Der Artikel setzt mit der weihnachtlichen Grundbehauptung ein, dass mit Jesus Christus etwas Unerhörtes geschehen ist, nämlich dass Gott Mensch wird. Dieses Geschehen ist rätselhaft und erschließt sich nicht unmittelbar, sondern erst im Nachdenken. Die Frage, wer Jesus ist und woher er kommt, führt nach Ansicht des Verfassers nicht nur in die Geschichte Israels, sondern in das Geheimnis Gottes selbst hinein. Weihnachten ist deshalb nicht nur ein Fest der Geburt Jesu, sondern ein Anlass, über Ursprung, Offenbarung und Gottes Nähe zum Menschen nachzudenken.
Ausgehend davon zeigt der Text, wie die neutestamentlichen Evangelien die Herkunft Jesu unterschiedlich deuten. Markus beginnt mit dem öffentlichen Auftreten Jesu und betont, dass Jesus in der Kraft des Heiligen Geistes seinen Weg geht. Matthäus führt die Herkunft Jesu über die Genealogien in die Geschichte Israels zurück und macht deutlich, dass Jesus aus der Erwählungs und Bundesgeschichte Israels hervorgeht. Lukas legt den Akzent auf die Geistempfängnis Jesu und auf die Rolle von Maria und Josef, die sich in Freiheit einer göttlichen Zumutung stellen müssen. Johannes geht noch weiter zurück und spricht vom Logos, vom ewigen Wort Gottes, das schon vor aller Zeit bei Gott ist. So entwickelt der Artikel die Einsicht, dass die Frage nach Jesus notwendig in die Rede vom trinitarischen Gott hineinführt.
Ein zentrales Thema des Artikels ist die Rolle des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist erscheint nicht nur als Kraft, die Jesu Weg begleitet, sondern auch als die Dynamik, in der Gottes Wort die Menschen erreicht. Maria und Josef werden als Menschen beschrieben, die sich einem rätselhaften Wort Gottes aussetzen und darauf antworten müssen. Offenbarung geschieht also nicht mechanisch, sondern verlangt Deutung, Freiheit und Verantwortung. Der Text betont, dass Gottes Wort im Menschenwort geschieht und dass gerade darin die Uneindeutigkeit und zugleich die Größe des Glaubens liegen. Gott spricht den Menschen an, aber er zwingt ihn nicht. So eröffnet Weihnachten einen Raum, in dem menschliche Freiheit auf göttlichen Anspruch antwortet.
Im weiteren Verlauf entfaltet der Artikel die Logos Christologie. Der Verfasser erklärt, dass Jesus im Johannesevangelium als das Wort Gottes verstanden wird, das von Ewigkeit her bei Gott ist und in der Zeit Fleisch wird. Diese Vorstellung ist nach seiner Auffassung grundlegend für die spätere Trinitätstheologie. Denn erst wenn Jesus als wahres Wort Gottes verstanden wird, kann von Gott nicht mehr gesprochen werden, ohne zugleich von Jesus Christus zu sprechen. Daraus ergibt sich der Weg zu einer trinitarischen Rede von Gott, die schließlich in den altkirchlichen Konzilien dogmatisch formuliert wird. Ohne Christologie gibt es nach dem Artikel keine Trinitätstheologie.
Von dort aus wendet sich der Text der Pneumatologie zu, also der theologischen Rede vom Heiligen Geist. Der Heilige Geist wird zunächst als schwer fassbar beschrieben, da er sich begrifflich und bildlich dem Zugriff entzieht. Der Verfasser greift deshalb die alte Deutung auf, den Geist als Atem Gottes zu verstehen. So wie ein gesprochenes Wort beim Menschen den Atem braucht, so wird auch Gottes Wort durch den Atem Gottes hörbar. In diesem Bild stehen Wort und Atem in einer untrennbaren Beziehung. Jesus Christus ist das Wort Gottes, der Heilige Geist ist der Atem, in dem dieses Wort hörbar und wirksam wird. Dadurch gewinnt Weihnachten eine neue trinitätstheologische Tiefenschärfe: In der Menschwerdung des Wortes wird Gottes Stimme in der Zeit vernehmbar.
Zugleich verbindet der Artikel diese trinitätstheologische Deutung mit einer ethischen Perspektive. Der Heilige Geist ist nicht nur der Atem zwischen Vater und Sohn, sondern auch die Kraft der Beziehung zwischen Gott und Mensch und zwischen Menschen untereinander. Der Geist macht das Wort Gottes im Gewissen hörbar und öffnet den Menschen für Verantwortung. Deshalb bedeutet Weihnachten nicht nur die Betrachtung eines vergangenen Geschehens, sondern die Frage, ob Menschen sich heute noch von Gottes Wort ansprechen und in Dienst nehmen lassen. Der Verfasser betont, dass Gottes Wort den Menschen nicht äußerlich bleiben darf, sondern ihn innerlich treffen und zu einem verantwortlichen Leben für andere führen soll.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Gedanken der Erinnerung. Der Heilige Geist wird als jener beschrieben, der an das erinnert, was geschehen ist, und der im Nachhinein die Bedeutung der Geschichte Jesu erschließt. So wie die Jüngerinnen und Jünger den Auferstandenen oft erst im Rückblick erkennen, so wird auch Weihnachten erst durch Erinnerung und Deutung verständlich. Der Geist erschließt die Gegenwart Gottes in der Geschichte Israels, in Jesus Christus, in der Heiligen Schrift und in der Liturgie. Besonders in der Eucharistie wird der Heilige Geist angerufen, damit die Gegenwart Christi für die Glaubenden erschlossen wird. Erinnerung bedeutet deshalb nicht bloß Rückblick, sondern die Vergegenwärtigung dessen, was weiterhin Bedeutung hat.
Am Ende führt der Artikel seine Gedanken in eine existentielle Richtung. Weihnachten bedeutet, dass Gottes Wort auch heute eine Stimme braucht. Offenbarung geschieht durch diejenigen, die sie empfangen. Daraus folgt, dass Christinnen und Christen selbst zu Zeugen werden müssen. Das Kind in der Krippe bleibt nicht bei einer frommen Betrachtung stehen, sondern ruft Menschen in Verantwortung. Der Artikel versteht Weihnachten daher als Fest des sprechenden Gottes, dessen Wort im Heiligen Geist hörbar wird und Menschen dazu bewegt, für andere da zu sein. Die Menschwerdung Gottes verweist so auf die Aufgabe, Gottes Anspruch in der Welt Stimme, Gestalt und Handeln zu verleihen.