Der Lexikonartikel untersucht die geringe Präsenz von schulischen Übergängen in der religionspädagogischen Forschung und Literatur, obwohl die Religionspädagogik dem Thema prinzipiell affin sein sollte. Der Autor identifiziert theoretische Wurzeln in der frühen kirchlichen Sakramentenlehre, in van Genneps ethnologischem Konzept der Übergangsriten als dreiteiliger Prozess und in Eriksons Modell der psychosozialen Entwicklung. Die zeitgenössische, empirisch ausgerichtete Transitionsforschung betrachtet Übergänge als zeitlich begrenzte Phasen, die durch markante Ereignisse ausgelöst werden und sowohl Kontinuität als auch Diskontinuität aufweisen. Schulische Übergänge werden als mehrdimensionale Prozesse mit verschiedenen Akteuren verstanden, die spezifische Anforderungen an Kinder, Familien und Schulinstitutionen stellen. Für Kinder bringen Übergänge Zäsuren wie Institutionswechsel, neue soziale Netze und Entwicklungsaufgaben mit sich, die als kritische Lebensereignisse erfahren werden können. Für Erziehungsverantwortliche beginnt eine Phase der Ablösung und des Status-bewusstseins, während Schulen im Spannungsfeld zwischen Bildungsrecht und faktischer Selektion operieren. Die erfolgreiche Bewältigung von Übergängen wird als Transitionskompetenz des gesamten sozialen Systems verstanden, wobei institutionelle Faktoren oft wichtiger sind als individuelle Leistungen.