Wie unterscheiden sich religiöse Orientierungen junger Christinnen und Muslime in Deutschland? Der vorliegende Beitrag beantwortet diese Frage auf Basis einer quantitativen Fragebogenbefragung von 1090 jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren mit und ohne Migrationshintergrund. Die Studie folgt dabei einem mehrdimensionalen Religionsverständnis, das Religion nicht allein über Gemeindezugehörigkeit oder rituelle Praktiken erfasst, sondern als ein vielschichtiges Phänomen begreift: Sie untersucht religiöse Erfahrungen, Überzeugungen, intellektuelle Beschäftigung mit Glaubensfragen, religiöse Alltagspraxis und die Konsequenzen religiöser Orientierungen für die konkrete Lebensführung. Dieser Zugang geht auf Glock (1969) zurück und wird im sogenannten Religionsmonitor angewendet – ein international anerkanntes Instrument, das auch islamische Religiosität angemessen abzubilden vermag. Die Analyse berücksichtigt nicht nur demografische Faktoren und den Migrationshintergrund, sondern legt besonderen Fokus auf die Rolle interreligiöser Freundschaften sowie sozioökonomischer und -kultureller Lebenslagen. Der Beitrag zeigt, dass neben der religiösen Zugehörigkeit selbst Faktoren wie das Geschlecht, der elterliche Bildungshintergrund und die Zuwanderungsgeschichte Einfluss auf religiöse Orientierungen ausüben. Damit trägt die Studie zu einem differenzierten Verständnis religiöser Pluralität in der jungen deutschen Gesellschaft bei und eröffnet Perspektiven für religionspädagogische Praxis und Forschung.