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Martin RothgangelTheoWebMichael Wermke

Martin Rothgangel,

TheoWeb,

Michael Wermke

Einführung in den Thementeil

Veröffentlichung:1.5.2026

Antisemitismus ist zurück – und Religionspädagogen müssen sich selbstkritisch fragen, ob ihre eigenen Vorurteile in den Lehrplänen stecken. Ein Themenheft sucht international nach Antworten, wie religiöse Bildung zur Prävention beitragen kann.

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Der Antisemitismus ist zurück – nicht als randständiges Phänomen, sondern als Herausforderung, die sich durch alle Schichten der Gesellschaft zieht. Körperliche Attacken auf Juden in deutschen Straßen, Messerattacken auf Holocaust-Überlebende in Wien: Diese aktuellen Vorfälle stellen Religionspädagoginnen und -pädagogen vor unbequeme Fragen. Jahrzehntelang hatte man gehofft, dass intensive Auseinandersetzung mit dem Holocaust im Religionsunterricht das Problem lösen würde. Doch die Renaissance des Antisemitismus zeigt: Eine bloße öffentliche Distanzierung vom Nationalsozialismus reicht nicht aus, um menschenfeindliche Verachtung, Antisemitismus und Rassismus einzudämmen. Besonders problematisch ist die weit verbreitete Deutung, wonach der gegenwärtige Antisemitismus primär ein Importprodukt muslimischer Zuwanderung seit 2015 sei. Diese Erklärung übersieht zwei kritische Punkte: Sie ignoriert, dass es sich vielmehr um einen Re-Import westlicher Antisemitismusvorstellungen handelt, und sie blendet aus, dass der latente Antisemitismus in westlichen Gesellschaften selbst israelfeindliche Haltungen bestärkt. Religionspädagogen müssen sich daher selbstkritisch fragen, ob sie Antisemitismus nicht vorrangig als Problem der „Anderen" – der Kirche in der NS-Zeit, der „Ewig-Gestrigen", der Intoleranten – betrachtet haben, statt ihre eigenen unbewussten Haltungen und deren Auswirkungen auf Lehrpläne und Unterrichtspraxis zu hinterfragen. Das vorliegende Themenheft unternimmt einen umfassenden Neuanlauf. Seine Beiträge zeigen überzeugend, dass Antisemitismus kein isoliertes Phänomen bestimmter Randgruppen ist, sondern ein vielschichtiges Merkmal jeder Gesamtgesellschaft – nur in unterschiedlichen Gestaltungsformen. Die Analyse kann daher nur interdisziplinär gelingen. Das Heft vereint judaistische, theologische, historische und medienwissenschaftliche Perspektiven. Es dokumentiert internationale Forschungsprojekte zu Antisemitismus-Prävention im Religionsunterricht, untersucht die Rolle von Zeitzeugeninterviews im Klassenzimmer, analysiert Lehrpläne und Schulbücher in mehreren Ländern und beleuchtet auch die theologischen Wurzeln antisemitischer Stereotype im christlichen und islamischen Kontext. So entsteht ein differenziertes, selbstkritisches Bild: Antisemitismus ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für die religiöse Bildung einen besonderen Verantwortungsauftrag trägt.

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