Der Artikel analysiert Erinnerungslernen als zentralen Begriff der religionspädagogischen Fachdiskussion mit Schwerpunkt auf die Beschäftigung mit dem Holocaust. Während Erinnerungslernen in der jüdischen Tradition primär religiöse Sozialisation durch Fest- und Feiernarrative bedeutet, ist es in der christlichen Religionspädagogik eng mit Holocaust Education und Erziehung nach Auschwitz verknüpft. Die Autoren argumentieren, dass empirische Forschung angesichts des Verstummens von Zeitzeugen und gesellschaftlicher Transformationen durch Pluralisierung, Globalisierung und Digitalisierung dringend notwendig ist. Sie identifizieren eine Forschungslücke: Während allgemeinpädagogische Holocaust-Education-Studien religiöse Dimensionen kaum berücksichtigen, gibt es in der Religionspädagogik bislang wenige empirische Arbeiten. Der Artikel würdigt besonders die interdisziplinäre Forschungsgruppe "Holocaust Education revisited" an der LMU München, die verschiedene Akteure (Lehrkräfte, Schüler, Zeitzeugen) ins Zentrum stellt. Ein Kernthema empirischer Forschung ist die Balance zwischen notwendiger emotionaler Nähe zu historischen Ereignissen und reflexiver Distanz, um weder Überwältigung noch Distanzierung zu fördern. Die Geschichtsdidaktik trägt dabei mit dem Konzept des Geschichtsbewusstseins bei, das über reine Wissensvermittlung hinausgeht und Gegenwarts- und Zukunftsbezüge einbezieht. Die Arbeiten zeigen, dass Lernprozesse zur NS-Vergangenheit multidimensional sind und emotionale, reflexive sowie orientierungsbezogene Aspekte umfassen.