Bernhard Grümme analysiert in diesem Artikel den Diversity-Begriff, der zunehmend das Paradigma der Pluralisierung in der Religionspädagogik ablöst. Der Autor rekonstruiert das semantische Feld von Diversity und identifiziert zwei unterschiedliche Traditionslinien: Erstens eine betriebswirtschaftliche Linie, die Vielfalt als Ressource für Innovation und Wettbewerbsvorteil betrachtet (Diversity Management), und zweitens eine machtkritische Linie, die in Antidiskriminierungskämpfen und Bürgerrechtsbewegungen verankert ist. Der Diversity-Diskurs vereinigt also sowohl affirmativen Utilitarismus als auch kritische Machtkritik, wobei jeweils kontextuell bestimmt werden muss, welche Bedeutung der Begriff annimmt. Grümme warnt vor der problematischen neoliberalen Logik, die hinter vermeintlich subjektorientierten Ansätzen wirksam werden kann, und fordert eine reflexive Nutzung des Diversity-Konzepts. Der Artikel problematisiert, dass konsistente Kategorien fehlen, um zu bestimmen, welche Ressourcen tatsächlich als Potenziale genutzt werden sollen und welche nicht. Die Herausforderung besteht darin, stereotype Identitätskonstruktionen im Kontext von Inklusion, Gender und Migration zu überwinden, ohne dabei selbst neue Typisierungen zu produzieren. Grümme betont, dass der Diversity-Begriff eine genuine Sensibilität für Organisationsstrukturen und Machtlogiken besitzt und daher einen wichtigen Beitrag zu inklusiven Bildungsprozessen leisten kann, wenn seine kritischen Potenziale gegen neoliberale Vereinnahmung verteidigt werden.