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Julia Gaschik

Heimat – Flucht – Grenzen

Veröffentlichung:1.1.2016

Das Heft Religionsunterricht heute 03/2016 steht unter dem Schwerpunkt „Flucht und Migration“ und reagiert auf die gesellschaftlich, politisch und ethisch hochbrisante Situation der Jahre um 2015/16. Es richtet sich an Religionslehrkräfte und versteht sich als Orientierungs- und Arbeitshilfe, um das Thema Flucht und Migration im Religionsunterricht sachlich fundiert, theologisch reflektiert und pädagogisch verantwortet zu behandeln. Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass Flucht und Migration keine abstrakten Phänomene sind, sondern konkrete menschliche Schicksale betreffen, die im Licht des christlichen Glaubens nicht gleichgültig lassen dürfen


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Den biblisch-theologischen Grund legt der Beitrag von Eleonore Reuter, der Flucht und Migration als durchgängige Erfahrung der biblischen Überlieferung erschließt. Von Kain über Abraham, das Exodusgeschehen, die babylonische Exilszeit bis hin zur Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten wird deutlich, dass Migration keine Randerscheinung, sondern identitätsstiftende Grunderfahrung des Gottesvolkes ist. Zentral ist dabei der Begriff des ger, des Fremden oder Schutzbürgers, der rechtlos und verletzlich ist und deshalb unter besonderen Schutz gestellt wird. Die Erinnerung an die eigene Fremdheit Israels in Ägypten wird zur ethischen Grundlage der Fremdenliebe: Israel soll den Fremden lieben, weil Gott selbst die Fremden liebt. Zugleich verschweigt die Bibel nicht die Ambivalenz des Fremdenbildes. Neben Geboten der Solidarität finden sich auch Texte der Abgrenzung und Angst. Diese Vielstimmigkeit zwingt dazu, biblische Aussagen nicht selektiv zu instrumentalisieren, sondern im Gesamtzusammenhang zu deuten. Im Neuen Testament wird die Fremdenliebe radikalisiert, indem Christus selbst im Fremden begegnet und die Kirche sich als wanderndes Gottesvolk versteht.

Historisch vertieft Ulrich Herbert das Thema durch einen differenzierten Überblick über die Zuwanderung nach Deutschland seit 1945. Er zeigt, dass Migration kein Ausnahmezustand, sondern ein Strukturmerkmal der deutschen Nachkriegsgeschichte ist. Die Integration von Vertriebenen, die Phase der „Gastarbeiter“, der Wandel von temporärer Arbeitsmigration zu dauerhafter Einwanderung sowie die Asyl- und Aussiedlerbewegungen der 1980er und 1990er Jahre werden als komplexe Prozesse beschrieben, die von politischen Fehlannahmen, gesellschaftlichen Ängsten und massiven Konflikten begleitet waren. Besonders eindrücklich wird herausgearbeitet, wie stark öffentliche Debatten, mediale Kampagnen und politische Rhetorik zur Eskalation fremdenfeindlicher Gewalt beigetragen haben. Der Beitrag liefert damit wichtige historische Tiefenschärfe für aktuelle Diskussionen.

Einen systematisch-ethischen Zugang eröffnet Michelle Becka mit ihrer Analyse des Integrationsbegriffs. Sie zeigt, dass Integration kein einseitiger Anpassungsprozess ist, sondern ein vielschichtiges Geschehen, das rechtliche, soziale, kulturelle und personale Dimensionen umfasst. Integration bedeutet Teilhabe, Anerkennung und wechselseitige Verantwortung und ist nicht mit vollständiger Angleichung oder Aufgabe eigener Identität gleichzusetzen. Diese Differenzierung ist für den Religionsunterricht besonders wichtig, um populistische Vereinfachungen zu vermeiden.

Ergänzt wird dieser Zugang durch Norbert Witschs Glossar zu Flucht und Migration, das zentrale Begriffe des Asyl- und Flüchtlingsrechts erläutert und damit zur Versachlichung öffentlicher Debatten beiträgt. Ulrich Papenkort reflektiert die Bedeutung interkultureller Kompetenz als Bildungsziel und macht deutlich, dass der Umgang mit Fremdheit eine Schlüsselqualifikation moderner Gesellschaften ist. Ein Kunstprojekt mit Flüchtlingen, vorgestellt von Ralf Knoblauch, zeigt exemplarisch, wie ästhetische Praxis Räume des Erinnerns, der Würde und der Begegnung eröffnen kann.

Der Praxisteil des Heftes bietet vielfältige und konkret ausgearbeitete Unterrichtsimpulse. Vorgestellt werden unter anderem methodische Zugänge zur Erfahrung von Fremdheit, Projekte zur Willkommenskultur, Unterrichtssequenzen zu Heimat, Grenzen und ethischen Kriterien in der Flüchtlingsdebatte sowie literarische Zugänge, die existenzielle Dimensionen von Flucht erfahrbar machen. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler zu einer reflektierten, empathischen und verantwortlichen Positionierung zu befähigen, ohne sie moralisch zu überfordern oder politisch zu instrumentalisieren.

Insgesamt versteht sich das Heft als theologisch fundierter, historisch informierter und pädagogisch sensibler Beitrag zur Auseinandersetzung mit einem der zentralen Themen unserer Gegenwart. Für Religionslehrkräfte bietet es Orientierung, Hintergrundwissen und konkrete Hilfen, um Flucht und Migration im Religionsunterricht als Glaubens-, Gewissens- und Gesellschaftsfrage zu erschließen.

Material:

M1 In Flüchtlingen und gewaltsam Vertriebenen Christus aufnehmen

M2 Eine Betrachtung von "Grenzen" aus christlicher Sicht


Medien, die Teil des aufgelisteten Materials sind und in weiteren Kontexten Verwendung finden können.

Max Frisch

11.1.2022

Umfang: Anregung

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.4 Vom Tod zum Leben. Leiden, Kreuz und Auferstehung.

Sekundarstufe II | E2 Gotteswort im Menschenwort – Themen der Bibel und ihre Aneignung

E2.4 Dem Ganzen der Wirklichkeit begegnen – an Gott glauben.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

12.2 / 3. Gesellschaftlich-politische Verantwortung aus christlicher Motivation.

Sekundarstufe II | 13 Der Mensch und seine Zukunft - Die Zukunft der Menschheit

13 / 1. Sterben und Tod, Erlösung und Auferstehung.

Text, Bild

urheberrechtlich geschützt

11.1.2022

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Unterrichtsstunde

Menschen & Welt

Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren ,Kommunizieren und Kooperieren ,Produzieren und Präsentieren

mittel

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