RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Religionspädagogische BeiträgeMariusz Chrostowski

Religionspädagogische Beiträge,

Mariusz Chrostowski

Sprachlich-kulturelle Vielfalt im Religionsunterricht wahrnehmen:

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel plädiert dafür, die Muttersprache (‚Sprache des Herzens') von Schülerinnen und Schülern mit Migrations- oder Fluchthintergrund als entscheidendes Instrument zur Erweiterung religiöser Lehr- und Lernprozesse wahrzunehmen. Anhand einer fachübergreifenden und fachspezifischen Analyse werden Potentiale, praktische Anregungen und Herausforderungen für einen sprachsensiblen Religionsunterricht aufgezeigt.

Products

Der Artikel thematisiert die wachsende sprachlich-kulturelle Vielfalt in deutschen Schulen aufgrund von Migration und Flucht und deren Auswirkungen auf religiöse Bildungsprozesse. Chrostowski argumentiert, dass die Muttersprache (‚Sprache des Herzens') von Lernenden mit Migrations- oder Fluchtgeschichte ein vernachlässigtes Potential darstellt und als Schlüsselressource für den Religionsunterricht dienen sollte. Der Artikel entfaltet diese These in drei aufeinander bezogenen Schritten: Zunächst wird die enge Verbindung zwischen Muttersprache und individuell-subjektiver Religiosität erörtert. Die Muttersprache wird als zentrale Grundlage für die individuelle Aneignung religiöser Sprache, des religiösen Verstehens und der Verwendung symbolischer Formen des Glaubens dargestellt. Im zweiten Schritt analysiert der Autor fachübergreifende Sprachbildungsansätze wie Language Awareness und Scaffolding sowie fachspezifische Curricula für Nordrhein-Westfalen und Bayern. Die Analyse offenbart, dass interkulturelle Bildung zwar als Ziel formuliert wird, die Mehrsprachigkeit der Lernenden und deren Potential zur Bereicherung religiöser Lernprozesse aber implizit bleiben. Im dritten Schritt werden vier Ebenen des Potentials entfaltet: Die kognitive Ebene fördert das metasprachliche Wissen, die affektive Ebene stärkt positive emotionale Einstellungen zur Mehrsprachigkeit, die soziale Ebene begünstigt die Anerkennung sprachlich-kultureller Vielfalt, und die Machtebene ermöglicht kritische Auseinandersetzung mit Sprachmissbrauch. Der praktische Teil skizziert konkrete Unterrichtsvorhaben wie etymologische Analysen religiöser Begriffe, identitätsbezogenes Lernen und kooperatives Lernen mit Wahlmöglichkeiten der Arbeitssprache. Abschließend werden zentrale Herausforderungen identifiziert: mögliche Überforderung von Lernenden und Lehrenden, Sprachbarrieren beim Deutscherwerb, potenzielle ethnische Cliquenbildung und Unsicherheiten der Lehrkräfte. Der Autor plädiert für eine punktuelle, sequenzielle und kontextuelle Integration der muttersprachlichen Heterogenität in einen subjektorientierten Religionsunterricht und fordert die Aktualisierung von Lehrplänen sowie stärkeres Engagement der Scientific Community, der Kirchen und der Politik zur Anerkennung der Ressourcen von Schülerinnen und Schülern mit Migrations- und Fluchtgeschichte.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.