Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe und kann in den Themenfeldern Gewissen, Verantwortung, Menschenwürde, Freiheit, Zivilcourage, Kirche im Nationalsozialismus, christliche Ethik, Nachfolge, Menschenrechte und Demokratie eingesetzt werden. Die zahlreichen Biografien und historischen Quellen ermöglichen einen lebensnahen Zugang zum Thema Widerstand und fördern historisches sowie ethisches Lernen gleichermaßen. Die Lernenden erkennen, dass Widerstand gegen Unrecht unterschiedliche Formen annehmen kann und häufig aus religiösen, politischen oder humanitären Überzeugungen erwächst.
Als Einstieg eignet sich die Analyse des Titelbildes oder einzelner historischer Fotografien. Die Lernenden formulieren zunächst eigene Vorstellungen darüber, was Widerstand bedeutet, und vergleichen diese mit den Definitionen und Beispielen des Heftes. Anschließend kann mithilfe der Einführung erarbeitet werden, dass Widerstand nicht erst mit Attentaten beginnt, sondern bereits in der Verweigerung, im Schutz Verfolgter, im mutigen Widerspruch oder in der Bewahrung eigener Überzeugungen sichtbar wird.
Für die Erarbeitungsphase bietet sich ein Gruppenpuzzle an, bei dem unterschiedliche Widerstandsgruppen untersucht werden. Einzelne Gruppen beschäftigen sich beispielsweise mit der Weißen Rose, Georg Elser, Dietrich Bonhoeffer, den Geschwistern Scholl, dem Kreisauer Kreis, der Roten Kapelle, der Edelweißpiraten oder dem militärischen Widerstand des 20. Juli 1944. Dabei analysieren die Lernenden Motive, Ziele, Handlungsmöglichkeiten und persönliche Risiken der Beteiligten. Die Ergebnisse können in Form von Expertenpräsentationen, Zeitstrahlen oder digitalen Lernprodukten zusammengeführt werden.
Aus religionspädagogischer Perspektive eröffnet das Medium vielfältige Anknüpfungspunkte an das christliche Verständnis von Gewissen, Verantwortung und Nachfolge. Die Lernenden setzen sich mit biblischen Beispielen prophetischen Widerstands auseinander und vergleichen diese mit Persönlichkeiten wie Dietrich Bonhoeffer oder den Mitgliedern der Weißen Rose. Ebenso können zentrale ethische Fragen diskutiert werden, etwa wann Widerstand moralisch geboten ist, welche Bedeutung Zivilcourage in einer Demokratie besitzt oder welche Verantwortung jeder Mensch gegenüber Unrecht trägt. Kreative Arbeitsformen wie Rollenspiele, Gerichtsverhandlungen, Tagebucheinträge, Interviews mit historischen Personen oder Debatten über Artikel 20 Absatz 4 des Grundgesetzes fördern Perspektivwechsel, Urteilskompetenz und demokratische Handlungskompetenz. Das Medium verbindet historische Bildung mit religiöser Ethik und unterstützt einen kompetenzorientierten Religionsunterricht, der zur Reflexion über Freiheit, Menschenwürde und gesellschaftliche Verantwortung anregt.
Einführung "Widerstand gegen den Nationalsozialismus"
Material: Grundlegende Einführung in den Begriff Widerstand sowie verschiedene Definitionen und Formen des Widerstands.
Unterricht: Die Lernenden entwickeln zunächst eigene Vorstellungen davon, was Widerstand bedeutet. Anschließend vergleichen sie diese mit den historischen Definitionen und diskutieren die Unterschiede zwischen Nonkonformität, Protest, Opposition und aktivem Widerstand. Daraus kann eine ethische Diskussion über Zivilcourage und Verantwortung in demokratischen Gesellschaften entstehen.
Warnungen vor dem Nationalsozialismus vor 1933
Material: Texte, Fotografien und Biografien von Fritz Gerlich, Kurt Schumacher und Carl von Ossietzky.
Unterricht: Die Lernenden untersuchen, warum Warnungen vor Hitler weitgehend unbeachtet blieben. Sie analysieren Originalzitate, vergleichen politische Positionen und diskutieren die Bedeutung freier Medien und demokratischer Öffentlichkeit für den Schutz der Demokratie.
Widerstand aus der Arbeiterbewegung
Material: Quellen zur SPD, KPD, Gewerkschaften, Otto Wels sowie illegale Widerstandsgruppen.
Unterricht: Die Lernenden analysieren Flugblätter, Reden und Organisationsformen des politischen Widerstands. In Gruppen vergleichen sie Ziele, Handlungsmöglichkeiten und Risiken der verschiedenen Gruppen und erstellen Übersichten oder Zeitstrahlen.
Widerstand aus christlichem Glauben
Material: Beiträge über evangelischen und katholischen Widerstand sowie Persönlichkeiten wie Dietrich Bonhoeffer, Clemens August Graf von Galen und weitere Christinnen und Christen.
Unterricht: Die Lernenden untersuchen, welche Rolle das christliche Gewissen für den Widerstand spielte. Sie vergleichen biblische Prophetengestalten mit Bonhoeffer oder von Galen und diskutieren die Frage, wann Glaube zum Widerstand verpflichtet.
Georg Elser und das Attentat vom 8 November 1939
Material: Biografie, Fotografien und Darstellung der Anschlagsplanung.
Unterricht: Die Lernenden setzen sich mit der Frage auseinander, ob Gewalt zur Verhinderung größeren Unrechts moralisch gerechtfertigt sein kann. Dabei werden unterschiedliche ethische Positionen miteinander verglichen.
Widerstand und Exil
Material: Berichte über politische Emigration und den Widerstand aus dem Ausland.
Unterricht: Die Lernenden analysieren Handlungsmöglichkeiten von Menschen im Exil und diskutieren, welche Bedeutung internationale Solidarität und freie Medien für den Widerstand besitzen.
Rote Kapelle
Material: Biografien, Quellen und Fotografien der Widerstandsgruppe.
Unterricht: Die Lernenden untersuchen Motive, Informationsnetzwerke und Risiken der Gruppe. Anschließend vergleichen sie die Rote Kapelle mit anderen Widerstandsgruppen hinsichtlich ihrer Ziele und Methoden.
Weiße Rose
Material: Flugblätter, Biografien der Geschwister Scholl und weiterer Mitglieder sowie historische Dokumente.
Unterricht: Die Lernenden analysieren die Flugblätter als historische Quellen und untersuchen Sprache, Argumentation und religiöse Bezüge. Anschließend verfassen sie eigene Appelle gegen Unrecht oder entwickeln digitale Informationskampagnen für Demokratie und Menschenrechte.
Jugendlicher Widerstand
Material: Beiträge über Edelweißpiraten, Swing Jugend, Helmuth Hübener und Hanno Günther.
Unterricht: Die Lernenden vergleichen jugendliche Protestformen damals und heute. In Rollenspielen oder Diskussionen reflektieren sie Möglichkeiten und Grenzen jugendlichen Engagements gegen Diskriminierung und Extremismus.
Kreisauer Kreis
Material: Darstellung der Gruppe um Helmuth James von Moltke und ihre Zukunftspläne für Deutschland.
Unterricht: Die Lernenden entwickeln eigene Visionen für eine gerechte Gesellschaft und vergleichen diese mit den Ideen des Kreisauer Kreises. Dabei werden Werte wie Menschenwürde, Demokratie und Frieden thematisiert.
Der Umsturzversuch vom 20 Juli 1944
Material: Biografien von Claus Schenk Graf von Stauffenberg und weiteren Beteiligten sowie Ablauf des Attentats.
Unterricht: Die Lernenden beurteilen die Motive der Beteiligten und diskutieren ethische Fragen zum Tyrannenmord. Eine strukturierte Debatte ermöglicht unterschiedliche moralische Perspektiven.
Widerstand gegen die Judenverfolgung
Material: Beispiele für Hilfeleistungen, Rettungsaktionen und solidarisches Handeln.
Unterricht: Die Lernenden untersuchen Zivilcourage im Alltag und vergleichen historische Beispiele mit heutigen Formen gesellschaftlicher Verantwortung. Dabei wird die Bedeutung individueller Entscheidungen hervorgehoben.
Widerstand von Jüdinnen und Juden
Material: Berichte über Aufstände, Selbstbehauptung und Überlebensstrategien.
Unterricht: Die Lernenden erweitern ihr Verständnis von Widerstand und erkennen, dass auch kultureller, religiöser und alltäglicher Widerstand Ausdruck von Menschenwürde und Selbstbehauptung sein kann.
Widerstand von Sinti und Roma
Material: Historische Darstellungen und Biografien.
Unterricht: Die Lernenden setzen sich mit Ausgrenzung, Rassismus und Minderheitenschutz auseinander und vergleichen historische Diskriminierung mit aktuellen Formen von Antiziganismus.
Widerstand von Häftlingen in Konzentrationslagern
Material: Berichte über Sabotage, Solidarität und Aufstände in Konzentrationslagern.
Unterricht: Die Lernenden reflektieren die Bedeutung von Hoffnung, Solidarität und Menschenwürde selbst unter extremen Bedingungen. Die Quellen eignen sich besonders für Gespräche über Resilienz und ethische Grenzsituationen.
Hilfen für Verfolgte
Material: Beispiele mutiger Hilfeleistungen für Jüdinnen und Juden, Zwangsarbeiter und politisch Verfolgte.
Unterricht: Die Lernenden analysieren konkrete Entscheidungssituationen und entwickeln eigene Handlungsoptionen für Zivilcourage in der Gegenwart.
Wahrnehmung des Widerstands nach 1945
Material: Beiträge zur Erinnerungskultur, zum Remer Prozess, zur juristischen Aufarbeitung und zum öffentlichen Gedenken.
Unterricht: Die Lernenden untersuchen den Wandel der Erinnerungskultur und diskutieren die Bedeutung historischer Verantwortung für Demokratie und Menschenrechte heute. Abschließend kann eine Exkursion zu einer Gedenkstätte oder die Gestaltung eines digitalen Erinnerungsprojekts erfolgen.