Der Artikel kritisiert die unreflektierte Verwendung des Begriffs "muslimische Schülerinnen und Schüler" als hochgradig problematisch. Die Autorinnen argumentieren, dass "muslimisch" keine neutrale Beschreibung darstellt, sondern ein gesellschaftlich umkämpftes Feld von Macht und Fremdmarkierung ist. Historisch geprägt durch die Islamische Revolution (1979), die Rushdie-Affäre (1989) und besonders durch die Terroranschläge vom 11. September 2001, wurde der Islam in deutschen Diskursen zunehmend mit Gewalt und Bedrohung verknüpft. Riem Spielhaus zeigt in ihrer Forschung, dass muslimische Zugehörigkeit häufig nicht durch Selbstverortung entsteht, sondern durch externe Zuschreibung erzeugt wird, was zu einer "Zwangskollektivierung" führt, die innere Vielfalt ignoriert. Julia Franz verdeutlicht, dass sich die biografischen Erfahrungen und sozialen Lagen von als "muslimisch" markierten Jugendlichen erheblich unterscheiden und dass diese Kategorisierung Stereotypen reproduziert. Die zugeschriebene "muslimische Identität" wirkt identitätsprägend und prägt das Handeln von Schülerinnen und Schülern, unabhängig von deren tatsächlichem Glaubensverständnis. Der Artikel unterstreicht, dass eine unkritische Verwendung des Begriffs Machtverhältnisse und Diskriminierungsmechanismen verschleiert. Religionspädagogische Implikationen bestehen darin, Bildungskontexte zu schaffen, die religiöse Vielfalt ernst nehmen, ohne diese zu essentialisieren und ohne Schülerinnen und Schüler auf Identitätskategorien zu reduzieren.