Heutige missionarische Initiativen sind in Deutschland vorrangig von den Ideen der sogenannten Fresh-Expressions-Bewegung beeinflusst, die versucht die Kirche in Form einer Inkulturation für kirchenferne Milieus zu öffnen. Die Grundlage dafür ist die Vorstellung, dass nicht die Kirche Gott den Zugang zu diesen Milieus ermöglicht, sondern sein Tun in diesen Milieus als Zeugengemeinschaft nachvollzieht. Das Problem der Inkulturationsidee ist das Fehlen eines theologischen Konzepts bezüglich des kritischen Verhaltens gegenüber der kirchlichen Tradition. Die Arbeiten Hans Urs von Balthasars und Dominik Finkeldes schaffen hier Abhilfe. Mit ihnen kann das kritische Verlassen der Kirchentradition hin zu Menschen außerhalb dieser als Exzess nachvollzogen werden, der vom Blick auf Jesus Christus motiviert ist. Dieser bedeutet damit nicht nur Festlegung der Kirche auf eine Gestalt, sondern auch deren permanente Kritik. Wer heute aufmerksam im deutschen Sprachraum kirchliche Initiativen zur Mission verfolgt, trifft immer häufiger auf sogenannte „Fresh Expressions of Church“.1 Diese in der Church of England entstandenen missionarischen Projekte etablieren neben historisch gewachsenen kirchlichen Strukturen neue, kirchenfernen Milieus angepasste Angebote. Damit stellen sie oftmals eine praktische wie theoretische Kritik der verfassten Kirche dar. Besondere Attraktivität erreichen sie dabei vor allem dadurch, dass sie mit der sogenannten Missionalen Theologie eine genuine theologische Arbeit vorweisen können. Denker wie Karl Barth, Hans Urs von Balthasar aber auch Eberhard Jüngel haben solchen Projekten theologisch den Weg bereitet und bieten bis heute Möglichkeiten für deren inhaltliche Vertiefung. Eine dringliche Vertiefung ist heutzutage angesichts der Frage nach der Form der neu zu etablierenden kirchlichen Strukturen angebracht: Während sich nämlich die FreshExpressions-Bewegung hier überwiegend in der Inkulturation kirchlichen Tuns versucht, verweisen Barth und andere vor allem auch auf das transformatorische Potential missionarischen Handelns. Der folgende Artikel zeigt auf, dass sich dieses Potential dann entfaltet, wenn man die Mission der Kirche, wie Barth es aufgezeigt hat, als Nachvollzug der göttlichen Mission versteht der auch die Kritik an der Kirche einschließt und im Anschluss an von Balthasar diesen Nachvollzug als Exzess, der von der Begegnung mit Gott in Christus unmittelbar ausgelöst worden ist, expliziert. 1