Der Religionsunterricht der Sekundarstufe steht vor einem bekannten Problem: Schülerinnen und Schüler begegnen christologischen Inhalten, insbesondere der Erlösungsbedeutung des Kreuzes, mit Unverständnis oder Ablehnung. „Das ginge auch ohne Jesus" – dieses Schülerzitat fasst zusammen, woran es in der religiösen Bildung mangelt: eine tragfähige, individuelle Konzeptbildung zur Christologie, die Wissen mit eigenen Wirklichkeitsvorstellungen verbindet.
Der vorliegende Artikel argumentiert für einen neuen Zugang: Die Grundschule muss eine zentrale Rolle spielen, indem sie ein narratives Wissensfeld zu Jesus Christus aufbaut, das mit domänenspezifischen kognitiven Strukturen verknüpft ist. Der Autor analysiert, warum die Jesus-Geschichten, die Grundschüler erwerben, in der Sekundarstufe ihre Relevanz verlieren – weil sie nicht in ein christologisch-soteriologisches Deutungskonzept eingeordnet werden. Durch empirische Beispiele und eine Analyse religionspädagogischer Forschung (Albrecht, Pemsel-Maier, Kraft & Roose, Schambeck) wird deutlich: Jugendlichen fehlen vernetzte Denkstrukturen, auf die sie für eine theologisch tiefere Auseinandersetzung zurückgreifen können. Die zentrale These lautet, dass christologisches Denken in der Grundschule dann zu anschlussfähigen Konzepten führt, wenn narratives Material durch Reflexion und Systematisierung vernetzt wird. Dies schafft die kognitiven Voraussetzungen für die abstraktere Arbeit in der Sekundarstufe und adressiert damit eine fundamentale Schnittstelle in der religiösen Bildung, deren bisheriges Funktionieren fragwürdig geworden ist.