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Eulenfisch

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Die Quelle für meine theologische Bildung im Moment ist das Leben

Veröffentlichung:1.1.2016

Der Artikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „Die Quelle für meine theologische Bildung im Moment ist das Leben“ erschienen. Es handelt sich um ein Gespräch mit Bischof Dr. Georg Bätzing. Der Beitrag umfasst etwa 5 Seiten, von Seite 112 bis 116.

Der Artikel behandelt die Frage, welche Bedeutung Religionsunterricht heute in der Schule hat und welche Rolle Kirche in Bildungsprozessen spielen kann. Theologisch geht es um das Verhältnis von Glaube und Wirklichkeit, um die Unterscheidung von Religionsunterricht und Katechese, um die öffentliche Bedeutung von Religion und um die Frage, wie christlicher Glaube in einer pluralen und säkularen Gesellschaft verantwortet werden kann.

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In dem Gespräch blickt Bischof Georg Bätzing zunächst auf eine persönliche Übergangszeit zwischen seinen Aufgaben in Trier und Limburg zurück. Beim Wandern habe er vor allem erlebt, wie der Kopf frei werden könne, wenn der Körper gefordert sei. Diese Erfahrung von Entlastung und Konzentration beschreibt er als wohltuend.

Anschließend spricht er über seine Kindheit und Schulzeit im Westerwald. Er erinnert sich daran, dass er zunächst eine katholische Volksschule besuchte und erst später evangelische Lernende dazukamen. Rückblickend macht er deutlich, wie sehr sich die konfessionellen Verhältnisse seitdem verändert haben. Am Gymnasium erlebte er dann eine stärkere konfessionelle Vielfalt. Besonders prägend war für ihn, dass evangelische Mitschüler großes Interesse an Glaubensfragen zeigten. Die wichtigsten religiösen Gespräche fanden für ihn nicht nur im Unterricht, sondern auch in den Pausen und Freistunden statt. Diese Erfahrungen wirken nach seiner Aussage bis heute fort.

Aus seiner Zeit als Kaplan in Koblenz berichtet Bätzing von seinen Erfahrungen als Religionslehrer an Grundschule und Hauptschule. Er betont, dass diese Arbeit sehr anspruchsvoll gewesen sei und hohe fachliche wie pädagogische Anforderungen gestellt habe. Besonders wichtig sei ihm in der Ausbildung die Elementarisierung theologischer Inhalte gewesen. Theologische Themen müssten so erschlossen werden, dass sie auch für Lernende verständlich und bedeutsam seien, die der Kirche fernstehen. Gerade in der Hauptschule habe er gelernt, wie wichtig gute Vorbereitung, Kollegialität und persönliche Ansprechbarkeit sind. Er beschreibt, dass viele Lernende ihn mit ihren Fragen und Problemen aufsuchten und dass so eine besondere Nähe entstehen konnte.

Im Blick auf die heutige Schule sieht Bätzing deutliche Veränderungen. Schule sei längst nicht mehr nur ein Ort der Wissensvermittlung, sondern ein umfassender Lebensraum. Gleichzeitig werde es immer schwieriger, eine direkte Verbindung zwischen Schulpastoral und Gemeindepastoral herzustellen, weil Schule und Pfarrei jeweils sehr fordernde Systeme seien. Dies empfindet er als Verlust. Umso wichtiger seien gut ausgebildete Religionslehrkräfte, die im Auftrag der Kirche unterrichten. Dem Religionsunterricht weist er weiterhin einen hohen Stellenwert zu. Er beschreibt ihn als einen besonderen Ort innerhalb des Schulsystems, an dem nicht nur Leistung zähle, sondern auch Sinnfragen gestellt werden könnten. Religionsunterricht solle keine Katechese sein, aber junge Menschen geistig in Bewegung bringen und zur Auseinandersetzung mit grundlegenden Lebensfragen anregen.

Bätzing bezeichnet die Schule ausdrücklich als wichtigen kirchlichen Ort. Dort begegne Kirche vielen jungen Menschen unmittelbar und ungefiltert. Deshalb müsse sie diese Chance bewusst nutzen. Auch der Bereich der Erwachsenenbildung wird im Gespräch als wichtiges Feld kirchlichen Handelns beschrieben. Bätzing betont, dass katholische Erwachsenenbildung weit über das eng kirchliche Milieu hinausreichen könne. Ihr Ziel fasst er mit der Formel Bildung für ein gelingendes Leben zusammen. Damit verbunden ist die Aufgabe, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen und neue Formen der Vernetzung und Kooperation zu suchen.

Positiv bewertet er experimentelle Bildungsformate, die an unterschiedlichen Lebenswelten anknüpfen, etwa kulturelle Veranstaltungen oder Gespräche an ungewöhnlichen Orten. Solche Angebote versteht er als sinnvolle Ergänzung kirchlicher Bildungsarbeit. Im Hinblick auf Papst Franziskus hebt Bätzing dessen persönliche Authentizität hervor. Nicht nur einzelne Aussagen, sondern vor allem die Person des Papstes wirke inspirierend, weil sie Glauben glaubwürdig und öffentlich sichtbar mache.

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Überforderung von Lehrkräften. Bätzing beschreibt, dass auf Schule insgesamt ein enormer Erwartungsdruck laste. Oft solle sie Probleme auffangen, die anderswo nicht gelöst würden. Das gelte auch für den Religionsunterricht. Er warnt davor, Lehrkräfte damit zu überlasten, und betont, dass nur Menschen, die nicht dauerhaft überfordert seien, gute pädagogische Arbeit leisten könnten. Deshalb brauche es Ermutigung, realistische Erwartungen und gegenseitige Unterstützung.

Ausführlich geht das Gespräch auch auf die gesellschaftliche Kritik an Religion in der Schule ein. Bätzing widerspricht der Auffassung, Religion sei reine Privatsache und habe im öffentlichen Raum nichts zu suchen. Christlicher Glaube sei zwar persönlich, aber nicht privat. Zum Glauben gehöre von Anfang an öffentliches Zeugnis. Zugleich lehnt er jede Form religiösen Missbrauchs und Fundamentalismus entschieden ab. Gewalt und Instrumentalisierung seien nicht Ausdruck echten Glaubens. Vor diesem Hintergrund unterstützt er auch die Integration islamischen Religionsunterrichts in das staatliche Schulwesen. Darin sieht er einen wichtigen Schritt zur öffentlichen Anerkennung religiöser Bildung, auch wenn mit Blick auf Partner, Lehrpläne und Strukturen noch viele Fragen zu klären seien.

Für die Zukunft wünscht sich Bätzing vor allem, dass sich weiterhin junge Menschen für den Beruf der Religionslehrkraft begeistern. Er sieht darin eine der entscheidenden Herausforderungen der kommenden Jahre. Der Religionsunterricht solle auch in Zukunft seinen Platz im Bildungssystem behalten und von engagierten Pädagoginnen und Pädagogen getragen werden.

Am Ende des Gesprächs reagiert Bätzing auf ein Zitat von Hans Urs von Balthasar, wonach Theologie realistisch sein müsse und von der Wirklichkeit ausgehe. Dem stimmt er ausdrücklich zu. Sehr persönlich beschreibt er, dass seine theologische Bildung heute weniger aus theologischen Fachbüchern komme als aus dem Leben selbst, aus Literatur, Kultur und konkreten Erfahrungen. Die Wirklichkeit stelle die Fragen, auf die Theologie antworten müsse. Darin sieht er eine zeitgemäße und lebensnahe Form theologischen Denkens.

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