Die Waldbrände in Amazonien offenbaren ein tiefgreifendes Problem, das nicht allein auf brasilianische Politik zurückzuführen ist. Der Regenwald wird systematisch für den Weltmarkt zerstört – Tropenholz, Aluminium und Sojaanbau für europäische Massentierhaltung, deutsche Großprojekte und Finanzinvestitionen sind direkt daran beteiligt. Die kommende Bischofssynode für Amazonien im Oktober in Rom wird diese wirtschaftlichen Strukturen zwar nicht unmittelbar ändern können, aber sie setzt einen wichtigen Schwerpunkt: Sie macht die indigenen Völker und anderen verarmten Bewohner Amazoniens zu den zentralen Akteuren und rückt ihre Lebensprojekte, Ressourcen und ihre Leidensgeschichte in den Mittelpunkt.
Die Synode antwortet damit auf ein globales „Zeichen der Zeit" – Waldbrände, Klimawandel und Bewegungen wie Fridays for Future deuten auf eine weltweite Krise hin, die innerkirchliche Reformen erforderlich macht. Papst Franziskus ruft die Bischöfe nicht primär zu innerkirchlichen Debatten zusammen, sondern zu einer grundlegenden strukturellen und spirituellen Umkehr, die weltweite Herausforderungen aufgreift.
Die Synode konzentriert sich auf drei Schwerpunkte: eine pastorale Umkehr, die die Kirche selbst reformiert, damit sie ihre prophetische Aufgabe erfüllt; eine ökologische Umkehr, die auf Franziskus' Enzyklika Laudato Si rekurriert und die Schöpfung als lebendigen, vernetzten Organismus versteht; und eine Umkehr zur Synodalität, die nicht nur Bischöfe, sondern alle Getauften sowie auch indigene Völker – unabhängig von ihrer Konfessionszugehörigkeit – in Entscheidungsprozesse einbezieht. Der Konsultationsprozess war beispiellos inklusiv und machte auch Nichtgetaufte zu Stimmen innerhalb der Synode, was eine Erweiterung des synodalen Gedankens auf die ganze Menschheit bedeutet.