Für den Religionsunterricht eignet sich der Atlas besonders für Lernsequenzen zu Menschenwürde, Menschenrechten, Demokratie, Gerechtigkeit, Wahrheit, Verantwortung, Frieden und gesellschaftlichem Engagement. Die Arbeit mit dem Medium lässt sich dabei mit der Frage verbinden, welche Verantwortung Menschen für Wahrheit und Wahrhaftigkeit im öffentlichen Zusammenleben tragen und welche Bedeutung Menschenwürde und Freiheit für eine demokratische Gesellschaft besitzen. Für einen Einstieg können Lernende zunächst die Weltkarte auf den Seiten 6 und 7 sowie die fünf Kategorien des CIVICUS Monitors auf den Seiten 8 und 9 untersuchen. Sie beschreiben Auffälligkeiten, vergleichen Weltregionen und formulieren Vermutungen über mögliche Ursachen eingeschränkter Freiheitsrechte. Die Karten und Infografiken ermöglichen dabei einen niedrigschwelligen Zugang, bevor komplexere Texte erschlossen werden. Besonders produktiv ist eine arbeitsteilige Gruppenarbeit, in der Lernende unterschiedliche Länder, Regionen oder Formen der Einschränkung zivilgesellschaftlicher Freiheit untersuchen und ihre Ergebnisse anschließend miteinander vergleichen. Die statistischen Angaben sollten nicht nur übernommen, sondern kritisch interpretiert werden. Lernende können beispielsweise fragen, was es für den Alltag eines Menschen bedeutet, wenn Demonstrationen verhindert, Medien kontrolliert oder Organisationen verboten werden. Dadurch werden abstrakte Kategorien mit konkreten Vorstellungen von Freiheit, Teilhabe und Menschenwürde verbunden. Für ältere Lernende bietet sich außerdem die Auseinandersetzung mit den beiden Interviews zur Situation in Deutschland an. Da dort unterschiedliche Einschätzungen sichtbar werden, können die Texte für eine strukturierte Kontroverse genutzt werden. Lernende arbeiten Argumente und Belege heraus, unterscheiden Tatsachenbehauptungen von Bewertungen und entwickeln anschließend ein begründetes eigenes Urteil. Der Schwerpunkt Desinformation ab Seite 32 eröffnet darüber hinaus zahlreiche Möglichkeiten für medienpädagogisches Lernen. Die im Atlas vorgenommene Unterscheidung zwischen absichtlicher Desinformation und unbeabsichtigter Fehlinformation kann zunächst an selbst gewählten oder von der Lehrkraft bereitgestellten Beispielen erprobt werden. Anschließend können Lernende untersuchen, warum emotionalisierende und polarisierende Inhalte besondere Aufmerksamkeit erhalten und welche Folgen dies für gesellschaftliches Vertrauen und demokratische Verständigungsprozesse haben kann. Die Kapitel zu Fake News, Deepfakes und generativer künstlicher Intelligenz eignen sich zudem für praktische Übungen zur Quellenkritik. Lernende können Kriterien für die Prüfung digitaler Inhalte entwickeln, Bildmaterial untersuchen, Absender und Interessen analysieren und darüber diskutieren, weshalb technisch überzeugende Inhalte nicht automatisch glaubwürdig sind. Der Atlas zeigt beispielsweise, dass generative künstliche Intelligenz zur Herstellung manipulierter Bilder, Videos und Audiodateien sowie zur gezielten Ansprache bestimmter Gruppen eingesetzt werden kann. Religionspädagogisch sollte die Medienanalyse schließlich in eine ethische Urteilsbildung überführt werden. Denkbar sind Fragen danach, warum Wahrheit für das Zusammenleben bedeutsam ist, wann Kommunikation manipulativ wird, welche Verantwortung Menschen beim Teilen von Informationen tragen und weshalb der Schutz der Stimme anderer eine Frage von Gerechtigkeit sein kann. Hier lassen sich biblische Vorstellungen von Wahrheit, Gerechtigkeit, Nächstenliebe und dem Schutz gefährdeter Menschen einbeziehen und mit den gesellschaftlichen Herausforderungen des Atlas ins Gespräch bringen. Als Abschluss können Lernende einen eigenen Kriterienkatalog für verantwortliches Handeln in digitalen Öffentlichkeiten, eine Stellungnahme zur Bedeutung einer freien Zivilgesellschaft oder Regeln für einen verantwortungsvollen Umgang mit Informationen und künstlicher Intelligenz entwickeln. Ebenso bietet sich eine Diskussion über die politischen Forderungen des Atlas an. Dieser fordert unter anderem die Stärkung von Medienkompetenz, unabhängigem Journalismus, Medienvielfalt und zivilgesellschaftlichen Strukturen sowie einen verantwortlichen Umgang mit Plattformregulierung. Auf diese Weise verbindet das Medium Sachkompetenz, Medienkompetenz, ethische Urteilsfähigkeit, Perspektivwechsel und Handlungskompetenz und ermöglicht es Lernenden, die Bedeutung von Freiheit, Wahrheit und Verantwortung für eine demokratische und menschenrechtsorientierte Gesellschaft zu reflektieren.