Migration prägt die hebräische Bibel tiefgreifend – nicht nur als historisches Phänomen, sondern als theologisch wirksame Erfahrung. Der Artikel erschließt, wie Zwangsmigrationen (Flucht, Vertreibung, Deportation) die Gottesreflexion und ethischen Traditionen des antiken Israel nachhaltig geprägt haben. Im Zentrum steht ein Paradox: Das alttestamentliche Ideal der generationenübergreifenden Sesshaftigkeit an einem Ort – symbolisiert durch das Konzept, „seine Ruhe zu finden" – steht in scharfem Kontrast zur brutalen Realität von Entwurzelung und prekärer Existenz. Der Autor zeigt, wie biblische Texte diese Spannung reflektieren: Einerseits werden die existenziellen Nöte der Migration in ihrem vollen emotionalen Gewicht dargestellt – das „bebende Herz", die „verzagende Seele" aus Dtn 28 sprechen von Angst und Überlebensunsicherheit. Andererseits entwickelt sich durch Exil und Diaspora eine neue theologische Einsicht: Gott begleitet sein Volk rettend auch in Flucht und Vertreibung, was zur Ausbildung ortsflexibler Identitätsmuster führt. Durch konkrete biblische Miniaturen (Exodus, Rut, Josef, Hagar, die Flucht der Heiligen Familie) werden übergreifende Aspekte von Migration konkretisiert. Fluchtursachen sind vielfältig – Krieg, Hunger, wirtschaftliche Not, aber auch familiäre und politische Konflikte prägen die Narrative. Der Beitrag schließt mit wertvollen Impulsen für eine migrationssensible Bibeldidaktik, warnt aber kritisch davor, biblische Fluchterfahrungen heilsgeschichtlich zu vereinnahmen oder als bloße „Lernchancen des Glaubens" zu instrumentalisieren. Ein Überblick biblischer Fluchtgeschichten rundet den Artikel ab.