse lassen sich anschließend in einer gemeinsamen Übersicht zusammenführen, die den Zusammenhang zwischen historischen Erfahrungen, erzählerischer Gestaltung und theologischer Deutung verdeutlicht. Besonders wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen historischen Ereignissen, der literarischen Darstellung im Evangelium und den Deutungen, die die Autorin aus kulturwissenschaftlicher Perspektive entwickelt.

Ein zentraler religionspädagogischer Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit der historischen Entstehung und dem besonderen Charakter des Markusevangeliums. Die Lernenden können untersuchen, weshalb die Evangelien nicht einfach als moderne Lebensbeschreibungen Jesu verstanden werden dürfen, sondern als Glaubenszeugnisse, die aus den Erfahrungen und Bedürfnissen früher christlicher Gemeinschaften hervorgegangen sind. Der Artikel betont, dass die neutestamentlichen Texte in unterschiedlichen sozialen, politischen und religiösen Zusammenhängen entstanden und deshalb dieselben grundlegenden Erfahrungen auf verschiedene Weise erzählen können. Hier bietet sich ein Vergleich ausgewählter Parallelstellen aus den Evangelien an. Die Lernenden können beispielsweise unterschiedliche Darstellungen der Passion oder der Osterereignisse miteinander vergleichen und herausarbeiten, welche Schwerpunkte die jeweiligen Evangelisten setzen. Dabei wird deutlich, dass die Unterschiede zwischen den Evangelien nicht lediglich als historische Widersprüche betrachtet werden müssen, sondern auch Hinweise auf unterschiedliche theologische Anliegen und Erfahrungen der jeweiligen Gemeinschaften geben können.

Die im Artikel entwickelte Vorstellung biblischer Texte als Identitätstexte eröffnet einen weiteren didaktischen Zugang. Die Lernenden können untersuchen, weshalb Gemeinschaften bestimmte Geschichten bewahren und welche Bedeutung diese Erzählungen für ihr Selbstverständnis besitzen. Dabei kann die Frage aufgegriffen werden, wie aus individuellen Erfahrungen gemeinsame Erinnerungen entstehen und weshalb diese Erinnerungen für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft wichtig sind. Der Artikel verweist auf die Bedeutung des Erzählens als Möglichkeit, Erfahrungen sprachlich zu gestalten und weiterzugeben. Die Lernenden können diesen Gedanken anhand unterschiedlicher Beispiele aus Geschichte, Literatur und Religion reflektieren. Besonders geeignet ist die Aufgabe, eine bekannte Erzählung aus verschiedenen Perspektiven wiederzugeben und anschließend zu untersuchen, wie sich die Darstellung je nach erzählender Person, angesprochener Gruppe und beabsichtigter Aussage verändert. Dadurch können die Lernenden nachvollziehen, weshalb die historische Einordnung biblischer Texte notwendig ist, um ihre ursprünglichen Aussagen und ihre Bedeutung für die ersten christlichen Gemeinschaften angemessen zu verstehen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verbindung zwischen dem Markusevangelium und den historischen Krisenerfahrungen der frühen Jesusnachfolger. Die Autorin stellt das Evangelium in den Zusammenhang des Krieges zwischen Judäa und Rom in den Jahren 66 bis 70 nach Christus, der Zerstörung Jerusalems und des Tempels sowie des Verlustes religiöser und gesellschaftlicher Orientierung. Die Lernenden können sich zunächst mit den historischen Hintergründen dieser Ereignisse beschäftigen und untersuchen, welche Bedeutung Jerusalem und der Tempel für die jüdische Bevölkerung und die frühen christlichen Gemeinschaften besaßen. Anschließend können sie der Frage nachgehen, weshalb solche tiefgreifenden Erfahrungen von Gewalt, Verlust und gesellschaftlicher Erschütterung zur Bewahrung und Verschriftlichung gemeinsamer Traditionen beitragen können. Dabei sollte deutlich werden, dass die von der Autorin entwickelte Deutung des Markusevangeliums als narrative Traumabewältigung eine wissenschaftliche Interpretationsperspektive darstellt, die historische und literarische Beobachtungen miteinander verbindet. Die Lernenden können untersuchen, welche Argumente für diese Perspektive sprechen und welche Fragen offenbleiben.

Für die vertiefende Bibelarbeit bietet sich eine Untersuchung der Passionsgeschichte nach Markus an. Die Lernenden können ausgewählte Abschnitte aus Markus 14 und 15 lesen und herausarbeiten, wie Jesus angesichts von Verrat, Verhaftung, Verurteilung, Gewalt und Tod dargestellt wird. Besonders geeignet ist die Kreuzigungsszene in Markus 15,33 bis 39, in der die Finsternis, der Verlassenheitsruf Jesu und das Zerreißen des Tempelvorhangs eine zentrale Rolle spielen. Die Lernenden können untersuchen, welche Gefühle und Erfahrungen in diesen Erzählmotiven zum Ausdruck kommen und welche Bedeutung die scheinbare Abwesenheit Gottes besitzt. Dabei kann die Frage aufgegriffen werden, weshalb das Markusevangelium die Erfahrung der Gottesverlassenheit nicht übergeht, sondern ausdrücklich in den Mittelpunkt stellt. Die Lernenden können reflektieren, welche Bedeutung es für den christlichen Glauben besitzt, dass Jesus selbst Leid, Ohnmacht und Verlassenheit erfährt. Hier bietet sich eine Verbindung zur Theodizeefrage an, also zur Frage nach Gott angesichts von Leid und Ungerechtigkeit.

Die Auseinandersetzung mit dem Verlassenheitsruf Jesu eröffnet zugleich eine Verbindung zur alttestamentlichen Tradition. Die Lernenden können Psalm 22 lesen und mit Markus 15,34 vergleichen. Dabei können sie untersuchen, wie Klage, Verzweiflung, Vertrauen und Hoffnung innerhalb biblischer Gebete miteinander verbunden sind. Besonders wichtig ist die Erkenntnis, dass Zweifel, Angst und die Erfahrung göttlicher Ferne innerhalb der biblischen Tradition nicht grundsätzlich als Gegensatz zum Glauben erscheinen, sondern selbst Ausdruck einer Beziehung zu Gott sein können. Die Lernenden können diskutieren, weshalb Menschen in Krisensituationen nach Gott fragen und welche Bedeutung religiöse Sprache für den Umgang mit Erfahrungen besitzt, die sich nur schwer erklären lassen. Dabei sollte der Unterricht einen offenen Raum für unterschiedliche religiöse und nichtreligiöse Positionen bieten. Ziel ist nicht die Vermittlung einer vorgegebenen Antwort auf die Frage nach dem Leid, sondern die Fähigkeit, unterschiedliche Deutungen wahrzunehmen und kritisch zu reflektieren.

Ein weiterer didaktischer Schwerpunkt liegt auf der Bedeutung von Erinnerung und Erzählung für den Umgang mit Verlust und Krisen. Der Artikel beschreibt, dass einschneidende Erfahrungen die Identität von Gemeinschaften verändern und die Weitergabe gemeinsamer Traditionen gefährden können. Die Lernenden können untersuchen, weshalb gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche das Bedürfnis entsteht, wichtige Erfahrungen schriftlich festzuhalten und für kommende Generationen zu bewahren. Hierzu eignen sich Vergleiche mit historischen Erinnerungszeugnissen, Gedenkorten oder literarischen Erzählungen über gesellschaftliche Krisen. Dabei sollte jedoch sorgfältig zwischen unterschiedlichen Formen von Verlust, Trauer und psychischer Traumatisierung unterschieden werden. Das Erzählen und Erinnern kann Menschen bei der Verarbeitung belastender Erfahrungen unterstützen, ersetzt aber keine professionelle psychologische oder therapeutische Begleitung. Im Religionsunterricht sollte deshalb nicht versucht werden, persönliche Traumata der Lernenden aufzudecken oder zu bearbeiten. Vielmehr steht die reflektierende Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Erzählungen, Gemeinschaft und Hoffnung im Vordergrund.

Besonders gewinnbringend ist die Beschäftigung mit der Figur des Joseph von Arimathäa. Die Autorin deutet dessen Handeln als entscheidenden Wendepunkt innerhalb der Passionsgeschichte, da Joseph trotz des Todes Jesu an der Hoffnung auf das Reich Gottes festhält und Verantwortung für den Leichnam Jesu übernimmt. Die Lernenden können Markus 15,42 bis 47 lesen und untersuchen, welche Bedeutung Mut, Treue und Hoffnung in dieser Erzählung besitzen. Dabei kann die Frage gestellt werden, weshalb die Botschaft Jesu nach seinem Tod nicht einfach verschwindet, sondern durch das Handeln anderer Menschen weitergetragen wird. Die Lernenden können herausarbeiten, dass christliche Hoffnung im Markusevangelium nicht als Verdrängung von Leid erscheint, sondern gerade in einer Situation von Verlust und scheinbarem Scheitern sichtbar wird. Diese Perspektive ermöglicht eine vertiefende Reflexion über die Bedeutung von Gemeinschaft, Verantwortung und solidarischem Handeln in schwierigen Lebenssituationen.

Ein besonders geeigneter methodischer Zugang ergibt sich aus dem offenen Ende des Markusevangeliums. Die Lernenden können Markus 16,1 bis 8 zunächst ohne ergänzende Erklärungen lesen und ihre Eindrücke sammeln. Dabei kann die Frage gestellt werden, weshalb das Evangelium in seiner wahrscheinlich ursprünglichen Schlussgestalt mit der Furcht und dem Schweigen der Frauen endet, obwohl die Auferstehung Jesu verkündet wird. Die Lernenden können eigene Erwartungen an eine Auferstehungserzählung formulieren und diese mit der tatsächlichen Darstellung des Markusevangeliums vergleichen. Anschließend können sie untersuchen, welche Bedeutung die Aufforderung besitzt, nach Galiläa zurückzukehren, und weshalb der Text keine ausführliche Begegnung mit dem Auferstandenen schildert. Eine kreative Aufgabe könnte darin bestehen, eine mögliche Fortsetzung der Erzählung zu entwerfen oder einen inneren Monolog einer der Frauen am leeren Grab zu verfassen. In der anschließenden Auswertung sollte jedoch zwischen der biblischen Überlieferung und den eigenen literarischen Ergänzungen unterschieden werden.

Die Deutung der Auferstehung als Auftrag zur Veränderung und Neuausrichtung eröffnet weitere theologische Lernmöglichkeiten. Die Autorin beschreibt, dass die Beziehung der frühen Jesusnachfolger zu Jesus nach seinem Tod nicht einfach in der bisherigen Form fortgesetzt werden konnte, sondern eine neue Gestalt finden musste. Die Lernenden können untersuchen, welche Bedeutung diese Vorstellung für das christliche Verständnis von Auferstehung besitzt und weshalb christliche Hoffnung nicht mit einer einfachen Rückkehr zu früheren Lebensverhältnissen gleichgesetzt werden kann. Dabei kann die Frage aufgegriffen werden, wie Menschen nach einschneidenden Veränderungen neue Perspektiven entwickeln und welche Rolle Glaube, Erinnerung und Gemeinschaft dabei spielen können. Die Lernenden können reflektieren, inwiefern die christliche Auferstehungsbotschaft Hoffnung vermittelt, ohne die Wirklichkeit von Leid und Tod zu verharmlosen. Besonders wichtig ist dabei, die theologische Aussage der Auferstehung von einer rein psychologischen Erklärung zu unterscheiden. Der Artikel bietet eine Deutung der erzählerischen Funktion des Auferstehungsglaubens, ohne damit sämtliche theologischen Fragen nach der Auferstehung Jesu abschließend zu beantworten.

Ein weiterer Schwerpunkt kann auf der Bedeutung von Resilienz und religiösen Bewältigungsressourcen liegen. Die Autorin zeigt, dass das Markusevangelium Möglichkeiten eröffnet, mit Erfahrungen von Ohnmacht und Verlust umzugehen, indem es die gemeinsame Erinnerung an Jesus bewahrt und neue Formen der Beziehung zu ihm beschreibt. Dabei werden insbesondere die Lektüre des Evangeliums, das gemeinsame Mahl, das Gebet und die Nachfolgegemeinschaft hervorgehoben. Die Lernenden können untersuchen, welche Bedeutung solche religiösen Praktiken für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft besitzen und weshalb gemeinsame Rituale in Krisenzeiten Orientierung und Stabilität vermitteln können. Hierzu kann ein Vergleich mit heutigen Formen religiöser und nichtreligiöser Gemeinschaftspraxis erfolgen. Die Lernenden können beispielsweise darüber nachdenken, welche Bedeutung Gedenkfeiern, gemeinschaftliche Rituale, Gespräche oder Orte der Stille für Menschen besitzen. Auf diese Weise wird die Fähigkeit gefördert, religiöse Bewältigungsformen zu verstehen, ohne deren Bedeutung für alle Menschen gleichermaßen vorauszusetzen.

Das Medium eignet sich außerdem hervorragend zur Reflexion über unterschiedliche Methoden der Bibelauslegung. Die Autorin verdeutlicht, dass ein ausschließlich historischer Zugang die existenzielle Bedeutung biblischer Texte aus dem Blick verlieren kann, während eine rein gegenwartsbezogene Deutung Gefahr läuft, die historische Fremdheit und die ursprünglichen Erfahrungen der frühen christlichen Gemeinschaften zu übergehen. Die Lernenden können diese Spannung anhand einer ausgewählten Bibelstelle nachvollziehen, indem sie zunächst ihre unmittelbaren Eindrücke formulieren, anschließend historische Hintergrundinformationen erarbeiten und schließlich ihre ursprüngliche Deutung überprüfen. Besonders geeignet ist hierfür die Kreuzigungsszene oder die Erzählung vom leeren Grab. Die Lernenden können vergleichen, welche neuen Einsichten durch das historische Kontextwissen entstehen und welche Fragen weiterhin offenbleiben. Dabei wird deutlich, dass historisch orientierte Exegese und persönliche Auseinandersetzung mit biblischen Texten keine Gegensätze darstellen müssen, sondern einander ergänzen können.

Für eine vertiefende methodische Gestaltung bietet sich die Arbeit mit unterschiedlichen Perspektiven auf das Markusevangelium an. Die Lernenden können beispielsweise eine Textstelle aus historischer, literarischer, theologischer und existenzieller Perspektive untersuchen. In einer Gruppenarbeit kann jede Gruppe eine dieser Perspektiven übernehmen und ihre Ergebnisse anschließend vorstellen. Die historische Perspektive fragt nach den Entstehungsbedingungen und den Erfahrungen der frühen christlichen Gemeinschaften. Die literarische Perspektive untersucht Erzählstruktur, Figuren, Symbole und sprachliche Gestaltung. Die theologische Perspektive beschäftigt sich mit den Aussagen über Jesus Christus, Gott, Leid und Auferstehung. Die existenzielle Perspektive fragt danach, welche menschlichen Grunderfahrungen im Text zur Sprache kommen und welche Bedeutung diese heute besitzen könnten. Durch den Vergleich der Ergebnisse erkennen die Lernenden, dass biblische Texte unterschiedliche Deutungsebenen eröffnen und ein vertieftes Verständnis häufig erst durch die Verbindung mehrerer Zugänge entsteht.

Auch kreative und gestalterische Verfahren können zur Erschließung des Mediums beitragen. Die Lernenden können eine Bildfolge zur Passionsgeschichte erstellen, zentrale Erzählmotive des Markusevangeliums in einem Schaubild darstellen oder einen fiktiven Brief aus der Perspektive eines Mitglieds einer frühen christlichen Gemeinschaft verfassen. Ebenso kann eine kurze Hörszene gestaltet werden, die die Erfahrungen von Angst, Unsicherheit und Hoffnung am Ende des Markusevangeliums aufgreift. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, eine Ausstellung zum Thema „Erinnerung, Verlust und Hoffnung im Markusevangelium“ zu entwickeln, in der historische Informationen, biblische Texte und theologische Deutungen miteinander verbunden werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die kreativen Aufgaben nicht auf die Darstellung persönlicher Gewalterfahrungen ausgerichtet sind, sondern der reflektierenden Auseinandersetzung mit dem biblischen Text dienen.

Für die Ergebnissicherung eignet sich insbesondere ein argumentativer Schreibauftrag zur Frage „Warum erzählen Menschen von Leid und Hoffnung?“. Die Lernenden können die zentrale These des Artikels zusammenfassen und erläutern, weshalb das Markusevangelium aus der Perspektive der Autorin als Erzählung zur Bewältigung existenzieller Krisen verstanden werden kann. Eine weitere Aufgabe könnte darin bestehen, die Aussage zu beurteilen, dass das Markusevangelium nicht in erster Linie dokumentieren möchte, was geschehen ist, sondern Erfahrungen von Glauben, Verlust und Hoffnung bewahren will. Leistungsstärkere Lernende können die Deutung des Markusevangeliums als narrative Traumabewältigung kritisch prüfen und mit anderen theologischen Interpretationen der Passion und Auferstehung vergleichen. Ebenso bietet sich eine Reflexion über die Frage an, welche Bedeutung das offene Ende des Markusevangeliums für das Verständnis christlicher Nachfolge besitzt.

Aufgrund der anspruchsvollen Fachsprache und der sensiblen Themen empfiehlt sich eine sorgfältige didaktische Reduktion und Differenzierung. Zentrale Begriffe wie Exegese, historischer Kontext, Identitätstext, kollektives Gedächtnis, Passion, Auferstehung, narrative Traumabewältigung und Resilienz sollten vor oder während der Textarbeit erläutert werden. Für jüngere Lerngruppen können ausgewählte Abschnitte gekürzt und durch Leitfragen, Schaubilder oder eine vereinfachte Darstellung der historischen Hintergründe erschlossen werden. Leistungsstärkere Lernende können ergänzend neutestamentliche Originaltexte analysieren und sich mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Deutungen des Markusevangeliums auseinandersetzen. Besonders sinnvoll ist eine Zusammenarbeit mit den Fächern Geschichte, Deutsch und Ethik, da die Verbindung von historischer Kontextualisierung, literarischer Erzählanalyse und ethischer Reflexion ein umfassenderes Verständnis der Thematik ermöglicht. Insgesamt fördert das Medium die biblische Deutungskompetenz, die historische Urteilskompetenz, die religiöse Sprachfähigkeit, die Perspektivenübernahme und die Fähigkeit, existenzielle Fragen im Horizont christlicher Glaubensüberlieferungen zu reflektieren. Es verdeutlicht, dass das Markusevangelium nicht nur von vergangenen Erfahrungen berichtet, sondern als Glaubenszeugnis Fragen nach Leid, Hoffnung, Erinnerung und Neubeginn eröffnet, die Menschen auch in der Gegenwart beschäftigen.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q1 Jesus Christus – das menschgewordene Wort Gottes

Q1.2 Die Auferstehung Jesu: Hoffnung über den Tod hinaus.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/1 Jesus Christus und die Kirche

12.1 / 1. Botschaft und Anspruch Jesu und das Selbstverständnis der frühen Kirche.

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