Der Artikel definiert Geschlechtergerechtigkeit als umfassenden Zugang zu allen Lebensmöglichkeiten ohne Eingrenzung aufgrund des Geschlechts. Zentral ist die Unterscheidung zwischen Sex (biologische Geburtsklassifikation) und Gender (soziale, kulturelle und psychologische Konstruktion), wodurch verdeutlicht wird, dass biologische Differenz keine soziale Ungleichheit rechtfertigt. Das Konzept des Doing Gender von West und Zimmerman zeigt, dass Geschlecht durch alltägliche soziale Interaktionen ständig hergestellt und reproduziert wird und nicht als natürliche Eigenschaft zu verstehen ist. Die Erweiterung zum Doing Difference und zum Konzept der Intersektionalität macht deutlich, dass Geschlecht mit anderen sozialen Kategorien wie Klasse, Rasse, Sexualität und Religion verflochten ist und diese sich gegenseitig beeinflussen. Gender Mainstreaming als politisches Strategiekonzept wurde 1995 auf der UN-Weltfrauenkonferenz in Peking geprägt und verpflichtet zur systematischen Berücksichtigung unterschiedlicher Auswirkungen auf Frauen und Männer bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben. International sind die UN-Frauenrechtskonvention (CEDAW) und die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) maßgebliche Instrumente zur Förderung von Geschlechtergleichstellung. Auf EU-Ebene wurde Gender Mainstreaming 1997 verbindlich festgelegt und wird in zahlreichen strategischen Dokumenten betont. Deutschland hat die Verpflichtung zur Geschlechtergerechtigkeit im Grundgesetz verankert und durch Gesetze wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) konkretisiert. Der Artikel betont, dass die Herstellung von Zweigeschlechtlichkeit ein komplexer Prozess auf struktureller (Systeme, Institutionen, Normen), interaktioneller (Kommunikation, Sprache) und subjektiver Ebene (Identitätsentwicklung) ist. Im Bildungsbereich bedeutet Geschlechtergerechtigkeit, Lernende in ihrer Individualität zu fördern, geschlechtsspezifische Sozialisation kritisch zu reflektieren und Geschlecht als soziale Konstruktion zu verstehen statt als biologische Naturgegebenheit.