RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
BR Alpha

BR Alpha

Der Teufel hat viele Namen

Veröffentlichung:1.1.2013

Die Menschen immer wieder versucht, das Böse zu erklären. Vorstellungen von Teufel existieren auch in nahezu allen Religionen Die Bibel stellt Jesus und den Versucher dar.

Das Medium „Der Teufel hat viele Namen. Der Mythos vom Bösen“ von Ulrich Bracht ist ein Beitrag von radioWissen des Bayerischen Rundfunks für den Religionsunterricht. Ausgangspunkt ist die grundlegende menschliche Frage nach der Existenz und Herkunft des Bösen. Das Medium zeigt, dass Vorstellungen von einer Personifizierung des Bösen in zahlreichen Religionen vorkommen und verfolgt insbesondere die Entwicklung der Gestalt Satans in der jüdischen und christlichen Tradition. Im Alten Testament erscheint Satan als Widersacher, dessen Macht Gott untergeordnet bleibt. In frühjüdischen Vorstellungen entwickelt sich stärker das Bild eines gefallenen Engels und Verführers. Im Neuen Testament begegnet der Teufel unter anderem als Versucher Jesu. Dabei bleibt entscheidend, dass Satan nicht als gleichrangiger Gegenspieler Gottes verstanden wird. Das Medium thematisiert außerdem die Frage, ob der Teufel als reales personales Wesen oder als religiöses Bild für Erfahrungen des Bösen verstanden werden kann. Einen weiteren Schwerpunkt bildet René Girards Theorie von Gewalt, Nachahmung und Sündenbockmechanismen. Gewalt kann sich demnach verselbstständigen und durch die gemeinsame Ausgrenzung eines Opfers kanalisiert werden. Die Botschaft Jesu wird diesem Kreislauf als Weg der Liebe und des Gewaltverzichts gegenübergestellt. Abschließend werden drei Deutungsmöglichkeiten eröffnet: Der Teufel kann als tatsächlich existierendes Wesen verstanden, als zeitbedingte religiöse Vorstellung verworfen oder als symbolische Sprache für bleibende Erfahrungen des Bösen interpretiert werden.

Products

Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht ab Jahrgangsstufe 7. Der Bayerische Rundfunk nennt als zentrales Lernziel die Auseinandersetzung mit Gewalt und dem Bösen sowie die Entwicklung einer eigenen begründeten Position zur Frage, ob der Teufel als Urheber des Bösen verstanden werden kann. Religionspädagogisch ist das Medium besonders ergiebig, weil es eine Frage aufgreift, zu der Lernende häufig bereits Vorstellungen besitzen. Bilder des Teufels begegnen ihnen in Filmen, Computerspielen, Literatur, Kunst, Redewendungen und populärer Kultur. Diese Vorstellungen können im Unterricht aufgenommen und mit biblischen sowie theologischen Deutungen verglichen werden.

Als Einstieg kann die Frage „Wie sieht das Böse aus?“ verwendet werden. Die Lernenden sammeln zunächst Begriffe, Symbole und Vorstellungen, die sie mit dem Teufel oder dem Bösen verbinden. Anschließend können die Ergebnisse geordnet werden. Dabei lässt sich beispielsweise zwischen religiösen Vorstellungen, Darstellungen aus Medien und persönlichen Vorstellungen unterscheiden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Begriffe Satan, Teufel, Luzifer, Versucher und Dämon zunächst ohne Erklärung an die Tafel zu schreiben. Die Lernenden formulieren Vermutungen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Erst danach wird das Medium eingesetzt. Auf diese Weise können vorhandene Vorstellungen sichtbar gemacht und später überprüft werden.

Während des Hörens empfiehlt sich ein strukturierter Beobachtungsauftrag. Die Lernenden können eine Tabelle mit den Bereichen Bibel, Religionsgeschichte, Theologie und heutige Deutungen anlegen und zentrale Aussagen zuordnen. Alternativ können Gruppen unterschiedliche Hörfragen erhalten. Eine Gruppe untersucht die biblischen Vorstellungen von Satan, eine weitere die Frage nach der personalen Existenz des Teufels und eine weitere die Deutung des Bösen durch René Girard. Anschließend tauschen die Gruppen ihre Ergebnisse aus. Der Bayerische Rundfunk empfiehlt ebenfalls, den Beitrag vollständig anzuhören, Notizen anzufertigen und danach einen spontanen Austausch zu ermöglichen.

Für die Bibelarbeit eignet sich besonders die Versuchung Jesu in Matthäus 4. Die Lernenden können untersuchen, womit Jesus versucht wird und welche menschlichen Bedürfnisse hinter den Versuchungen stehen. Dadurch kann die Gestalt des Teufels von einer rein äußerlichen Schreckensfigur gelöst werden. Die weiterführende Frage lautet dann, was Versuchung bedeutet und warum Menschen Dinge tun, obwohl sie wissen, dass diese anderen oder ihnen selbst schaden können. Das Medium verweist darauf, dass Jesus im Neuen Testament mit dem Versucher konfrontiert wird und dass Satan dennoch kein gleichrangiger Gegenspieler Gottes ist.

Ein wichtiger religionspädagogischer Schwerpunkt sollte auf der Unterscheidung zwischen bildlicher und wörtlicher religiöser Sprache liegen. Die Lernenden können diskutieren, ob die Aussage „Der Teufel existiert“ dieselbe Bedeutung besitzt wie die Aussage „Das Böse existiert“. Daran lässt sich die Frage anschließen, ob religiöse Bilder wahr sein können, ohne naturwissenschaftliche Beschreibungen zu sein. So entwickeln die Lernenden Kompetenzen im Umgang mit religiöser Symbolsprache und erkennen, dass innerhalb des Christentums unterschiedliche Deutungen möglich sind.

Besonders ergiebig ist die im Medium vorgestellte Theorie René Girards. Nach dieser Deutung können Begehren, Rivalität und Nachahmung Gewalt entstehen lassen. Die Gewalt kann sich verselbstständigen und schließlich gegen einen Sündenbock richten. Diese Überlegungen lassen sich sehr gut auf die Lebenswelt der Lernenden übertragen. Denkbar sind Fallbeispiele aus einer Schulklasse, einer Gruppe oder sozialen Medien. Die Lernenden können untersuchen, wie Gerüchte entstehen, wie eine Gruppe eine einzelne Person zum Schuldigen erklärt und warum die Ausgrenzung eines Menschen kurzfristig Gemeinschaft erzeugen kann. Entscheidend ist dabei, konkrete Personen aus der Lerngruppe nicht zum Gegenstand der Analyse zu machen.

Methodisch kann hierzu ein fiktives Fallbeispiel verwendet werden. Eine Gruppe gerät in Streit und erklärt schließlich eine Person für alle Probleme verantwortlich. Die Lernenden untersuchen, wie es zu dieser Entwicklung kommt. Anschließend wird Girards Begriff des Sündenbocks eingeführt. Die Frage lautet nun, ob die Entfernung des vermeintlich Schuldigen das eigentliche Problem tatsächlich löst. Dadurch kann das Medium zur Prävention von Ausgrenzung, Mobbing und gruppenbezogener Gewalt beitragen.

Eine theologische Vertiefung bietet die Gegenüberstellung von Gewalt und Liebe. In der Darstellung des Mediums interpretiert Girard die Botschaft Jesu vom Reich Gottes als radikale Absage an den Kreislauf der Gewalt. Liebe wird zum Handlungsprinzip, das Gewalt nicht erneut mit Gewalt beantwortet. Im Religionsunterricht kann dies mit Feindesliebe, Gewaltverzicht und der Passion Jesu verbunden werden. Lernende können diskutieren, ob Gewaltverzicht realistisch ist und ob Liebe tatsächlich gesellschaftliche Gewalt überwinden kann. Dabei sollte zwischen dem Verzicht auf Rache und der notwendigen Abwehr von Gewalt unterschieden werden.

Für eine kontroverse Abschlussdiskussion eignet sich besonders die Frage „Gibt es den Teufel wirklich?“ Das Medium selbst eröffnet hierfür drei unterschiedliche Möglichkeiten. Lernende können eine Position auswählen und argumentativ vertreten: Der Teufel ist eine reale personale Macht. Der Teufel gehört zu einem historischen Weltbild, das heute nicht mehr übernommen werden muss. Oder die Gestalt des Teufels ist eine symbolische Sprache, in der Erfahrungen mit Versuchung, Gewalt und Bösem ausgedrückt werden. Wichtig ist, dass keine dieser Positionen vorschnell als einzig zulässige Antwort präsentiert wird. Ziel ist die Fähigkeit, religiöse Aussagen zu verstehen, unterschiedliche Deutungen miteinander zu vergleichen und eine begründete eigene Position zu formulieren.

Das vom Bayerischen Rundfunk vorgeschlagene Unterrichtskonzept kann ebenfalls aufgegriffen werden. Es sieht Gruppenarbeiten zu Gewalt, Teufel, Exorzismus, Engeln und biblischen Texten vor. Die Ergebnisse werden anschließend in Expertenrunden ausgetauscht. Nach dem Hören sollen Aussagen des Beitrags diskutiert und in eigenen Worten wiedergegeben werden. Als weiterführende Themen werden unter anderem Theodizee und das Buch Hiob genannt. Gerade die Verbindung zur Theodizeefrage ist religionspädagogisch sinnvoll: Wenn Gott gut und mächtig ist, woher kommt dann das Böse? Ist der Teufel eine Antwort auf diese Frage oder verschiebt er sie lediglich?

Bei der Behandlung von Satan, Dämonen und Exorzismus ist besondere pädagogische Sensibilität erforderlich. Die Inhalte sollten religionsgeschichtlich und theologisch eingeordnet werden und nicht sensationsorientiert behandelt werden. Insbesondere sollte vermieden werden, psychische Erkrankungen oder ungewöhnliches Verhalten vorschnell religiös als Besessenheit zu interpretieren. Das Medium eignet sich vielmehr dazu, unterschiedliche historische und gegenwärtige Deutungsmuster des Bösen kritisch miteinander zu vergleichen.

Als Ergebnissicherung können die Lernenden einen kurzen Text mit dem Titel „Was bedeutet der Teufel heute?“ verfassen. Alternativ erstellen sie eine Begriffskarte, in deren Zentrum „Das Böse“ steht und die Begriffe Satan, Versuchung, Gewalt, Sündenbock, Verantwortung, Liebe und Freiheit miteinander verbunden werden. Dadurch kann eine zentrale Erkenntnis gesichert werden: Die Frage nach dem Teufel ist letztlich eng mit der Frage verbunden, wie Menschen das Böse erklären, wie sie Verantwortung für eigenes Handeln verstehen und welche Möglichkeiten sie sehen, Gewalt und Unrecht zu überwinden.


Fragestellungen zum Medium mit Antworten


Warum haben Menschen Vorstellungen vom Teufel entwickelt?

Menschen versuchen seit langer Zeit zu erklären, woher das Böse kommt und warum Menschen Böses tun. Die Personifizierung des Bösen ist eine Möglichkeit, solche Erfahrungen religiös zu deuten. Vorstellungen einer Personifizierung des Bösen finden sich nach dem Medium in zahlreichen Religionen.


Welche Rolle spielt Satan im Alten Testament?

Im dargestellten alttestamentlichen Verständnis gehört Satan zum himmlischen Hofstaat und übernimmt die Rolle eines Widersachers. Seine Macht bleibt jedoch von Gott begrenzt. Er ist deshalb kein Gott gleichrangiger Gegenspieler.


Wie verändert sich die Vorstellung von Satan in frühjüdischer Zeit?

Satan wird stärker als gefallener Engelsfürst, Gegner Gottes und Verführer der Menschen verstanden. Verschiedene Traditionen verwenden unterschiedliche Namen für diese Gestalt.


Welche Bedeutung besitzt der Teufel im Neuen Testament?

Das Neue Testament greift vorhandene Vorstellungen auf. Besonders anschaulich wird dies in der Versuchung Jesu. Jesus begegnet dem Versucher und widersteht ihm. Auch hier erscheint der Teufel nicht als gleichrangige Gegenmacht zu Gott.


Ist der Teufel nach dem Medium ein reales Wesen?

Das Medium gibt darauf bewusst keine einfache Antwort. Es stellt unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten vor. Menschen können den Teufel als reales Wesen verstehen, die Vorstellung als Bestandteil eines vergangenen Weltbildes betrachten oder darin eine symbolische Sprache für Erfahrungen des Bösen erkennen.


Was bedeutet der Begriff Sündenbock bei René Girard?

Eine Gruppe kann ihre Gewalt gegen eine einzelne Person richten und dieser die Verantwortung für Probleme zuschreiben. Durch die Ausgrenzung des Opfers entsteht vorübergehend Zusammenhalt. Die eigentlichen Ursachen des Konflikts werden dadurch jedoch verdeckt.


Welche Verbindung stellt Girard zwischen Satan und Gewalt her?

In der im Medium dargestellten Theorie symbolisiert Satan den Kreislauf von Begehren, Rivalität und Gewalt. Gewalt erzeugt neue Gewalt und kann sich immer weiter verstärken.


Wie kann dieser Kreislauf der Gewalt durchbrochen werden?

Nach der dargestellten Interpretation Girards besitzt die Botschaft Jesu eine zentrale Bedeutung. Liebe und Gewaltverzicht durchbrechen die Logik, Gewalt wiederum mit Gewalt zu beantworten.


Warum eignet sich das Thema für den Religionsunterricht?

Es verbindet biblische Überlieferungen mit grundlegenden Fragen nach Gut und Böse, Freiheit, Verantwortung, Gewalt und Schuld. Gleichzeitig können Lernende unterschiedliche religiöse Deutungen kennenlernen und eine eigene begründete Position entwickeln. Der Bayerische Rundfunk empfiehlt das Material für Religion ab Jahrgangsstufe 7.


Was hat die Frage nach dem Teufel mit menschlicher Verantwortung zu tun?

Wenn das Böse ausschließlich einer äußeren Macht zugeschrieben wird, entsteht die Frage, welche Verantwortung Menschen selbst für ihre Entscheidungen tragen. Der Unterricht kann deshalb untersuchen, ob die Vorstellung vom Teufel menschliche Verantwortung erklärt, symbolisiert oder möglicherweise auch verdeckt.


Welche Verbindung besteht zwischen dem Thema und der Theodizeefrage?

Beide beschäftigen sich mit der Existenz des Bösen. Die Theodizeefrage fragt insbesondere danach, wie das Leiden und das Böse mit dem Glauben an einen guten und mächtigen Gott vereinbart werden können. Der Bayerische Rundfunk schlägt Theodizee und das Buch Hiob ausdrücklich als mögliche Weiterarbeit vor.


Was können Lernende aus dem Medium für ihren Alltag mitnehmen?

Sie können erkennen, dass die Frage nach dem Bösen nicht nur eine Frage nach einer religiösen Gestalt ist. Sie betrifft auch Gewalt, Ausgrenzung, Schuldzuweisung, Versuchung, persönliche Entscheidungen und die Verantwortung dafür, Gewaltkreisläufe nicht weiterzuführen.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 8

8G.2 Gottesbilder im Leben der Menschen. Menschliche Vorstellungen und Offenbarung .

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 9

9.3 Dem Lebenssinn auf der Spur: Jesus Christus – dem Auferstandenen nachfolgen.

Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 6. Was ist der Mensch? - Biblischer Zugang.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.