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TheoWebZrinka Štimac

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Zrinka Štimac

Das religiöse Feld und seine Schulbücher am Beispiel Bosnien Herzegowinas und muslimischer Unterrichtswerke

Veröffentlichung:1.5.2026

Wer Schulbücher macht, bestimmt nicht nur Inhalte, sondern auch die Mentalität der nächsten Generation. Am Beispiel Bosnien-Herzegowinas zeigt sich ein Konflikt: Die Islamische Gemeinschaft hat Monopol auf Religionsbücher, genießt aber wenig Glaubwürdigkeit – während andere Akteure das religiöse Feld dominieren.

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Schulbücher sind weit mehr als Wissensvermittler – sie transportieren implizit einen Habitus, der das zukünftige Denken und Handeln von Schülerinnen und Schülern prägt. Diese zentrale These untersucht der vorliegende Artikel am Beispiel Bosnien-Herzegowinas, einem Land, das von tiefgreifenden religiösen und ethnischen Konflikten geprägt ist. Die Forschung verbindet eine feldtheoretische Perspektive nach Pierre Bourdieu mit einer praxeologischen Habitusanalyse und fragt danach, wie die soziale Position von Schulbuchproduzenten im religiösen Feld deren inhaltliche Entscheidungen beeinflusst. Methodisch wird zunächst das religiöse Feld Bosnien-Herzegowinas durch eine empirische Erhebung (random house survey, N=500) rekonstruiert. Die Analyse identifiziert vier zentrale Akteurcluster: faith-based organisations, diakonische Organisationen, historische Religionsgemeinschaften und den Interreligiösen Rat. Ein zentrales Ergebnis zeigt sich darin, dass der Interreligiöse Rat – als einflussreichste Kraft – den „nomos" des Feldes bestimmt und damit eine interreligiös orientierte Sichtweise prägt. Gleichzeitig gehören die konfessionellen Schulbuchproduzenten, insbesondere die Islamische Religionsgemeinschaft, zu den weniger glaubwürdigen Akteuren im Feld. Diese Diskrepanz wird zum zentralen Erkenntnisgegenstand: Während die Islamische Gemeinschaft ein faktisches Monopol auf die Produktion islamischer Schulbücher hat, verfügt sie über geringe Glaubwürdigkeit im religiösen Feld – besonders im Vergleich zu Akteuren mit stärker interreligiöser Ausrichtung. Alternative islamische Positionen, etwa aus der Fakultät für Islamstudien in Sarajevo oder von Frauenorganisationen wie Kewser, finden in den offiziellen Lehrwerken keine Berücksichtigung. Die Analyse fragt nun: Spiegeln die Schulbuchinhalte, insbesondere zur Thematisierung von Krieg und Frieden, diese strukturelle Spannung wider? Welchen zukünftigen Habitus vermitteln sie? Und lässt sich eine Diskrepanz zwischen dem durch Schulbücher intendierten Habitus und dem dominanten nomos des religiösen Feldes nachweisen? Der Artikel verbindet damit Schulbuchforschung mit Feldtheorie und leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis, wie institutionelle Machtverhältnisse in religionspädagogischen Materialien sedimentiert werden und welche gesellschaftlichen Folgen dies hat.

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