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Religionspädagogische BeiträgeFahimah UlfatAsher J. Mattern

Religionspädagogische Beiträge,

Fahimah Ulfat,

Asher J. Mattern

Othering revisited: Historische und gegenwärtige Wurzeln sowie religionspädagogische Herausforderungen des jüdisch-muslimischen Verhältnisses in Deutschland

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht aktuelle Otheringprozesse zwischen Muslim*innen und Jüd*innen in Deutschland. Durch empirische, historische und theologische Analysen werden komplexe Dynamiken in den Beziehungen zwischen beiden Gruppen aufgezeigt. Der Fokus liegt auf der Nutzung des Otheringkonzepts für interreligiöses Lernen unter Berücksichtigung von Machtstrukturen, Intersektionalität und politischer Bildung.

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Der Artikel konzentriert sich auf gegenwärtige Otheringprozesse zwischen Muslim*innen und Jüd*innen in Deutschland und analysiert diese aus empirischer, historischer und theologischer Perspektive. Nach Edward Saids Orientalismus-Analyse wird Othering als Prozess definiert, durch den dominante Kulturen „die Anderen" essentialistisch repräsentieren und sich selbst als Norm konstruieren. Der Artikel betont, dass Othering nicht nur ein historisches Phänomen ist, sondern auch gegenwärtige globale Machtverhältnisse und Diskurse über Rasse, Kultur und Identität strukturiert. Eine Besonderheit des antisemitischen Othering liegt in konträren Stereotypen, die Jüd*innen gleichzeitig als mächtig und minderwertig darstellen. Der empirische Teil analysiert wissenschaftliche Wahrnehmungen beider Gruppen. Während zahlreiche Studien antisemitische Einstellungen unter Muslim*innen untersuchen – oft mit Bezug zum Nahostkonflikt – fehlen weitgehend vergleichbare Studien zu negativen Wahrnehmungen von Muslim*innen durch Jüd*innen. Dies wird als Folge historischer Otheringprozesse gegenüber Jüd*innen interpretiert. Die Forschung zeigt ambivalente Bilder: Einerseits erkennen Jüd*innen in verschiedenen Ländern Diskriminierung gegen Muslim*innen an, andererseits sehen sie Bedrohungen durch islamistischen Extremismus. Nach dem 7. Oktober 2023 verschärften sich diese Tendenzen erheblich. Historisch werden die Beziehungen zwischen jüdischen und muslimischen Gemeinschaften als jahrhundertealte Koexistenz mit Phasen von Konflikt und Verfolgung charakterisiert. Im 20. Jahrhundert führte die Gründung Israels und der Nahostkonflikt zu einer Verschiebung der Wahrnehmungen. Einflussreiche Werke von Sayyid Qutb und anderen verbreiteten Antisemitismus in der islamischen Welt. Aktuelle politische Kontexte sind durch Deutsche Diskurslandschaften geprägt, in denen progressive Lager tend eher für die „muslimische Seite" und konservative Lager für die „jüdische/israelische Seite" Partei ergreifen. Religionspädagogisch argumentieren die Autoren für einen mehrdimensionalen, intersektionalen Ansatz, der essentialistische Sichtweisen vermeidet. Zwei massive Hindernisse erschweren direkte interreligiöse Begegnungen: Die zeitliche Distanz zum Holocaust und die numerische Asymmetrie zwischen jüdischen und muslimischen Schüler*innen. Als Lösungen werden politische Bildung und Extended Reality (XR) vorgeschlagen. Politische Bildung soll religiös-ideologische Narrative dekonstruieren und die reichen historischen Wechselwirkungen zwischen Judentum und Islam vermitteln. Extended Reality bietet innovative Wege durch immersive Lernumgebungen mit volumetrischen Videos, um Perspektivübernahme zu ermöglichen und Empathie für geotherte Gruppen zu erhöhen. Das Projekt VoViREx mit der Holocaust-Überlebenden Dr. Eva Umlauf wird als konkretes Beispiel genannt. Abschließend wird betont, dass Lehrkräfte entsprechende Kompetenzen zur Adressierung von Otheringprozessen benötigen, was eine Überarbeitung von Lehrplänen in der Lehrkräfteausbildung erfordert.

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