Für den Religionsunterricht ist das Medium didaktisch besonders ergiebig, weil es gesellschaftliche Relevanz, religiöse Tiefenschärfe und schülerorientierte Zugänge miteinander verbindet. Die Unterrichtsreihe eignet sich vor allem für Lerngruppen, die bereits erste Erfahrungen mit ethischen Fragestellungen, biblischen Motiven und gesellschaftlichen Konflikten haben. Lehrkräfte können die Reihe gut als Beitrag zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung einsetzen, wobei der spezifische Mehrwert des Religionsunterrichts in der Deutung religiöser Motive und Hoffnungsbilder liegt. Methodisch überzeugt das Medium durch seinen klaren Aufbau mit Anforderungssituation, kooperativen Lernformen, Perspektivwechseln und projektorientiertem Abschluss. Besonders sinnvoll ist es, die Einstiegsmedien behutsam einzuführen, da Bilder und Themen starke emotionale Reaktionen auslösen können. Deshalb sollte der Unterricht von Anfang an Raum für Wahrnehmung, Gespräch und Entlastung bieten. Die Arbeit mit Social Media Motiven, Streetart, Musikvideos, Interviews und kontroversen Protestformen fördert die Lebensweltorientierung und erleichtert den Zugang für Jugendliche. Zugleich verlangt das Thema eine sorgfältige Moderation, damit unterschiedliche Meinungen ausgehalten und reflektiert werden können. Gerade bei kontroversen Fragen zum Klimaaktivismus ist es wichtig, nicht vorschnell zu moralisieren, sondern Urteilsbildung anzubahnen und verschiedene Positionen sichtbar zu machen. Die Reihe bietet hierfür durch Rollenspiele, Podiumsdiskussionen, Gruppenpuzzle und kreative Schreibaufgaben sehr gute Möglichkeiten. Auch binnendifferenziert lässt sich das Material gewinnbringend einsetzen, da Aufgaben in unterschiedlicher Tiefe bearbeitet und Materialien dem Lernstand angepasst werden können. Besonders fruchtbar erscheint die Verbindung von theologischer Reflexion und praktischer Handlungsperspektive. Wenn Schülerinnen und Schüler am Ende eigene Projekte planen, erleben sie, dass religiöse Bildung nicht bei abstrakten Deutungen stehen bleibt, sondern in verantwortliches Handeln münden kann. Damit stärkt das Medium Wahrnehmungskompetenz, Deutungskompetenz, Urteilskompetenz und Handlungskompetenz in einer Weise, die dem Religionsunterricht ein eigenständiges Profil verleiht.
Unterrichtsreihe „Kehrt um!“
Diese Reihe richtet sich an die Klassenstufen 8 bis 10. Die Lernenden beschäftigen sich mit Zukunftsangst, religiös begründetem Protest, Klimaaktivismus, zivilem Ungehorsam, Reich Gottes, Hoffnung und eigenen Handlungsmöglichkeiten.
M 1 Advance Organizer
Die grafische Übersicht dient als Lernlandkarte der gesamten Reihe. Die Lernenden erhalten einen Überblick über die Leitfragen und erkennen, wie Zukunftswahrnehmung, Resignation, Protest, biblische Perspektiven, Hoffnung und Handeln zusammengehören. Im Verlauf der Reihe wird wiederholt auf die Übersicht zurückgegriffen.
M 2 Anforderungssituation
Die Lernenden reagieren auf einen Beitrag einer fiktiven Person. Sie halten schriftlich fest, was sie beim Lesen denken, fühlen und fragen. Diese erste Reaktion bildet den Ausgangspunkt der Reihe und wird am Ende erneut aufgegriffen.
M 3 Fünf Minuten Papier: Wie sehe ich die Zukunft?
Die Lernenden vervollständigen Satzanfänge zu ihrer persönlichen Zukunft und zur Zukunft der Welt. Danach tauschen sie sich mit einer anderen Person aus und vergleichen ihre Einschätzungen. Eine Abstimmung macht sichtbar, ob die Lerngruppe eher optimistisch oder pessimistisch in die Zukunft blickt.
M 4 Wie sehen europäische Jugendliche die Zukunft?
Statistiken und Überschriften aus Jugendstudien werden ausgewertet. Die Lernenden beschreiben Daten, erkennen Entwicklungen und vergleichen die Ergebnisse mit ihrer eigenen Zukunftssicht. Dabei unterscheiden sie zwischen persönlichen Zukunftserwartungen und Erwartungen an die gesellschaftliche Entwicklung.
M 5 Wie sehen europäische Jugendliche die Zukunft?
Die statistischen Erkenntnisse werden weiter ausgewertet und gedeutet. Die Lernenden suchen nach Gründen für die Zukunftssorgen junger Menschen und prüfen, welche Rolle Klimakrise, Krieg, soziale Ungleichheit und wirtschaftliche Unsicherheit spielen.
M 6 Was läuft falsch in der Welt?
Die Lernenden sammeln und ordnen gegenwärtige Krisen und Missstände. Dabei können ökologische, soziale, politische und wirtschaftliche Probleme unterschieden werden. Ziel ist ein differenziertes Bild der Gegenwart, das nicht nur persönliche Sorgen, sondern auch strukturelle Ursachen berücksichtigt.
M 7 Astronaut
Der Blick eines Astronauten auf die Erde eröffnet einen Perspektivwechsel. Die Lernenden betrachten die Erde als gemeinsamen, begrenzten und verletzlichen Lebensraum. Sie formulieren Gedanken zur Verantwortung der Menschheit und zur Bedeutung globaler Zusammenarbeit.
M 8a Warum ändert sich nichts?
Die Lernenden untersuchen eine erste Position zu Resignation, Untätigkeit oder fehlender gesellschaftlicher Veränderung. Sie arbeiten Gründe heraus, weshalb Menschen trotz vorhandenen Wissens nicht handeln.
M 8b Warum ändert sich nichts?
Eine weitere Perspektive ergänzt die Ursachenanalyse. Die Lernenden beschäftigen sich mit Zukunftsangst, Überforderung und dem Gefühl persönlicher Ohnmacht. Sie überlegen, welche Bedingungen Menschen zum Handeln ermutigen könnten.
M 8c Warum ändert sich nichts?
Nun wird besonders die Rolle von Christentum und Kirche untersucht. Die Lernenden fragen, ob religiöse Hoffnung zum Handeln motiviert oder auch als Vertröstung missverstanden werden kann. Die unterschiedlichen Erklärungen aus M 8a, M 8b und M 8c werden verglichen.
M 9 Methode Gruppenpuzzle
Das Material erklärt den Ablauf des Gruppenpuzzles. Die Lernenden arbeiten zunächst als Fachleute zu einer Protestbewegung. Danach bilden sie neue Gruppen und vermitteln einander ihre Ergebnisse. Auf diese Weise übernehmen alle Verantwortung für den gemeinsamen Lernprozess.
M 10a Gruppe 1: Ende Gelände
Die Gruppe informiert sich über Ziele, Aktionsformen und Selbstverständnis von Ende Gelände. Zusätzlich untersucht sie, ob und wie Religion als Begründung für Protest verwendet wird. Die Ergebnisse werden für die spätere Austauschgruppe vorbereitet.
M 10b Gruppe 2: Fridays for Future
Die Lernenden analysieren die Anliegen und Protestformen von Fridays for Future. Sie fragen, weshalb sich junge Menschen engagieren und welche religiösen Motive einzelne Beteiligte nennen. Anschließend bereiten sie eine verständliche Vorstellung ihrer Ergebnisse vor.
M 10c Gruppe 3: Letzte Generation
Die Gruppe beschäftigt sich mit den Zielen und umstrittenen Aktionsformen der Letzten Generation. Sie prüft die Begründungen für Straßenblockaden und andere Aktionen und untersucht religiöse Argumente beteiligter Personen. Dabei werden Zustimmung und Kritik gleichermaßen berücksichtigt.
M 11 Blockade des Tempels? Reinigung der Straße?
Die biblische Erzählung von der Tempelreinigung wird mit heutigen Straßenblockaden verglichen. Die Lernenden untersuchen Anlass, Ziel, Adressaten, Mittel und Wirkung der jeweiligen Protesthandlung. Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden herausgearbeitet, ohne Jesus unmittelbar mit einer heutigen Protestgruppe gleichzusetzen.
M 12 Ziviler Ungehorsam?
Die Lernenden klären den Begriff des zivilen Ungehorsams und prüfen Kriterien für seine mögliche Rechtfertigung. Sie unterscheiden zwischen legalem Protest, Regelverletzung, Gewalt und Gewaltfreiheit. Danach beurteilen sie konkrete Aktionsformen.
M 13 Gruppendiskussion
In einer strukturierten Diskussion vertreten die Lernenden unterschiedliche Positionen zum Klimaaktivismus. Sie verwenden Erkenntnisse aus den vorherigen Materialien, reagieren auf Gegenargumente und begründen ihr Urteil. Abschließend reflektieren sie den Verlauf und die Qualität der Diskussion.
M 14 Hurra die Welt geht unter
Das Lied wird gehört und inhaltlich untersucht. Die Lernenden erschließen das Motiv des Weltuntergangs und fragen, ob der Untergang auch als Beginn einer anderen Gesellschaft dargestellt wird. Sie unterscheiden zwischen Katastrophenvorstellung, Gesellschaftskritik und Zukunftshoffnung.
M 15 Bildimpulse
Bilder eröffnen einen Zugang zu Hoffnung, Neubeginn und Zukunft. Die Lernenden beschreiben ihre Wahrnehmungen, entwickeln Deutungen und verbinden die Bilder mit den bisherigen Fragen der Reihe. Die Impulse bereiten die Beschäftigung mit dem Reich Gottes vor.
M 16 Reich Gottes! Was soll das sein?
Die Lernenden erschließen zentrale Merkmale der Botschaft Jesu vom Reich Gottes. Sie untersuchen das Verhältnis von göttlichem Handeln und menschlicher Verantwortung. Anschließend fragen sie, welche Bedeutung die Reich Gottes Hoffnung für den Umgang mit der Klimakrise besitzen kann.
M 17 „Er stürzt die Mächtigen vom Thron“, das Magnificat
Das Magnificat wird gelesen und auf seine gesellschaftskritischen Aussagen untersucht. Die Lernenden arbeiten heraus, welche Veränderungen Maria besingt und wie Machtverhältnisse umgekehrt werden. Danach diskutieren sie, ob das Gebet Menschen zu Protest und Engagement ermutigen kann.
M 18 Hoffnungslos?
Die Lernenden beschäftigen sich mit Resignation und Hoffnung angesichts der Klimakrise. Sie prüfen, worin christliche Hoffnung besteht und wie sie sich von oberflächlichem Optimismus unterscheidet. Dabei wird gefragt, ob Hoffnung auch dann zum Handeln befähigen kann, wenn ein Erfolg nicht sicher ist.
M 19a Was tun die anderen? Interview 1
Ein Interview mit einer religiös motivierten Person aus dem Klimaaktivismus wird arbeitsteilig gelesen. Die Lernenden halten fest, welche Handlungsformen genannt werden und welche Glaubensüberzeugungen das Engagement tragen.
M 19b Was tun die anderen? Interview 2
Die Lernenden lesen Aussagen junger Menschen aus Fridays for Future und Campus for Future. Sie sammeln Formen des Engagements wie Bildungsarbeit, Veranstaltungen, Demonstrationen und öffentliche Aufklärung. Danach prüfen sie, ob solche Tätigkeiten als heutige Form der Nachfolge Jesu verstanden werden können.
M 19c Was tun die anderen? Interview 3
Das Interview mit dem Jesuitenpater Jörg Alt stellt verschiedene Formen des Klimaaktivismus und des zivilen Ungehorsams vor. Die Lernenden untersuchen seine religiöse und gesellschaftliche Begründung. Anschließend vergleichen sie sein Engagement mit den beiden anderen Interviews.
M 20 Was können wir tun?
Die Lernenden planen ein eigenes soziales oder ökologisches Projekt. Sie bestimmen ein Problem, entwickeln eine Vision, formulieren ein Ziel und legen konkrete Tätigkeiten, Zuständigkeiten, Termine und benötigte Mittel fest. Nach der Durchführung wird das Projekt anhand gemeinsam bestimmter Kriterien ausgewertet.
M 21 Kompetenzsicherungsaufgabe
Zum Abschluss verfassen die Lernenden einen ausführlichen Kommentar zur anfänglichen Anforderungssituation. Sie greifen mindestens vier Leitfragen der Unterrichtsreihe auf und beziehen begründet Stellung. Danach vergleichen sie ihre jetzige Sicht mit ihren Notizen vom Beginn der Reihe und beschreiben mögliche Veränderungen.