Der Dialogische Religionsunterricht (DRU) ist eine in Hamburg entwickelte Unterrichtspraxis, die religiöses Lernen in heterogenen Schülerschaften mehrperspektivisch und interreligiös gestaltet. Der DRU entstand in den 1990er Jahren als Resultat einer intensiven Kooperation zwischen der Nordelbischen-Lutherischen Kirche, Religionsgemeinschaften, der Universität Hamburg und anderen Akteuren des interreligiösen Dialogs. Historische Voraussetzungen reichen bis in die 1970er Jahre zurück, als Hamburg faktisch nur evangelischen Religionsunterricht anbot, während andere Religionsgemeinschaften sich schulisch nicht engagierten. Die Nordelbische Kirche interpretierte das Recht der Religionsgemeinschaften zur inhaltlichen Verantwortung nicht exklusiv, sondern als Einladung zur gemeinsamen Gestaltung. Der GIR (Gesprächskreis Interreligiöser Religionsunterricht) schafft ab 1995 ein Forum, in dem Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften regelmäßig zusammenarbeiten. Das Selbstverständnis des DRU basiert auf einer Auffassung von Bildung als Bringschuld der Schulen, um Schüler zu handlungs- und verantwortungsfähigen Menschen zu bilden. Religiöse Bildung soll in dieser Perspektive Potenziale religiöser Traditionen für Würde, Gerechtigkeit und Solidarität heben. Der Begriff 'konfessorisch' bezeichnet dabei eine offene Haltung gegenüber Bekenntnissen und dem Ringen um Wahrheit und Orientierung. Der DRU wird bewusst nicht als Modell zur Serienproduktion verstanden, sondern als ein dialogischer Weg mit Prozessorientierung im Vordergrund. Trotzdem beansprucht der DRU als elaborierte Konzeption gemeinsamen religiösen Lernens wahrgenommen und diskutiert zu werden.