Seit der Reformdekade um 1968 gilt ‚Ideologiekritik‘ als religionspädagogischer Strukturbegriff. Selbst wenn von einer durchgehenden, aber dünnen Tradition der Ideologiekritik im Religionsunterricht gesprochen werden kann, hat deren konzeptionelle Bedeutung seit Mitte der 70er-Jahre nachgelassen. Ausgehend von berechtigter Kritik versuchen wir den Begriff ‚Ideologiekritik‘ als religionsdidaktisches Lernprinzip neu zu denken. Exemplarisch veranschaulichen wir diese Überlegungen für den Religionsunterricht anhand des kommunikationswissenschaftlichen Ansatzes der Framing-Analyse. Mit ihrer Hilfe können im Religionsunterricht mediale Diskurse über Religion, z.B. die sogenannte ‚Kopftuchdebatte‘, ideologiekritisch untersucht werden. utilizing the communication-theoretical approach of ‚frame analysis‘ for religious education in schools. By means of this method media discourses on religion, e.g. the so-called ‚headscarf debate‘, may be examined ideology-critically. Keywords: Critique of ideology – frame analysis – headscarf debate – interreligious learning – 1968 and religious education – religious and civic education – political religious education – problem-oriented religious education Jan-Hendrik Herbst / Andreas Menne: Ideologiekritik im Religionsunterricht? Wiederbelebungsversuch eines religionsdidaktischen Lernprinzips • 91 ÖRF 27 (2019) 1, 89–105 • DOI: 10.25364/10.27:2019.1.7 !"#"$%& ’()&$%$()*+1 Seine Erinnerungen an einen ideologiekritischen Religionsunterricht zu Beginn der 1970er Jahre beschreibt der Religionspädagoge Thomas Klie als äußerst problematisch. An seinen Beispielen macht er deutlich: Die Ideologiekritik dieser Zeit beschränkt sich in seiner Wahrnehmung auf pauschale Gesellschaftskritik. Ambivalenzen oder gar komplexere soziale Zusammenhänge haben in einem solchen Unterricht keinen Platz. Die Verhältnisse sind grundsätzlich falsch und die Kritik ist absolut. Ob es sich dabei um ein partikulares Erlebnis oder um die „formative 2 Erfahrung“ einer ganzen Generation von ReligionspädagogInnen handelt, die auch die religionsdidaktische Konzeptentwicklung nicht unberührt ließ, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden.