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Georg Sauerwein

Kirche in der Klimakrise

Veröffentlichung:1.5.2026

Die Klimakrise ist ein theologisches Zeichen der Zeit und Gerechtigkeitsfrage, die eine "ökologische Umkehr" verlangt – doch während die Klimabewegung prophetisch handelt, bleiben Kirchen bei Erkenntnis stecken und versäumen entscheidende Taten zum Klimaschutz.

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Der Theologe Georg Sauerwein analysiert die Klimakrise und die globale Klimagerechtigkeitsbewegung als zentrale Zeichen der Zeit. Die Klimakrise ist nicht nur ein ökologisches, sondern ein fundamentales Gerechtigkeitsproblem: Sie wird von privilegierten Ländern verursacht, trifft aber am stärksten bereits benachteiligte Menschen. Der UN-Sonderberichterstatter warnt, dass Menschenrechte die kommenden Umwälzungen möglicherweise nicht überstehen könnten. Sauerwein beobachtet, dass viele Aktivisten der Klimabewegung eine tiefgreifende Bewusstseinsveränderung erleben – vergleichbar mit religiösen Bekehrungen – die sie zum Handeln treibt. Dies entspricht dem Konzept der „ökologischen Umkehr", das Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato Si beschreibt. Die Klimabewegung zeigt dabei prophetische Züge: Sie basiert auf wissenschaftlicher Wahrheit, prangert Ungerechtigkeit an und arbeitet gegen kommendes Unheil. Manche Aktivisten riskieren dabei ihr Leben – weltweit werden Umweltschützer ermordet, auch aus den Reihen der Kirchen. Allerdings zeigt sich bei den Kirchen selbst ein grundlegendes Versprechen-Handlungs-Defizit. Nach dem klassischen kirchlichen Dreischritt „Sehen-Urteilen-Handeln" funktionieren die ersten beiden Schritte: Seit den 1990ern haben EKD und DBK die Klimakrise in ihren Dokumenten erkannt und benannt. Doch beim entscheidenden dritten Schritt – dem Handeln – scheitern die Kirchen. Trotz 20 Jahren intensiver inhaltlicher Auseinandersetzung setzen sie keine wirksamen Maßnahmen um und üben keinen Druck auf die Politik aus. Wahre Umkehr zeige sich nur im konkreten Handeln, besonders wenn dieses schwierig ist oder etwas kostet. Die meisten Bistümer und Landeskirchen schrecken sogar vor öffentlichem Divestment (dem Verzicht auf Investitionen in fossile Energieträger) zurück. Bei der Festsetzung konkreter Ziele für Klimaneutralität zeigt sich das Versagen besonders: Die EKD empfiehlt 2050 – ein ohnehin unzureichendes Ziel, das kaum eine Landeskirche verankert hat. Unter den katholischen Bistümern hat bislang nur das Erzbistum Freiburg mit 2030 ein vorbildliches Ziel formuliert.

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8.5.2026

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