Das Interview führt Ulrich Kropač mit Wolfgang Nastainczyk, einem der Berater der Würzburger Synode (1971–1975), anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Synodenbeschlusses „Der Religionsunterricht in der Schule". Nastainczyk zieht eine positive Bilanz: Der Beschluss habe eine „greifbare, nachweisliche Wirkungsgeschichte" entfaltet und das Selbstverständnis des deutschen Religionsunterrichts bis heute geprägt. Als historischen Kontext beschreibt Nastainczyk die kirchliche Aufbruchsstimmung der 1970er-Jahre, die jedoch von erheblichen Verunsicherungen begleitet war – besonders durch die 68er-Bewegung, Abmeldewellen vom Religionsunterricht und linke Forderungen nach Abschaffung des Faches. Genau dieser externe Druck sei eine wesentliche Triebfeder gewesen, den schulischen Religionsunterricht konzeptionell neu zu bestimmen. Zur Entstehungsgeschichte betont Nastainczyk den kollaborativen, ergebnisoffenen Charakter des Prozesses: Die Texte entstanden aus lebendigen Diskussionen in ad hoc gebildeten Untergruppen, als intellektueller Spiritus Rector gilt Günter Lange. Inhaltlich hebt das Gespräch die konvergenztheoretische Begründung sowie den diakonischen Aspekt als besondere konzeptionelle Leistungen hervor. Nastainczyk konstatiert eine bis heute bestehende Spannung zwischen der katechetisch orientierten Sichtweise des kirchlichen Lehramts und dem schulpädagogischen Wirklichkeitssinn des Synodenbeschlusses.