Die transnationale Bildungsforschung ist ein Forschungsansatz der Religionspädagogik, der religiöse Erziehung, Bildung und Sozialisation über nationale Grenzen hinweg untersucht. Im Gegensatz zu älterer komparativer Forschung, die Nationen als abgeschlossene Einheiten betrachtete, dekonstruiert die transnationale Perspektive eindimensionale nationale Typologien und fragt nach Handlungsspielräumen von Individuen sowie hybriden Räumen. Der Artikel unterscheidet mehrere Ebenen des Wissenstransfers: interpersonell, gruppenbasiert, intraorganisational, interorganisational und international. Ein Kernkonzept ist der "Dritte Raum" nach Bhabha, der hybride Räume beschreibt, die bei Begegnungen von Menschen aus unterschiedlichen Kontexten entstehen. Medien spielen eine zentrale Rolle als Vermittler und Begegnungsraum; hier untersucht die Forschung Schulbücher, Fachzeitschriften, Bibelübersetzungen und digitale Plattformen. Die transnationale Perspektive gewinnt durch Migration, internationale Mobilität und die Arbeit von nichtstaatlichen Akteuren wie Kirchen an Bedeutung. Der Artikel betont die Notwendigkeit, Transferprozesse und damit verbundene Übersetzungsleistungen sprachlicher und kultureller Art zu analysieren. Diese Forschungsrichtung ermöglicht es, religiöse Bildungsprozesse in ihrer globalen Vernetzung zu verstehen und trägt zu interkultureller und interreligiöser Kompetenzentwicklung bei.