Der Artikel von Koschorke und Witten behandelt das globale Christentum als zentrales religionspädagogisches Thema für zeitgenössische Schulen. Die Autoren argumentieren, dass Heranwachsende durch Digitalisierung, Sozialen Medien und medial vermittelte Globalisierungserfahrungen bereits in einem globalen Horizont aufwachsen, während gleichzeitig Migrationsprozesse dazu führen, dass Klassenzimmer zunehmend von Schülerinnen und Schülern mit verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründen geprägt sind. Allerdings ist das Thema globales Christentum im schulischen Religionsunterricht noch nicht angemessen verankert, es fehlen didaktische Perspektiven, die Verflechtungsgeschichten aufzeigen. Die Autoren betonen, dass die Kirchengeschichtsdidaktik hier Potenziale bietet, da das globale Christentum kein modernes Phänomen darstellt. Der historische Überblick demonstriert, dass sich das Christentum bereits im 2. Jahrhundert über den gesamten Mittelmeerraum verbreitete und kontinuierlich in verschiedenen kulturellen Kontexten expandierte. Im Mittelalter entstanden neben der westlichen lateinischen Christenheit bedeutende östliche Zentren, während die ostsyrische Kirche des Ostens vom 13./14. Jahrhundert bis in die Frühe Neuzeit eine beeindruckende globale Reichweite von Syrien bis Ostchina aufwies. Das 16. Jahrhundert markiert eine doppelte Zäsur: die reformatorische Pluralisierung und die iberische Übersee-Expansion mit katholischen Missionsaktivitäten. Heute lebt die Mehrheit der Christinnen und Christen im globalen Süden in Afrika, Lateinamerika und Asien, nicht mehr im Westen. Der Artikel plädiert dafür, diese global-historische Perspektive stärker in der Religionspädagogik zu verankern und damit auch das orthodoxe Christentum angemessen wahrzunehmen.