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Das Eckige muss ins Runde

Veröffentlichung:1.5.2026

Eine Betroffene von sexualisierter Gewalt in der Kirche verteidigt ihre Doppelrolle als Aktivistin im DBK-Beirat: Sie vereint konfrontative und kooperative Strategien, besteht auf Anonymitätsschutz und fordert gegenseitigen Respekt zwischen Institution und Betroffenenbewegung.

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Anne Schmieder antwortet auf einen Artikel von Pater Mertes zur Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche und problematisiert dessen vereinfachte Unterscheidung zwischen „eckigen" und „runden" Haltungen von Betroffenen. Sie argumentiert, dass diese Kategorien nicht trennscharf sind und dass viele Betroffene – so wie sie selbst – beide Haltungen in sich vereinen. Als Mitglied des Betroffenenbeirates bei der Deutschen Bischofskonferenz betont Schmieder ihr Recht auf Anonymitätsschutz und Selbstbestimmung darüber, wann und wie sie sich öffentlich äußert. Sie weist darauf hin, dass dieses Recht auf Persönlichkeitsschutz nicht aufgegeben wird, sobald man sich politisch engagiert – besonders nicht für Menschen, die durch sexualisierte Gewalt großen Kontrollverlust erlitten haben. Schmieder würdigt Mertes' kritisch-konstruktiven Ansatz und gesteht ein, dass bei der Bildung und Anbindung der Beiräte noch Verbesserungen nötig sind. Einen Wendepunkt erlebte sie bei einem Podium des Ökumenischen Kirchentages, wo Bischof Stephan Ackermann eine fragwürdige Unterscheidung zwischen „aktivistischen" und anderen Betroffenen traf. Diesen „verbalen Betriebsunfall" nutzte Schmieder produktiv: Er stärkte die gegenseitige Solidarität im Beirat und half den Mitgliedern, ihr Selbstverständnis als Aktivistinnen zu schärfen. Sie bekennt sich stolz zu dieser Rolle und definiert sie als Pflicht, „den Finger in die Wunde zu legen". Gleichzeitig betont sie, dass Aktivistinnen auch kooperieren und faire Kommunikation suchen können – die „Quadratur des Kreises" ist ihr Ziel. Abschließend unterstreicht Schmieder Mertes' wichtige Aussage zum gegenseitigen Respekt vor der Tiefe des Grabens zwischen Institution und Betroffenen als Voraussetzung für echte Augenhöhe.

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