Der Artikel von Bernhard Grümme analysiert Demokratie als Lebensform, eine Perspektive, die über institutionelle und formale Legitimationsverfahren hinausgeht. Lebensformen werden als verfestigte, sozial sichtbare Gestalten menschlichen Miteinanders definiert, die habitualisierte Verhaltensweisen mit normativem Charakter umfassen und der Problemlösung dienen. Sie sind weder streng kodifiziert noch institutionell verbindlich, manifestieren sich aber in konkreten Praktiken, Konventionen und materiellen Ausdrucksformen wie Architektur, Gesetzen und Traditionen. Im Unterschied zur Lebenswelt verschiebt der Lebensformenbegriff den Fokus von theoretischen Weltbildern zur Praxis und erfordert sowohl Partizipation als auch reflexive Distanzierung. Demokratische Lebensformen verankern Demokratie nicht allein in Verfahren, sondern in erfahrungsbasierten lebensweltlichen Praktiken und schaffen damit die Voraussetzung für echte Legitimität. Der Artikel unterscheidet diesen sozialphilosophischen Zugang von politiktheoretischen Konzepten wie Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit, integriert diese aber in einem ganzheitlichen Demokratieverständnis. Demokratie als Lebensform wird als Gesellschaftsform verstanden, die staatliche und gesellschaftliche Bereiche, Politik und Privates nicht in starren Gegensätzen trennt. Nach John Dewey begründet sich Demokratie fundamental in demokratischen Lebensformen, woraus ein normativer Zusammenhang zwischen Demokratie und Erziehung folgt. Die theologische Relevanz liegt in der Plausibilität des Gottesgedankens, die durch Lebensformen vermittelt wird.