Die Frage nach religiöser Positionierung durchzieht die Religionspädagogik seit ihren Anfängen – doch wie sie sich zur Lebenswirklichkeit heutiger Lernender verhält, bleibt komplex. Diese Dokumentation einer Kooperationstagung der Gesellschaft für wissenschaftliche Religionspädagogik und des Arbeitskreises Gemeindepädagogik (September 2022 in Erfurt) nähert sich dem Thema mehrperspektivisch an. Der Band versammelt Beiträge, die religionsphilosophische, empirische, machttheoretische und praktisch-professionstheoretische Zugänge verbinden. Ausgangspunkt ist eine grundlegende Spannung: Während der Religionsunterricht konzeptionell darauf zielt, dass Schüler:innen zu eigenständigen religiösen Positionen gelangen, zeigen empirische Befunde, dass Lernende wie Lehrende eher zur positionellen Zurückhaltung neigen. Der Band fragt, wie Positionierungsprozesse tatsächlich funktionieren, welche Kontextbedingungen sie prägen, und wie mit den Grenzen eigenverantwortlicher religiöser Entscheidung umzugehen ist. Ein konvergierendes Moment der verschiedenen Artikel ist das Bewusstsein von inneren und äußeren Grenzen: Der Andere darf in seiner Fremdheit nicht vereinnahmt werden; Positionierung vollzieht sich als Perspektiverweiterung; zugleich gilt es, die eigene epistemische und didaktische Begrenztheit anzuerkennen. Die Beiträge zeigen, wie religiöse Pluralität, hybride Glaubensformen und gesellschaftliche Krisen neue Anforderungen an Religionspädagogik stellen – und welche Ressourcen historische Debatten, aktuelle Forschung und differenzierte Analysen für diese Herausforderung bieten.