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Mirjam ZimmermannTheoWeb

Mirjam Zimmermann,

TheoWeb

Fluchtursache, Negativfolie, Orientierungsrahmen, Identitätsanker? – „Religion“ in Kinder- und Jugendbüchern zum Thema Flucht

Veröffentlichung:1.5.2026

Warum sprechen religionspädagogische Unterrichtseinheiten zu Fluchtliteratur kaum über Religion? Ein Überblick über die Bedeutung von Glaube, Gebet und religiöser Identität in den Fluchterfahrungen, die Kinder- und Jugendliteratur erzählt – und neue Wege für den Religionsunterricht.

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Religion im Kontext von Flucht und Migration ist nicht nur ein sozialwissenschaftliches Phänomen – es ist auch ein zentrales Thema in der zeitgenössischen Kinder- und Jugendliteratur. Der Beitrag untersucht systematisch, wie aktuelle Kinder- und Jugendbücher zum Thema Flucht Religion darstellen und welche Funktionen ihr dabei zukommen. Dabei zeigt sich: Für geflüchtete Menschen spielen religiöse Bezüge eine deutlich wichtigere Rolle als für ihre deutschen Altersgenossen. Sie dienen nicht nur als Orientierungsrahmen in existentieller Unsicherheit, sondern auch als Identitätsanker, Ressource zur Traumabewältigung und Zugang zu transnationalen Solidaritätsnetzwerken. Gleichzeitig kann Religion Fluchtursache sein, wird im Asylverfahren strategisch eingesetzt und kann zu Konflikten in neuen Lebensumfeldern führen. Die Forschungsübersicht unterscheidet idealtypisch vier Bereiche: Religion als Fluchtursache, in der Fluchterfahrung, im Asylverfahren und im Integrationsprozess. Überraschenderweise thematisieren religionspädagogische Unterrichtseinheiten zu Fluchtliteratur diese religiösen Dimensionen oft nur marginal – obwohl Kinder- und Jugendbücher hier großes Potenzial bieten. Der Artikel plädiert dafür, solche Literatur systematisch nach ihrer Darstellung von Religion zu untersuchen: Welche religiösen Inhalte und Aspekte werden sichtbar? In welcher Funktion treten sie auf? Welche didaktischen Möglichkeiten ergeben sich für Religionsunterricht, Konfirmandenarbeit und andere religionspädagogische Lernorte? Die Analyse verspricht, einen blinden Fleck der gegenwärtigen Religionsdidaktik zu erhellen und Lehrenden Werkzeuge an die Hand zu geben, um Perspektivübernahme, interkulturelle Sensibilität und Erfahrungserweiterung zu fördern.

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