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3. Marburger Ramadanzelt

vom 11.-13. August 2011 HR

Veröffentlichung:28.9.2011

Das Video berichtet über ein Ramadanzelt der islamischen Gemeinde in Marburg und stellt den muslimischen Fastenmonat Ramadan als religiöse Praxis und zugleich als Anlass für Begegnung vor. Zu Beginn wird erläutert, dass Musliminnen und Muslime während des Ramadan vor Sonnenuntergang auf Essen und Trinken verzichten und Fasten darüber hinaus als bewusste Enthaltsamkeit verstehen. Ein Imam verweist auf eine Koranstelle zum Fastengebot und zur Unterstützung armer Menschen. Im Mittelpunkt des Beitrags steht anschließend das gemeinsame Fastenbrechen nach Sonnenuntergang. Die islamische Gemeinde lädt dazu ausdrücklich Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen ein. Muslime, Christen, Juden und Atheisten kommen im Ramadanzelt zusammen, essen miteinander und erhalten Gelegenheit, Fragen zu stellen und miteinander über Religion und Alltag ins Gespräch zu kommen. Das gemeinsame Essen wird damit zum Zeichen von Gastfreundschaft, Gemeinschaft und Verständigung. Zugleich thematisiert der Beitrag Vorbehalte und fehlendes Wissen über muslimisches Leben. Das Ramadanzelt möchte einen Raum schaffen, in dem Begegnung möglich wird, Vorurteile abgebaut werden und Menschen einander kennenlernen können.

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Für den Religionsunterricht eignet sich das kurze Video besonders als lebensnaher Zugang zu den Themen Ramadan, Fasten, gelebter Islam, religiöse Praxis, interreligiöse Begegnung und Zusammenleben in einer religiös vielfältigen Gesellschaft. Vor dem Anschauen kann das Vorwissen der Lernenden aktiviert werden. Denkbare Impulse sind Fragen wie „Was verbindet ihr mit dem Ramadan?“, „Warum fasten Menschen aus religiösen Gründen?“ oder „Welche Formen des Fastens kennt ihr aus anderen Religionen?“ Die Antworten können gesammelt und nach dem Anschauen erneut betrachtet werden. Dadurch werden vorhandenes Wissen, Vermutungen und mögliche Vorurteile sichtbar, ohne einzelne Lernende zu persönlichen religiösen Aussagen zu verpflichten. Während des Videos können Beobachtungsaufträge verteilt werden. Eine Gruppe achtet auf Aussagen über das Fasten, eine weitere auf das Fastenbrechen und eine dritte auf Begegnung und Gemeinschaft. Anschließend werden die Beobachtungen zusammengetragen. Besonders ergiebig ist die im Beitrag hergestellte Verbindung zwischen religiöser Praxis und gesellschaftlicher Begegnung. Die Lernenden können untersuchen, weshalb die islamische Gemeinde das Fastenbrechen nicht ausschließlich innerhalb der eigenen Gemeinschaft feiert, sondern Menschen anderer Religionen und Menschen ohne religiöse Bindung einlädt. Daran lässt sich die Frage anschließen, ob gemeinsames Essen tatsächlich dazu beitragen kann, Fremdheit und Vorurteile abzubauen. Methodisch bietet sich hierzu ein Schreibgespräch, eine Positionslinie oder ein moderiertes Unterrichtsgespräch an. Ebenso kann der im Video angesprochene Vergleich mit dem Christentum aufgegriffen werden. Lernende können Gemeinsamkeiten und Unterschiede religiösen Fastens untersuchen und dabei herausarbeiten, welche Bedeutung Verzicht, Besinnung, Gemeinschaft, Gebet und soziales Handeln besitzen. Wichtig ist eine differenzierte Sprache. Das Video zeigt konkrete Menschen und eine konkrete islamische Gemeinde. Die dargestellten Erfahrungen sollten deshalb nicht vorschnell als für alle Musliminnen und Muslime gleichermaßen verbindlich verallgemeinert werden. Auch die Formulierung des Beitrags, Fasten sei für Christen schwer vorstellbar und deshalb fremd, eignet sich für eine kritische Medienreflexion, da auch das Christentum Fastentraditionen kennt. Lernende können fragen, welches Bild vom Islam und vom Christentum der Beitrag vermittelt und an welchen Stellen journalistische Vereinfachungen erkennbar werden. Für einen handlungsorientierten Abschluss können die Lernenden ein eigenes Konzept für ein Begegnungsfest entwickeln, zu dem Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen eingeladen werden. Dabei überlegen sie, welche Regeln und Gesprächsformen notwendig sind, damit Menschen respektvoll Fragen stellen, voneinander lernen und Unterschiede aushalten können. Auf diese Weise verbindet das Video religionskundliches Lernen mit interreligiösem Lernen, Perspektivwechsel, Dialogfähigkeit und der Reflexion gesellschaftlicher Vielfalt.


Fragestellungen zum Video mit Antworten


Was bedeutet Fasten während des Ramadan nach Darstellung des Videos? Im Video bedeutet Fasten zunächst, vor Sonnenuntergang nicht zu essen und nicht zu trinken. Zugleich wird betont, dass Fasten mehr als der Verzicht auf Nahrung ist und mit bewusster Enthaltsamkeit verbunden wird.


Welche religiöse Begründung für das Fasten nennt das Video? Der Imam zitiert aus dem Koran und verweist darauf, dass das Fasten vorgeschrieben sei und bereits Menschen vor den Muslimen Formen des Fastens kannten. Außerdem wird erwähnt, dass Menschen, denen das Fasten nur unter größter Schwierigkeit möglich wäre, als Ausgleich einen armen Menschen speisen sollen.


Was ist das Fastenbrechen? Das Fastenbrechen ist im Video das gemeinsame Essen nach Sonnenuntergang. Im Marburger Ramadanzelt wird daraus zugleich eine öffentliche Begegnung, zu der unterschiedliche Menschen eingeladen sind.


Warum stellt die islamische Gemeinde ein Ramadanzelt mitten in Marburg auf? Das Zelt soll einen offenen Ort der Begegnung schaffen. Menschen sollen muslimisches Leben kennenlernen, miteinander essen und Fragen stellen können, die sie sich in anderen Situationen möglicherweise nicht zu stellen trauen.


Wer ist zum gemeinsamen Fastenbrechen eingeladen? Nach dem Beitrag richtet sich die Einladung ausdrücklich nicht nur an Muslime. Genannt werden Muslime, Christen, Juden und Atheisten. Damit wird das gemeinsame Essen als religionsübergreifende Begegnung gestaltet.


Welche Bedeutung besitzt Gemeinschaft im Video? Gemeinschaft gehört zu den zentralen Aussagen des Beitrags. Menschen kommen zusammen, teilen eine Mahlzeit und sprechen miteinander. Eine interviewte Person hebt hervor, dass Gemeinschaft in der Religion besonders betont werde und auch für andere Menschen bereichernd sein könne.


Welche Rolle spielt gemeinsames Essen für die Verständigung? Der Beitrag fasst dies mit dem Gedanken zusammen, dass Essen verbindet. Das gemeinsame Fastenbrechen schafft eine ungezwungene Situation, in der persönliche Begegnungen und Gespräche entstehen können. Fremdheit soll dadurch verringert werden.


Welche Rolle spielen Vorurteile gegenüber dem Islam? Im Video wird angesprochen, dass der Islam häufig negativ wahrgenommen werde und viele Menschen wenig über das alltägliche Leben von Muslimen wüssten. Das Ramadanzelt soll deshalb Begegnungen ermöglichen und Vorurteile abbauen.


Warum sind Fragen für den interreligiösen Dialog wichtig? Eine interviewte Person erklärt, dass Menschen sich teilweise nicht trauen, kritische Fragen zu stellen. Das Ramadanzelt soll eine Atmosphäre schaffen, in der auch solche Fragen offen gestellt und besprochen werden können. Dialog bedeutet damit nicht, Unterschiede auszublenden, sondern respektvoll über sie zu sprechen.


Welche Gemeinsamkeiten zwischen Islam und Christentum deutet das Video an? Der Beitrag stellt fest, dass die vom Imam zitierten Gedanken zum Fasten ähnlich auch in der Bibel stehen könnten. Damit eröffnet das Video einen Vergleich religiöser Fastentraditionen. Es führt diesen Vergleich allerdings nicht ausführlich aus, sodass sich hier eine weiterführende Aufgabe für den Religionsunterricht anbietet.


Welche Aussage verfolgt das Video insgesamt? Das Video zeigt Ramadan nicht nur als religiöse Fastenzeit, sondern als Möglichkeit zur Begegnung. Das Marburger Ramadanzelt steht exemplarisch für die Idee, durch gemeinsames Essen, Fragen und Gespräche Vorurteile abzubauen und Gemeinschaft zwischen Menschen unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Überzeugungen entstehen zu lassen.

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