Die Protestbewegung „Letzte Generation" spaltet die Gesellschaft: Während sie mit Straßenblockaden und zivilen Ungehorsamsaktionen öffentliche Aufmerksamkeit erregt, reagiert die Bevölkerung häufig mit Aggression und Ablehnung. Doch worum geht es den Aktivist:innen wirklich? Dieser Artikel untersucht erstmals systematisch die persönlichen Motive der sogenannten „Wildbienen" – jener Protestierenden, die körperliche und rechtliche Konsequenzen in Kauf nehmen. Die Analyse basiert auf einer qualitativen Untersuchung von 43 Selbstdarstellungen auf Instagram, in denen einzelne Aktivist:innen ihre Handlungen öffentlich begründen. Die Ergebnisse offenbaren überraschend, dass die konkreten Forderungen der Gruppe (Tempolimit, 9-Euro-Ticket, Gesellschaftsrat) in den persönlichen Statements kaum eine Rolle spielen. Stattdessen werden sieben grundlegende Anfragen an die Gesellschaft identifiziert: das Legalitätsprinzip der Justiz, mangelnde Sorge um kollektive Gesundheit, politische Kompromisse als unzureichend, die Folgenlosigkeit individuellen Handelns, systemische Trägheit angesichts der Klimakatastrophe sowie Orientierungslosigkeit in Politik und Gesellschaft. Die „Wildbienen" positionieren sich gegen diese Zustände mit sieben Gegenstrategien. Der Artikel reflektiert kritisch, was diese Anfragen für unser Verständnis von Protest bedeuten und wie eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit legitimen Fragen statt mit Ablehnung aussehen könnte. Damit eröffnet sich eine neue Perspektive: Die aggressive Reaktion der Öffentlichkeit könnte als Abwehrmechanismus gegen tiefgreifende Infragestellungen unserer Ordnung verstanden werden.